Mein erstes Semester als Studentin an der Berufsakademie

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Folge 7 und Ende: Aufbruch in ein neues Leben Jasmin Heinemann, 22, studiert Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie Ravensburg Ich habe eine Informatikausbildung gemacht und bin danach auf die BOS, weil mir mein Arbeitgeber angeboten hatte, in seinem Betrieb ein BA-Studium zu machen. Das ist eine Mischung aus Studium und Lehre. Wie im Bachelor-Studium dauert es sechs Semester und man ist abwechselnd an der Berufsakademie und im Ausbildungsbetrieb. Ich komm` aus einem kleinen Ort bei Bamberg und habe dort bei meinen Eltern im Haus in einer eigenen Wohnung gewohnt. Deshalb dachte ich eigentlich, vor dem Studium, dass ich schon recht selbstständig lebe. Aber erst während des ersten Semesters ist mir aufgefallen, wie viel noch dazu gehört, erwachsen zu sein. Wohnungs-Sharing Mit meiner Wohnung in Ravensburg hatte ich Glück. Ich hatte mir zwei WG-Zimmer angesehen und gleich eines davon bekommen, das ich mir jetzt mit einer anderen Studentin teile. Soll heißen: Wir bewohnen das Zimmer abwechselnd! An der BA gibt es immer zwei Ausbildungsphasen, damit die Studenten nicht alle gleichzeitig sondern abwechselnd an der Akademie sind. Ich bewohne das Zimmer also in der einen Phase, die andere Studentin in der anderen. So können wir uns die Miete teilen. Mit dem Geld ist das nämlich so eine Sache. Ich bekomme zwar ein sehr gutes Lehrgeld, aber das reicht hinten und vorne nicht - und daran ist vor allem auch mein Freund schuld. Als ich mich nämlich für den Studiengang entschlossen hatte, war ich noch Single. Aber zu Beginn des Studiums hatte ich einen Freund - und der wohnt in meinem Heimatort. Die 400 Kilometer langen Zugfahrten am Wochenende gehen ganz schön ins Geld. Eigentlich ist das wie Schule Wenn ich Geschichten von anderen Studenten an den Unis höre, stelle ich jedes Mal fest, dass mein Tagessablauf ganz anders ist. Unser Studium ist sehr straff organisiert, fast wie Schule: Der Unterricht beginnt um 8 Uhr morgens, wir müssen viel Zuhause Lernen und die Klausuren sind alle zum Halbjahr. Das unterscheidet mein Leben schon extrem von normalen Studenten. Die sind in ihrer Zeiteinteilung viel flexibler. Unser Studiengang ist zudem wie ein Klassenverband. Wir sind nur 40, da kennt jeder jeden. Und dann die Anwesenheitspflicht: Wenn wir fehlen, wird das sofort unserem Arbeitgeber gemeldet. Wenn ich in einer besonders langweiligen Vorlesung bin, denk` ich mir oft, dass ich als normaler Student einfach nicht hingehen und den Stoff daheim lernen würde. Aber das geht an der BA nicht. Keine Party ohne mich Obwohl die Umstellung zuerst nicht groß war, kam nach vier Wochen ein ziemlicher Tiefpunkt. Ich war so beschäftigt mit dem Organisieren meines neuen Alltags, dass sämtliche sozialen Aktivitäten zu kurz gekommen sind. Als es dann ruhiger war, ist mir so richtig die Decke auf den Kopf gefallen; die beiden anderen Mädels aus meiner WG waren genug mit ihrem eigenen Leben beschäftigt und ich hatte noch nicht so richtig Anschluss. Zum Glück bin ich dann aber mit einer meiner Mitbewohnerinnen auf eine BA-Party gegangen, die finden immer dienstags und donnerstags statt und weil wir wie gesagt so wenige sind, wurde das sehr familiär und das Heimweh war passé. Ich mach das jetzt alleine Seit ich von Zuhause weg bin, denke ich, habe ich mich verändert. Nein, es gab gar keinen bestimmten Anlass oder Zeitpunkt. Das ging eher so schleichend. Irgendwann dann, bei meinem letzten Besuch bei meinen Eltern habe ich gemerkt, dass ich mir nicht mehr in mein Leben reinreden lassen will. Der Umzug und das Studium sind für mich eine Herausforderung. Ich will die Konsequenzen alleine tragen. Und da möchte ich mir auch im Rest meines Lebens nichts mehr sagen lassen. In der Reihe "Mein erstes Semester" sind erschienen: 1. Mein erstes Semester als Germanistikstudent 2. Mein erstes Semester als wissenschaftlicher Mitarbeiter 3. Mein erstes Semester als Juniorprofessorin 4. Mein erstes Semester als Physikstudentin 5. Mein erstes Semester als Jurastudentin 6. Mein erstes Semester im Ausland. Protokoll: michele-loetzner

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