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Foto: Leonie Sontheimer; Bearbeitung: jetzt

Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen derzeit im Müll. Alleine in Deutschland sind das jedes Jahr elf Millionen Tonnen, fast eine LKW-Ladung pro Minute. Franzi (25) und Caro (27) wollten das nicht mehr hinnehmen.

Im Juni wurden die Studentinnen in Olching dabei erwischt, wie sie Paprika, Salatköpfe, Obst, Joghurtbecher, Streichkäse und einen frisch gepressten Grapefruit-Saft aus den Müllcontainern hinter einem Edeka-Markt geholt haben. Deshalb mussten sie sich wegen eines „besonders schweren Fall des Diebstahls“ vor Gericht verantworten. Denn: Das deutsche Strafrecht bewertet auch Müll als Eigentum. „Damit macht es keinen Unterschied, ob jemand eine Birne aus dem Müll oder eine teure Luxusuhr aus dem Regal an sich nimmt“, kritisierte der Anwalt Max Malkus. Durch den öffentlichen Druck hatte Edeka die Strafanzeige zurückgezogen und auch die Staatsanwaltschaft hatte das ursprüngliche Strafmaß reduziert. Aber nach dem Gerichtsverfahren bleibt es dabei: Containern ist in Deutschland illegal, Franzi und Caro sollen 225 Euro Strafe zahlen und jeweils acht Sozialstunden leisten. Allerdings ist die Strafe zur Bewährung ausgesetzt.

jetzt: Ihr hattet für einen Freispruch im Container-Verfahren gekämpft. Gestern haben Euch die Richter schuldig gesprochen. War das eine Enttäuschung?

Caro: Wir haben eine Strafe auf Bewährung bekommen, das ist das geringstmögliche Strafmaß. Das heißt, wir müssen nichts zahlen, aber schuldig sind wir in deren Augen trotzdem. Richtig bewerten kann man das aber erst, wenn die schriftliche Begründung zum Urteil kommt.

Franzi: Wir müssen das erstmal sacken lassen. Das Absurde ist: Sogar der Staatsanwalt hat gesagt, dass es ihm sehr schwerfällt, zu verurteilen, dass wir Essen aus einer Mülltonne geholt haben.

Eure Petition „Containern ist kein Verbrechen hat inzwischen über 87000 Unterschriften. Habt ihr mit so viel Unterstützung gerechnet?

Franzi: Nein, wir sind echt beeindruckt. Gestern zu unserer Kundgebung vor dem Amtsgericht Fürstenfeldbruck sind über hundert Leute gekommen. Die waren so motiviert, das war echt toll. Es gab Musik und einen mobilen Essensstand mit gerettetem Essen.

Caro: Es war auch die Tafel da, bei der wir in letzter Zeit gearbeitet haben und Politiker von den Grünen, der Linken und der Mut-Partei.

Vor zwei Wochen habt ihr auf der „Wir haben es satt!“-Demonstration in Berlin eine Rede gehalten. Was muss die Politik eurer Meinung nach tun, damit sich etwas ändert?  

Caro: Mit der Online-Petition wenden wir uns ans Bundesjustizministerium, weil wir eine Gesetzesänderung wollen. Es ist doch verrückt, dass in Deutschland Lebensmittelverschwendung ohne rechtliche Folgen bleibt und gleichzeitig alle verfolgt werden, die dagegen aktiv werden.

Warum fokussiert ihr euch auf die Supermärkte und nicht auf die Verbraucher?

Franzi: Natürlich muss sich das Bewusstsein generell ändern. Aber unser Fokus liegt auf dem Handel. Man kann ja dem Verbraucher nicht verbieten, etwas in den eigenen Mülleimer zu werfen. Es müssen sich die Strukturen ändern. In unserer WG bekommen wir Gemüse aus einer solidarischen Landwirtschaft. Jeder kann sich informieren, welche Bauern in der Region ihre Produkte direkt vermarkten.

Caro: Aber auch da geht es wieder um die Politik: Kleinbauern müssen mehr subventioniert werden. Ich studiere Tiermedizin. Und in den Kuhställen sehe ich direkt die Auswirkungen von der Agrarpolitik, die seit Jahrzehnten hauptsächlich große Betriebe fördert.

Wie geht’s jetzt weiter?

Franzi: Unser Kampf gegen die Verschwendung geht auf jeden Fall weiter, sowohl bei uns im Landkreis, als auch auf Bundesebene. Bald wollen wir die Petition übergeben. Im Februar organisieren wir ein Vernetzungstreffen für alle, die sich weiter engagieren wollen, damit bei uns nicht Millionen Tonnen Essen im Müll landen.