Wu Tang Clan: Fuck that Album

Warum das Album-Unikat von Beginn an eine schlechte Idee war.
Von Quentin Lichtblau
Wu Tang Clan
Foto: dpa

Hallo Wu Tang Clan,

ich habe gerade das Dr-Evil-Video von Investmentfuzzi Martin Shkreli und seinen menschlichen Penisverlängerungen mit Wrestlingmasken gesehen. Darin droht er euch mit  Highschoolfilm-Fiesling-Phrasen, die einzige Kopie eures Albums „Once Upon A Time in Shaolin“ zu zerstören. Hat er euch vor ein paar Montaten für zwei Millionen Dollar abgekauft. Und jetzt will er die so richtig kaputtmachen („Kaputt, Motherfucker!“ würden die Wrestlingtypen jetzt sagen). Ein wahrlich teuflischer Plan!

Natürlich ist Shkreli tatsächlich ein ziemliches Arschloch, anders kann man einen Menschen wohl kaum nennen, der Medikamentenpreise für chronisch Kranke mit Ansage in die Höhe treibt. Ihr aber habt ihm mit eurer Album-Auktion einen riesigen Gefallen getan: Ihr habt einem kleinen Loser mit großem Konto mal wieder bewiesen, dass er sich mit seinem Geld eine Menge Aufmerksamkeit kaufen kann. Der hat richtig Lust, gehasst zu werden. Und ist euch bestimmt nun richtig dankbar, wenn ihr ihn in Interviews beschimpft.

 

Außerdem bestätigt ihr Shkreli auch noch in seinen Allmachtsfantasien. „Er kann mit dem Album machen, was er will“, hast du gesagt, RZA. Zumindest für die nächsten 88 Jahre, bis das Album, eurem nervigen Eso-Zahlengedöns folgend, dann doch noch ordentlich veröffentlicht wird. Ist euch denn wirklich vollkommen egal, was mit eurer Kunst passiert? Wolltet ihr den Leuten nicht den "Wert der Musik" ins Gedächtnis rufen?

 

Im selben Interview behauptest du dann noch, dass Kunst keine Diskriminierung kenne, schließlich hätte theoretisch jeder das Album ersteigern können. Meinst du das ernst, RZA? Die künstliche Verknappung auf ein einziges Exemplar in Shkrelis Arschloch-Trophäenvitrine diskriminiert die komplette Restmenschheit, die bis 2103 keinen Zugang zu „Once Upon A Time in Shaolin“ haben wird. In puncto Diskriminierung steht ihr dem Pharma-Wucherer Shkreli also in nichts nach. 

 

Die große Shkreli-Show noch weiter zu befeuern und dabei immer wieder demonstrativ mit den Achseln zu zucken, wenn er möglicherweise seine Zerstörungspläne ausführt (Säure! Haie! Laserstrahl!), macht euch selbst für den treuesten Fan zu einer Lachnummer. 

 

Was ihr jetzt tun solltet? Richtet euch nach eurem schon immer weisesten Mitglied Method Man. Sein Kommentar zum Thema: "Fuck that Album. Give the fucking music out. Stop playing with the public, man." Und beim nächsten Album dann nicht einen hirnrissigen PR-Stunt, sondern die eigentliche Kunst in den Mittelpunkt stellen: Die Musik.

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