„Spar nicht beim Discounter. Spar bei der Verpackung.“ Mit diesem Werbeslogan trollt ein Unverpackt-Laden aus Nordrhein-Westfalen gerade den Lebensmitteldiscounter Netto. Der wirbt nämlich seit einiger Zeit mit knalligen Reklamen, die ähnlich formuliert sind. Zum Beispiel mit dem Spruch „Spar nicht beim Friseur. Spar bei Netto!“ Auf der linken Seite des dazugehörigen Plakats ist eine Frau zu sehen, die mit zerzausten Haaren aussieht, als sei sie gerade erst aufgestanden. Die rechte Seite zeigt einen Haufen Lebensmittel aus dem Sortiment des Supermarkts. Klar, das kann man lustig finden. Aber: Fast alle Produkte auf dem Bild sind in Plastik verpackt. Diese Form des Sparens ist also nicht gerade umweltfreundlich.

Das kritisiert die „Füllbar Witten“ nun mit ihrer eigenen Kampagne. „Der Netto-Slogan ist überall präsent, egal ob im Radio oder auf Plakaten. Er war auch uns allen hier im Kopf“, erzählt Max Jordan (27) von der „Füllbar“. „Wir wollten das nutzen und eine eigene Version machen. Weg von ‚Kauf billig’, hin zu ‚Gehe achtsam mit Lebensmitteln um’“. 

Der Laden designte selbst ein Plakat und stellte dieses auch ins Internet. Das Geschäft ist gerade umgezogen ­­– da kommt ein bisschen virale Aufmerksamkeit ganz gelegen. Netto selbst hat sich bis jetzt noch nicht bei den „Füllbar“-Betreibern gemeldet.

„Wir wollen keine Öko-Diktatoren sein“

Das eigene Kunden-Feedback auf die Aktion ist laut Max aber durchweg positiv: „Wir hatten noch nie so eine große Rückmeldung auf einen Post oder eine Aktion. Wir kriegen viel Lob dafür, wie wir die Kampagne aufgegriffen haben.“ Es gab auch ein paar kritische Nachfragen. „Einige haben angeregt, dass Lebensmittel doch für alle bezahlbar sein sollten.“ Ein strittiger Punkt, mit dem sich fast alle Unverpackt-Läden auseinandersetzen müssen. Denn die Produkte dort sind oft teurer.

„Preislich können wir uns natürlich nicht mit den Discountern wie Netto und Aldi messen. Unser Segment ist eher das von beispielsweise Alnatura“, weiß auch Max. Er erklärt, warum das so ist: „Viele denken: ‚Ich zahle nicht für die Verpackung mit, also muss das Produkt günstiger sein.’ Aber das ist ein Trugschluss. Die Kosten, um eine Ware unverpackt anbieten zu können, sind viel höher.“ Im Unverpackt-Laden fallen mehr Arbeitsschritte an. Zum Beispiel das Vorsortieren der losen Ware und die Reinigung der Behältnisse zum Mitnehmen. Günstige Lebensmittelmärkte bekommen ihre Ware verpackt und müssen sie einfach nur noch ins Regal räumen.

Wer gute Lebensmittel plastikfrei kaufen will, muss Prioritäten setzen, findet Max: „Im europäischen Vergleich geben die Deutschen am wenigsten für Lebensmittel aus. Wir wollen keine Öko-Diktatoren sein und nichts vorschreiben. Aber mein Wunsch wäre es schon, dass jeder versucht, im Alltag achtsamer mit Lebensmitteln umzugehen und bewusster zu konsumieren.“

mse