Die Elektro-Nische. Mit Lorenz Rhode, Beni, Kylie Minogue und viel Vocal House

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Lorenz Rhode – Motor Cortex

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Illustration: Julia Schubert

Ganz nah ans Herz legen möchte ich Euch diesen Release eines Künstlers namens Lorenz Rhode. „I got a little something I´d like to lay on you“ sagt eine Stimme am Anfang, und dann wird musiziert. Bescheiden in der Attitüde, ohne prahlerischen Anspruch auf die nächste Club-Hymne, aber doch zauberhaft einnehmend in Harmonie und Beat präsentiert sich Laurenz Rhode auf dieser EP. Der Titeltrack „Motor Cortex“ taugt mit seinem „Let me see you dance“-Vocal, dem 80er-Beat und den „Sweat Dreams“-Synthies, dem intelligenten Aufbau und nicht zuletzt dem immer klar erkennbaren Funk als perfekter Aufwärmer/Tanzflächenfüller. Der Remix von Ben Mono (übrigens öfters im Münchner "Ed Moses" zu hören) bricht den Track sinnvoll runter, und „Kinky And The Grain“ ist großartige Elektro-Spielerei in Richtung Arcade-Game-Soundtrack. Schauts Euch den Trailer an!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Jaunt - Lipstick

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Illustration: Julia Schubert

Hier kommt ein Newcomer-Projekt mit seiner zweiten Single, dessen Einzelteile dem ein oder anderen schon bekannt vorkommen mögen. Vor allem aber der „performende“ Teil des Duos, Vincent Fries, taucht deutschlandweit immer wieder in den Clubs auf. Besondere Bekanntheit erlangte er aber 2005, als er auf den Contesten der ITF (International Turntable Federation) mit zwei anderen niederbayrischen DJs Europa- und Vize-Weltmeister im Turntablism wurde. Live kann man da also einiges an Skills erwarten, hier kommt erstmal die Single:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Albin Myers - Times like these Ein beunruhigender Trend hingegen manifestiert sich in dieser völlig unnötigen Electro House Version des Foo Fighter Hits „Times like these“. Der Gedanke hinter dem Konzept „Remix“ mag vieles beeinhalten, bestimmt jedoch nicht das Aneinanderschneiden des Gesangsparts eines bekannten Liedes und eines völlig unmotivierten Beats, den, für sich genommen, niemand veröffentlichen würde. Folgendes Beispiel nenne ich freizügig - auf Grund des künstlichen Spannnungsbogen und einer daran in die Untiefen schlechter elektronischer Musik herabgezogenen Superband - den Antichristen unter den Sample-Sündern. Bitte liebe Leute, hört auf damit.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Shinichi Osawa - Push

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Illustration: Julia Schubert

Dieser adrette Asiate war bisher nur als Import oder als Bewohner des Kitsuné Maison Samplers zu genießen, jetzt veröffentlicht Southern Fried Records sein Album „The One“ auch bei uns. Elektro-Pop-Clash zwischen Van She und Digitalism, immer wieder aufgehübscht durch Mitsummtaugliche Songkonzepte und nette Vocals, sauber produziert und versatil genug, um nicht zu nerven, auch wenn mancher Sägezahn-Elektro eben schnell recht intensiv wird. Groß klingen vor allem „Dreamhunt“ mit cremiger Frauenstimme, die energetische „Star Guitar“ und die diversen satt-funkigen Beats, die Osawa immer wieder an strategisch geschickten Stellen seiner Tracks einbaut. Absolut überdurchschnittliches Songwriting und keine Angst vor cheesy Hooks machen „The One“ zur Allzweckwaffe - Morgens zum Aufwachen, Mittags für die Laune, Abends zum Aufwärmen, alles kann, nichts muss. Das Video zu „Push“, in den Hauptrollen mehrere sehr dünne Frauen:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Kylie Minogue – Boombox the Remix Album

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Illustration: Julia Schubert

Die kleine Kylie finde ich generell bombastisch. Die Produktion ihrer Musik ist seit Jahren nicht nur an sich immer auf der Höhe von Zeit und Geschmack, sondern öffnet auch immer wieder tauglichen Remixen die Tür. Jetzt gibt es mit „Boombox The Remix Album“ eine Compilation von 16 Remixen, die zwischen 2000 und 2008 entstanden. Den Anfang macht der nahe liegende Mash-Up von New Orders „Blue Monday“ und Kylies „Can´t get you out of my head“, ein probates Beispiel für die lebendige Mash-Up-Szene, die sich in den vergangenen Jahren ihren ganz eigenen Stellenwert erarbeitet hat. Andere Tracks wie Mylos „I believe in you“ sind ähnlich wohl bekannt, von manchen Arbeiten habe ich noch nie was gehört. Es dürfte also auch für Kylie-Experten und Großraumdisko-DJs etwas neues dabei sein. Herausstechen natürlich Sebastién Légers „In my arms“, die Chemical Brothers Variante von „Slow“ und das geile Etwas, das Fisherspooner aus „Come into my world“ gedrechselt haben. Manche Mixe sind etwas seicht, aber hey, Kylie ist und bleibt Pop. Offensichtlich jedoch inspirierender, evolutionierbarer, potenter Pop. Ein inoffizielles Video zum Slow-Remix:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ VA – Vocal House Session

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Illustration: Julia Schubert

Kontor kann es nicht lassen: Für alle Freunde der rückwärtsgerichteten Trällerei gibts es jetzt auch noch einen Vocal House Sampler, frei nach Prince: „Party like it´s 1999!“. Darauf findet man dann neben den üblichen Verdächtigen Bob Sinclar und Atfc allerlei unbekannte, aber genauso belanglose Produktionen immer gleicher House-Klischees, die schon in zwei Wochen niemanden mehr interessieren. Den Tiefpunkt markieren die Brazil-House Revivals, für die sich manche Teilnehmer nicht zu schade sind. Wer mir nicht glaubt, kann hier in alle Songs mal kurz reinhören. Im CD-Spieler der Inhabergeführten „Bar/Lounge“ um die Ecke hat so etwas natürlich einen Stammplatz, weil es niemandem weh tut oder bei wichtigerem stört. Traurig finde ich trotzdem, dass es anscheinend Käufer gibt, die auch die X-te Compilation dieser Art für zu viel Geld bei Saturn mitnehmen. Gar nicht erst ignorieren, sage ich. Einziger Lichtblick: Ralf Gum mit „All this love for you“, vermutlich weil im vorliegenden „Rocco Spoken Mix“ nicht gesungen, sondern nur geredet wird. Ich will ja nicht nur meckern. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Umek & Beltek - Is it / Longer Tail EP Gegenbeispiel: Die zwei Slowenier, die seit „Army of Two“ auf allen wichtigen Plattentellern herumfläzen, haben mit einer EP nachgelegt. „Is it“ ist eine jener zum Hit gereichenden Tech-House-Harmonien, die bei mir immer gehen, „Longer Tail“ ist etwas mehr der rigorose Aufputscher. Beide Tracks verbindet der offensive Gestus und die Schlagrichtung: geradeaus nach vorne. Bitte, wie üblich, laut aufdrehen und steppen. Einmal als Link, einmal als Standbild:

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Joanna Trollope: The night I got down to the funky house in the name of research

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Illustration: Julia Schubert

Bild: www.dailymail.co.uk Zwischendurch ein Schmankerl aus Great Britain: Eine ältere Dame, von Beruf Zeitungskolumnistin, begibt sich aus Neugierde in einen Houseschuppen irgendwo in London. Ihre folgende Schilderung ist herzerwärmend: „And there was the beat. It wasn't so much deafening as huge. It gets you right in the breast bone, as if it's inside your body as well as your head. More an experience, somehow, than music.“ Wie wahr, wie wahr. Den ganzen Artikel findet Ihr hier . ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Beni – My Love sees you

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Illustration: Julia Schubert

Und das jetzt noch das Neueste vom hippesten Label der Westlichen Hedonisphäre a.k.a. Kitsuné: Beni, ein Mitglied der French-Elektro-Band Riot in Belgium („De la musique“) mit einer EP voller toller Mixe. Angefangen mit der Indieclash-Version von In Flagranti, durch DerDieDas in Richtung Daft Punkt weitergeführt und von Beni selbst im Dub vollendet. Klingt zwar wieder eindeutig als Pariser Produkt lokalisierbar, aber doch frisch genug, um hier gelobt zu werden. Weiterhören hier , ein kurzes Fan-Video aus Tokio als Teaser:

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