ElektroNische. Für alles was in den Clubs knarzt, blubbert und berzt

Willkommen zu einer neuen Musikkolumne, die sich fortan mit dem vielleicht schnellsten Musikgenre überhaupt befassen soll.
friedemann-karig

Die Hamburger Dauerbrenner Moonbootica erinnern sich an ihre Hip-Hop Wurzeln und bringen einen Klassiker zurück, der inzwischen eher auf Fachschafts-Parties als im Ghetto zu Hause ist: Jump around von House of Pain. Zu diesem Remake gibt es empirisch gesehen zwei Kritikpunkte: Zu langsam, zu viel alberne Vocoder-Stimmchen. In den beiden Eyerer&Chopstick Remixen, also schneller oder rein instrumental, macht das Ganze dann auch für mich Sinn. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Wer kennt noch den Hamburger Club-House Helden Kid Alex („Topless“, „Fame“)? Der Junge ist endgültig erwachsen und Neu-Berliner geworden - und nennt sich jetzt Boys Noize . Erst gab es Remixe für Depeche Mode, Marylin Manson und Justice, dann Lobeshymnen etablierter Szene-Größen wie Soulwax („This album is a KILLER!“) und von den Altmeistern Daft Punk. Und irgendwie wundert es nicht: Was Alex Ridha anbringt, geriert sich gegenüber Berliner/Kölner Minimal-Produktionen als rasender Roboter im Streichelzoo. Seine Beats brechen und scheppern, immer wieder verzerrt er Sounds bis zum Anschlag - und findet so einen eigenen Stil. Das klingt oft größenwahnsinnig und überspektakulär, bleibt aber immer stringent und frisch produziert. Den „Techfunk“ (eigene, passende Kategorisierung des Künstlers) seines Debüt-Albums „OiOiOi“ atmen jetzt schon Clubs weltweit, und die Publikumsverehrung treibt diskutable Blüten, wie etwa das folgende Video zum unbestritten großartigen Roboterweibchen-Song „Frau“: Auf dem zugehörigen Label Boys Noize Records macht außerdem gerade ein junger Hamburger namens D.I.M. Rambazamba. Hier kann man schon mal hören, was sicherlich bald auch den Club um die Ecke überkochen lässt. Ähnliche Richtung, mindestens genauso geil und noch etwas neuer: Teenage Bad Girl mit Cocotte V 2.0. Zum Vergleich quasi.

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Illustration: Julia Schubert

Das ist der Malente Weiter durch Deutschland geht es mit dem Geist von Malente, den ich hier einfach empfehlen muss, weil noch relativ unbekannt und dabei voller Potenzial. Das Münsteraner Multitalent (unter Vertrag bei der Hamburger Moonbootique) haut seit geraumer Zeit einen Knaller nach dem anderen raus. Als Artist arbeitet er mit vielseitigem Funk, als Remixer dafür umso geradlinig härter und frappierend instinktsicher, als DJ einfach nur als kompromissloser Clubfüller. Auf seiner vorbildhaften Homepage kann man nicht nur seinen genialen Remix der Turntablerocker Hymne „No Melody“ hören, sondern selbst DJ spielen, und zwar mit etlichen seiner neuesten Tracks. Wenn das mal nix ist! ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ DJ Tocadisco, Kölner Schöpfer einiger der größten Clubhits der letzten Jahre, wandelt mehr und mehr auf minimaleren Pfaden - und das ist gut so. Morumbi heißt einer der neuesten Geniestreiche: Ein einziger schiebender, klickender Klimax. Dazu kommt am 25. Januar der erste Longplayer „Solo“ (plus Clubtour), der jetzt schon als Hitsammlung fürs ganze Jahres gilt. Unten gibt es zwar nur den Song zu hören (Video=Standbild), aber das beste Rezept ist sowieso: Augen zu und warten bis die Tanzmuskeln anfangen unkontrolliert zu zucken. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Rockband-Attitüde: Ein Live-Album rausbringen. So macht es Etienne de Crècy, damals mit „Am I Wrong“ schuld an der Bekehrung eines ganzen Jahrgangs zu elektronischer Musik. Ob es das Mashup zwischen dem abgenudelten „Never be alone“ von Justice und Crècys eigenem Hit „Fast Track“ gebraucht hätte, bleibt dahin gestellt. Alles andere daran ist jedoch einfach nur grandioser, zeitgemäßer Electro-House, der auch von einem 20jährigen kommen könnte. Und „Am I Wrong“ klingt in der Version 08 frischer und besser denn je. Der live auch oft in Band-Formation auftretende de Crècy untermauert damit seinen Status als einer der französischen Elektro-Stars überhaupt. ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Bei den Sternen ist Landsmann Sebastian Léger schon seit längerem angekommen: Nach einzelnen Releases seiner Planets-Reihe, wie das schon zum Klassiker avancierende Mars, kam Ende November endlich das komplette Album. Intelligenter, vielseitiger Elektro, mal verspielt, mal direkt auf die Zwölf zielend. Für mich vielleicht aktuell die beste Veröffentlichung und für 2008 auf die prominentesten Turntables der Welt abonniert. Nebenbei remixt er übrigens mal eben Duran Duran oder Justin Timberlake. Hier Léger live in Wien: ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Der unsägliche Brazil-House der 90er ist zum Glück endgültig in den Niederungen deutscher Großraumdissen verschwunden. Wer im Winter 07/08 entspannt elektronisierte Musik mit südamerikanischer Schärfe und einer ordentlichen Portion Hüftschwung mag, findet auf einem neuen Sampler namens Jalapeno Funk einige

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Illustration: Julia Schubert
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