Elektro-Nische. Diesmal mit Heartthrob, den iPunx, Chemical Brothers und Trentmøller live.

Die Musikkolumne von Friedemann Karig, für alles was diesen Monat besonders interessant knarzt, blubbert und berzt.
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Heartthrob

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Illustration: Julia Schubert

Meine Veröffentlichung des Monats: Heartthrob alias Jesse Siminski, ein Amerikaner in Paris/Berlin, zaubert erstklassigen Minimal irgendwo zwischen hart und härter. „Futures Past“ klingt wie der Lieblingssong einer tanzwütigen Apokalypse-Sekte, „Blind Item“ höre ich auf der After Hour. Irgendwo dazwischen bebt und fiept der Rest, auf gleich bleibend hohem Niveau, durch mein dafür eigentlich zu kleines Zimmer. „Ein Statement für minimalistische Funkyness“ nennt der Kollege von laut.de das Album – da bleibt mir wenig hinzuzufügen, als einen trefflichen Trailer:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Moguai Recklinghausens Verdienste um die internationale Musikszene sind groß: Niemand geringeres als Dauerbrenner Moguai hat hier seine Wurzeln. Sein Album „I am X“, im Frühjahr erschienen, dürfte in seiner eklezistischen Qualität hinlänglich bekannt sein. Hinweisen möchte ich aber doch noch einmal auf den potenziellen Sommer-Club-Hit „Sittin on Chrome“, der kürzlich noch mal als Single-EP, mit allerlei Remixen aufgehübscht, veröffentlicht wurde. Die mich im Original durchaus störende 90er-Vocal-House-Stimme fällt zum Beispiel beim I AM X Dub quasi weg, was den Track erst richtig empfehlenswert macht. Diesen jage durch die Boxen, wer eine laue Sommernacht feiern will, denn der Beat ist grandios. Beim Video hört man zwar besagten Original Mix, aber der Beat stimmt und die Bildspur (Sebastian Therre hat in Tokio gefilmt) ist umso ansehnlicher:

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Skitish- Backlash EP Ein Meisterstück in Sachen „EP mit sinnvollen Remixen“ liefert Skitish ab. Dermaßen schöne, mal zurückgelehnt-ruhige, mal attackierend-harte Versuche über den sowieso großartigen Track „Backlash“ würde man nicht unbedingt erwarten. Im Mietwagen auf Küstenstraßen ist das Urlaubstechno vom feinsten - zu Hause einfach guter Techno. Zur Zeit erscheint diese großartige Musik noch auf dem jungen online-only Label Fairlads, aber mich würde es nicht wundern, wenn man davon in nächster Zeit noch mehr und direkter hören würde. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Pnau

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Illustration: Julia Schubert

Mal was von Down Under: Pnau , zwei Jungs mit Elektro-Pop auf dem Weg zu Weltstars. Das Album ist zwar schon älter und wird schon oft genug im Netz empfohlen, aber noch erstaunlich unbekannt bei uns. Das Spiel , bei dem man sich das Probehören der Songs erdaddeln muss, ist jedenfalls einfach zu bescheuert, um es nicht zu verbreiten. Und dieses wunderbare Live-Video von „Embrace“ inklusive Sängerin in Brautkleid wollte ich Euch ebenso wenig vorenthalten wie das mit der irren Erdbeere („Strawberry“). Wer also gerade in Australien ist, sollte sich Pnau anschauen, alle anderen warten einfach, bis die Welle zu uns hoch schwappt.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Franklin de Costa Aus dem Berliner Hause mobilee kommt schöner Minimal, den ich für das technoide Kaffeekränzchen unter alten Freunden bzw. die obligatorische Sonntagnachmittagskuschelei empfehlen würde, insofern man dem Tag die Chance geben mag, doch noch zu eskalieren. Unter der Oberfläche aus Klangspielereien und Hall-Percussions lauert nämlich die pure Tanzlust perfide dazu anstachelnder Beats. „Another one drowns“ heisst die EP von Franklin de Costa, den man als DJ/Produzenten in und um Frankfurt oder durch Releases z.B. auf Gabriel Anandas Label Karmarouge kennen könnte. Den dort erschienenen älteren, etwas fixeren Track „Backflipheadshot“ bekommt man aber auch ohne Vorkenntnisse hier geschenkt. Viel Spaß. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Argy Nachschlag Letzten Monat empfahl ich Argy , und nachgeschoben gibt es sogar einen Gratis-Track zu genießen! Das sollte aber nun auch genügen, um zu überzeugen. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Oasis vs. Chemical Brothers Oasis arbeiten offenkundig mal wieder an einem neuen Album („Dig it out loud“), und anscheinend hat es ein von den Chemical Brothers geremixter Track über Umwege in die Tratschtante Internet geschafft: „Falling down“ klingt gut, sehr gut sogar, mit prägnanten Piano-Akkorden, echtem Gallagher-Gesang und ein bisschen Sound-Spielerei drumherum. Das macht jedenfalls Lust auf mehr zielführende Remixe begnadeter Songschreiber.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Malente & Dex

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Illustration: Julia Schubert

Ich denke zurück an die erste Folge dieser Kolumne, denn Malente macht wieder von sich hören: "Hyperactive" ist, wie der Name schon sagt, etwas hektisch, aber durchaus so funky, wie man das vom Münsteraner gewohnt ist. In Zusammenarbeit mit Newcomer Dex und vor allem in den Remixen von u.a. Bird Peterson oder Riva Starr sägt der Bass und flippen die Samples, dass es eine reine Freude ist. Ein Anspieltipp im Plattenladen also. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Trentemøller Anders Trentemøllers Live-Sets sind legendär, und endlich auch beliebig oft nachfühlbar: „Live in Concert EP (Roskilde 2007)“ ist frisch erschienen, und wirklich etwas besonderes. Wie da zwischen den sphärischen Beats seiner mit allerlei Elektronik aufgerüsteten Band auf einmal New Orders „Blue Monday“ auftaucht, macht klar, wo Techno heute steht. Das vorliegende Live-Video zeigt das leider nicht auf der EP veröffentlichte „Moan“. Den Song gibt´s gleich noch mal, denn das Original-Video feat. Laika, dem ersten Hund im All, ist ein naives Meisterwerk. Und beurteilen, wie gut dem Anders die Live-Umsetzung eines Songs gelingt, kann man damit auch.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ iPunx

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Illustration: Julia Schubert

Zum Schluss noch mal Mash-Up/Bastard aus London: iPunx sind die Kombo für jeden, der sich einfach nicht entscheiden kann, ob Punk, Techno, Rap oder Soul diesen Sommer bestimmen soll. Den Mix mit allen White-Label-Releases drin gibt es kostenlos. Solche Experimente sind ja immer harte Geschmackssache, und ich finde zum Beispiel die Kombination aus Jackson 5 und Soundgarden

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