Haben Millennials die Mayonnaise getötet?

Foto: ruewi / photocase.de

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Erinnern wir uns alle mal kurz an die letzte Grillparty, auf die wir eingeladen waren. Wahrscheinlich waren die Gäste aufgefordert, einen Salat oder Beilagen mitzubringen. Und wahrscheinlich sah der Tisch, auf dem die Mitbringsel standen, in etwa so aus: Ein Couscous mit Pinienkernen, Rosinen und Frühlingszwiebeln. Ein Salat aus Wassermelone und Schafskäse („Sooo erfrischend!“), ein Pesto-Nudelsalat mit getrockneten Tomaten, ein Linsensalat, ein Quinoa-Gemisch und Tomate-Mozarella. Was dort ziemlich sicher nicht stand: ein Nudel- oder Kartoffelsalat, wie ihn unsere Mamas früher immer machten. Mit ordentlich Mayo drin.

Insofern könnte schon was dran sein an der Anklage, die vergangenes Wochenende eine Autorin im Philadelphia Magazine veröffentlichte und die eine angeregte Debatte im Netz nach sich zog. „How Millennials Killed Mayonnaise“ lautete die Überschrift und Sandy Hingston (die selbst kein Millennial) beklagte sich darunter, dass die Glanzzeit der Mayo vorbei sei. Wenn sie Mayo-triefenden Salate zu Familienfesten mitbrächte, rühre die keiner mehr an. In der Saucenauswahl eines jeden Festes gäbe es mehrere Sorten Senf und alle möglichen exotischen Saucen und Chutneys. Aber die gute, alte Mayo, die fehle immer öfter. 

Schuld daran seien wir, die jungen Menschen. Uns sei Mayo zu fettig, diese Mischung aus Ei und Öl erinnere uns zu sehr an Körperflüssigkeiten. Und eine rebellische Komponente erkannte Hingston auch: Die Mayo gelte jungen Amerikanern als die Sauce der Elterngeneration, die sie sich und ihren Kindern auf jedes Sandwich und in jeden Thunfisch-Salat klatschten, um die geschmacklichen Defizite dieser Speisen zu übertünchen. Ablesen lasse sich die Mayophobie der Millennials auch an Artikeln bei Buzzfeed und Co. mit Titeln wie: „24 Gründe, warum Mayonnaise die Sauce des Teufels ist“.

An vielem davon mag etwas dran sein. Eine Neigung zu – im Vergleich zu den Vorlieben unserer Eltern – gesünderem, vielleicht auch exotischerem Essen kann man uns guten Gewissens attestieren. Mayo-Hass-Artikel im Netz muss man auch nicht so lange suchen, nicht selten stammen sie von jüngeren Autoren. Wir haben vor Kurzem über den Shitstorm berichtet, den ein schottischer Eismacher über sich ergehen lassen musste, nachdem er Mayonnaise-Eis ins Sortiment aufgenommen hatte.

Nach Sandy Hingstons Artikel konnte man darum auch viel Lob und Jubel  für die Millennials lesen, die die Mayo angeblich getötet haben:

Aber natürlich gab es auch reichlich Widerspruch und Verwunderung über die plötzliche Hasswelle:

Das Stimmungsbild ist also nicht ganz so eindeutig, wie Sandy Hingston es darstellt. Nicht alle jungen Menschen sind mayophob, es gibt sie noch, die Mayo-Liebhaber, manche sind wohl sogar wahre Mayollennials.

Das Magazin Business Insider hat glücklicherweise nachgeholt, was Hingston unterlassen hat – und die tatsächlichen Zahlen angeschaut. Der Recherche zufolge ist der Mayo-Umsatz in den USA zwischen 2012 und 2017 um 6,7 Prozent zurückgegangen. Die Hersteller sind auch mit den Preisen runtergegangen, um ihre Kundschaft nicht zu verlieren. Fragt man bei Nestle Deutschland nach, wie es um den Mayo-Absatz bestellt ist, stößt man da nicht auf große Panik: Die klassische Mayonnaise sei nach wie vor beliebt, sagt Jutta Bednarz, zuständig für die Kommunikation über Produkte und Marken. „Der Markt ist in Deutschland in diesem Jahr um 2,7 Prozent gewachsen.“

Aber die Zahlen des Unternehmens zeigen auch: Mayo ist wohl eher eine Sache der Älteren: Ungefähr die Hälfte der Konsumenten sei über 50 Jahre alt, 34 Prozent 30 bis 49 Jahre alt, sagt Bednarz, und führt weiter aus: „Der Trend geht schon eher dahin, Mayo zu verfeinern. Es gibt auch Streetfood-Produkte, die ein bisschen jünger aufgemacht sind.“ Damit meint sie Mayonnaisen mit Geschmacksrichtungen wie Chili-Kokos oder Pfeffer-Orange. 

Letztlich bleibt also wohl festzuhalten: Die Mayo ist nicht tot. Verwundet aber wohl schon, und um bei Jüngeren anzukommen, scheint sie sich in Pfeffer-Chili-Sonstwas-Kostüme hüllen zu müssen. Auf jeden Fall ist sie aber in der Lage, die Gemüter ziemlich zu erhitzen.

che

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