Macht Freiheit einsam? Die Sieger des Wettbewerbs. Heute: Platz 9

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Dr. Gunther Schwarz ist Senior Vice President der Boston Consulting Group und Mitglied der Jury. Er schreibt zum Text: "Andreas Christ entwickelt eine Skizze des Freiheitsbegriffs am Beispiel der Generation Praktikum. Die Freiheit hat jedoch Voraussetzungen, deren wichtigste das Tragen der Verantwortung durch jeden einzlenen ist. [...] Andreas Christ plädiert für ein aktives Nutzen der Freiheitsgrade, die jeder einzelne für sich heute erarbeiten kann. Das Leitmotiv ist hier die Entscheidung "FÜR" eine Sache, das Eingehen einer inneren Verpflichtung, statt eines unreflektierten Verfolgens von Zwängen. Ein positiver Appell an die eigenständige Gestaltung des Lebensweges mit offenen Augen und abseits des Mainstreams." Den Aufbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit postulierte Kant in der Aufklärung und unsere Gattung ist diesem Ruf gefolgt, hat sich in Gang gesetzt, die Ketten abzustreifen, die dem Individuum solange auferlegt worden waren. Erst langsam, wankenden Schrittes schüttelten wir die Vormundschaft von Staat und Kirche ab und mit neuer Leichtigkeit konnten wir noch schneller gehen. Verquere, neumodische Ideologien wie Kommunismus und Faschismus brachten uns nur kurz ins Straucheln, ihre Unmenschlichkeit bestärkte uns, nur noch schneller unseren Weg zu verfolgen, um schließlich in das neue Jahrtausend zu stolpern, frei von allem und jeden, schließlich sogar von der Gesellschaft und Familie. Es ist an der Zeit, einen Moment innezuhalten und zu fragen: Wo steht der moderne, westliche Mensch heute? Oder, um ein wenig spezieller zu werden und ein modisches Schlagwort zu verwenden, wo steht das verbrannte Wohlstandskind der Generation Praktikum heute? Nun, zuerst einmal steht es allein. Es ist flexibel, es ist mobil, es ist ungebunden, es ist lernbegierig und aufstiegsorientiert. Dass man mit diesen Attributen mühelos eine zeitgenössische Stellenanzeige verfassen könnte, lässt das dumpfe Gefühl aufkommen, dass wir irgendwo falsch abgebogen sind und uns auf unserer letzten Etappe des Freiheitsweges verlaufen haben. Oder wurden wir sogar in die Irre geführt? Reflexhaft möchte man das für reaktionäres Geschwätz halten, wir sind doch frei, wir können tun was wir wollen, glauben an was wir wollen, studieren was wir wollen, praktische Erfahrungen sammeln wo wir wollen. Wir können ins Einkaufszentrum fahren und kaufen was wir wollen, uns aus dem Internet ziehen was wir wollen, wir können unter Dutzenden Fernsehkanälen wählen, wir können überall Urlaub machen, in jeder Stadt wohnen, im Ausland studieren. Aber leben wir deshalb in großer Freiheit? „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will“, um hier Rousseau etwas sinnentfremdet, aber nichtsdestotrotz passend, zu zitieren. Wir stehen unter dem Zwang, in diesem Supermarkt des Lebens einkaufen zu müssen. Optionen haben wir, allerdings keine wirklichen Alternativen zum Angebot. Es sei denn, man will vor den Ladentüren auf dem harten Asphalt der Straße hausen. Und deshalb ist diese Freiheit eine falsche Freiheit, denn um sie zu genießen, müssen wir vor allem eins machen – Geld verdienen. Und Geld verdienen bedeutet, uns den Bedingungen des Marktes zu unterwerfen. Deshalb ist der freie Mensch unserer Tage größtenteils ein ökonomisch stromlinienförmiger Mensch. Alle sozialen Ecken und Kanten wurden abgeschliffen, um im rauen Wind der Berufswelt nicht zu bremsen. Die Folgen sind nicht ausgeblieben: Gefühle von Angst und Verlorenheit greifen um sich, Depression und Lebensphobie sind gesellschaftliche Phänomene geworden. Wenn man sich von allem losgemacht hat, kann man auch nichts mehr von anderen erwarten. Totale Freiheit bedeutet totale Verantwortung. Die Last der Verantwortung liegt ganz allein auf den Schultern des Individuums, und in unserer Gesellschaft bedeutet Verantwortung in erster Linie Verantwortung, erfolgreich zu sein. Es liegt an jedem selbst, seinen ökonomischen, sozialen und sexuellen Marktwert zu steigern. Und diese Bürde wiegt schwer in einer Zeit, in welcher die persönliche und materielle Verwirklichung in Arbeit nicht mehr selbstverständlich für jeden zu erreichen ist. Viele Langzeitarbeitslose der älteren Generation haben sich schon aufgegeben, für sie gibt es keine Verwendung mehr in der neuen rationalisierten Welt, während die Jungen fanatisch jeder Möglichkeit nachrennen, ihren hochgezüchteten Lebenslauf weiter zu frisieren. Die meisten haben schon verinnerlicht, dass die Unsicherheit das einzige ist, was in Zukunft sicher sein wird. Dieses unbestimmte Gefühl, unkalkulierbaren Lebensrisiken ausgeliefert zu sein, hat sich durch die Sozialstaatsdebatten der letzten Jahre verschärft. Der Wohlfahrtsstaat garantierte soziale Anonymität ohne Reue. Unabhängig von familiärer Herkunft ermöglichten Lernmittelfreiheit, Bafög und kostenlose Hochschulbildung jedem entsprechend seiner Fähigkeiten die freie Wahl des Berufwegs. Dabei wusste man sich auch als Verlierer des freien Marktes in Alter, Krankheit oder Arbeitslosigkeit versorgt. Wenn aber das soziale Netz als Hängematte diskreditiert wird und die Leistungen allerorten zurückgeschraubt werden, dann wird der offene Lebenslauf wirklich zu einem gewagten Drahtseilakt. Abgesehen von der Frage, inwieweit unsere heutige Freiheit wirkliche Freiheit im Sinne von Autonomie ist - muss man sich nicht fragen, ob Individualisierung und Isolation nicht einfach nur zwei Seiten ein- und derselben Medaille sind? Was, wenn der Preis der Freiheit nicht nur ewige Wachsamkeit ist, sondern auch Vereinsamung und Absonderung? Offensichtlich entfernt uns jede Form von Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit von unseren Mitmenschen. Das liegt in der Natur der Sache und ist insofern gut, als jeder für sich denken und über sein eigenes Schicksal bestimmen will. Niemand will in einen Zustand zurück, in dem ein absoluter Monarch, dogmatische Kirchenväter, ein despotischer Hausvater oder irgendeine Partei dem Individuum keinen Raum zur Entfaltung gaben. In der Geschichte unserer Zivilisation ist gerade die Würde und Souveränität des Einzelnen ein hart erkämpftes Gut, das kostbarer nicht sein könnte. Jedoch laufen wir Gefahr, diese Freiheit in einer Tyrannei der ökonomischen Freiheit zu verlieren. Für keinen ist es leicht, sich dem zu entziehen. Man steckt in einer Art Zwickmühle: Um nicht ins gesellschaftliche Abseits zu geraten, muss man das Spiel mitspielen, in dessen Verlauf man nur zu leicht ins menschliche Abseits geraten kann. Wenn man sich das klarmacht, besteht vielleicht die Möglichkeit, ein Bewusstsein für die wahre Freiheit zu erlangen. Und das ist eben jene, die uns in die Lage versetzt, uns FÜR etwas zu entscheiden. Dass wir uns den ökonomischen Mechanismen unserer Welt nicht entziehen können, muss ja nicht heißen, ihrer Logik zu folgen. Die Freizügigkeit unserer Gesellschaft bietet uns die große Chance, uns aus freien Stücken zu verpflichten. Natürlich schränkt die Hingabe an eine Sache, eine Organisation oder andere Menschen unseren Handlungsspielraum ein. Aber was wir an Beliebigkeit verlieren, gewinnen wir vermutlich an Stärke gegenüber dem Unbill, der uns auf unserem Lebensweg entgegenschlägt. Auf der nächsten Seite liest du den Essay von Bernhard Peter mit dem Titel "Freie, einsame und ohnmächtige Existenz". Bernhard belegt damit Platz 10.


Autorin und Jury-Mitglied Anne Zielke über den Text: "Von Mandelmilch zur Freiheit durch Gott zu kommen, das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Beim Hin und Her der Dialektik immer gespannt zu sein auf die Antworten, die dann zu Fragen werden; es ist ein höchst lehrreicher Ausflug in die Schule des Denkens. Und ein Text, der Freiheit letztendlich im religiösen Sinne aufgreift - eine Freiheit, die viele vergessen haben." Luc hält sein Glas Milch mit der rechten Hand umschlungen. „Warum trinkst Du denn immer Mandelmilch?“ John stellt seine Frage beiläufig. Seinen Blick läßt er dabei durchs Café gleiten. „Bei Mandel habe ich einfach ein gutes Gefühl.“ „Du könntest aber auch Banane oder irgend etwas anderes wählen.“ „Du hast Recht“. Luc blickt auf, während seine Hand noch immer das Milchglas umschlungen hält. „Die Wahl habe ich natürlich. Jedes Mal wenn wir uns im Café treffen, bin ich vor die Entscheidung gestellt: Mandel oder lieber nicht Mandel“ „Du könntest ja auch einen Kaffee oder ein Bier trinken.“ „Das ist wiederum richtig. Ich kann mich so oder so entscheiden. Der Entscheidungen sind unendlich viele.“ „Wenn Du aber ein Antialkoholiker bist, dann kannst Du kein Bier trinken!“ John mag es, mit Luc über Philosophie zu diskutieren. Luc verbringt Unmengen seiner Zeit mit dem Studium philosophischer Werke. „Könnte ich doch. Keiner kann es mir verbieten!“ „Aber es wäre doch nicht gut für Deinen Körper. Du würdest es doch nicht tun?“ Johns Stimme klingt besorgt. „Schon möglich, dass ich es nicht tun würde. Aber prinzipiell kann ich mich auch als Antialkoholiker für ein Glas Bier entscheiden. Die Möglichkeit der Entscheidung sagt nichts über die Qualität der Entscheidung aus. Jeder würde Dir beipflichten und sagen: So ein Blödsinn. Aber die Möglichkeit nach Bier zu greifen besteht in jedem Augenblick.“ John rührt in seinem Milchkaffee. „Du hättest Dich doch heute auch für eine Mandelmilch entscheiden können. Nur als Beispiel.“ „Ich habe mir da nicht so die Gedanken gemacht. Ich habe einfach bestellt. Aber natürlich: die Mandelmilch hätte ich auch ordern können.“ „Siehst Du. Der Mensch kann entscheiden. In seiner Entscheidung ist er frei.“ John fährt sich mit der Hand über die Stirn. „Frei? Was verstehst Du unter Freiheit?“ „Freiheit ist reine Möglichkeit. Der Mensch muß sich nur seiner Möglichkeiten bewußt sein. Er muß sich seiner Freiheit wahrhaft werden. Dann kann er entscheiden.“ John hebt die Hand und winkt ab. „Du willst jetzt wieder die Gefangenen in Deinem Gefängnis ins Spiel bringen. Welche Freiheit haben sie denn? Das willst Du mich doch jetzt fragen?“ „Ich sehe durchaus ein, daß Du bei der Entscheidung zur Mandelmilch frei warst. Ich war es genau so bei der Wahl des Milchkaffees. Wir waren frei bei der Wahl des Cafés, bei der Terminierung unseres gemeinsamen Frühstücks... Aber der Gefangene. Er lebt doch in einem Reich der Unfreiheit?“ Luc hebt das Glas an seinen Mund. Aber ohne zu trinken stellt er es wieder vor sich hin. „Der Mensch wird in die Welt geworfen. Wenn wir diese Geworfenheit, seine Geburt betrachten, dann ist er in diesem Moment nicht frei. Geworfen-Sein, das impliziert ja ein Maß an Unfreiheit. Du als Theologe magst da vielleicht wieder einen anderen Standpunkt haben. Aber abgesehen vom Lebensentwurf sind alle Folgeentscheidungen zur freien Disposition.“ John schüttelt den Kopf. Er will intervenieren, aber Luc will seine Erörterung fortsetzten. „Jeder Gefangene ist doch seines eigenen Glückes Schmied. Er hat Handlungen ausgeführt. Er hat Entscheidungen gefällt, die zur Folge hatten, daß er dort gelandet ist, wo er jetzt ist. Und zwar hinter Gittern. Das war doch sein eigener Wille. Vielleicht war er sich seiner Entscheidungsmacht nicht bewußt. Aber er hatte sie zweifelsfrei.“ Luc nimmt nun sein Glas erneut in die Hände und führt es zu seinen Lippen. Dabei lächelt er, da er vermutet, John könne seiner Argumentation nicht widersprechen. „Da steht es wohl Eins zu Null für Dich, Luc. Wenn ein Mensch für seine Straftaten verantwortlich gemacht wird, so bedeutet das doch, dass er bei der Ausführung dieser freie Entscheidungsmacht hatte, wie Du sagtest.“ John macht eine kurze Pause. Er blickt zum Fenster. Düster ist der Herbst, denkt er sich und meint dann zu Luc. „Wenn der Gefangene nun aber im Reich der Unfreiheit gelandet ist, dann ist er unfrei!“ Luc fällt ihm sofort ins Wort. „Die Freiheit des Menschen hört nie auf. Des Menschen Freiheit sind keine Grenzen gesetzt. Das Dasein des Menschen ist ein Sein zum Tode. Aber bis dahin kann er entscheiden. Der Mensch entscheidet täglich, stündlich und in jedem Augenblick.“ John erhebt seine Arme. Wie ein Priester, der er ja zweifelsfrei auch ist, scheint er Luc beschwören zu wollen. „Was kann der Gefangene denn entscheiden? Er wird geweckt. Ob er länger schlafen will, interessiert keinen. Sein Tagesablauf wird ihm von Außen aufoktroyiert. Im Extremfall bleibt er lebenslänglich im Reich der Unfreiheit oder er wird sogar zum Tode verurteilt. Ja, wo bleibt denn da seine Freiheit? Er hatte sie vielleicht. Nun scheint sie verspielt zu sein.“ Luc lächelt verschmitzt. Er scheint nicht geschlagen zu sein. Es scheint ihn zu amüsieren, das er gefordert wird. „Er, der Gefangenen, er kann doch immer noch entscheiden. Er kann sich beispielsweise sagen, Ich breche aus. Er kann sagen ich stehe nicht auf. All das kann er machen. Er kann entscheiden sich der Diktatur der Gefängniswächter zu unterwerfen. Er kann aber auch entscheiden, sich ihr zu widersetzen.“ „Sicher Luc. Er kann sich widersetzen. Aber was bezweckt er denn damit?“ „Danach war doch nicht die Frage, John. Wir diskutieren heute über Freiheit und nicht über Macht. Macht hat der Gefangene keine. Aber Freiheit. Die Freiheit kann ihm keiner nehmen. Der Mensch produziert in jedem Augenblick seine Freiheit neu.“ John atmet tief durch. „Ja wenn Du das Pferd von dieser Seite betrachtest. Sicher. Der Gefangene kann sich dieses oder jenes Ausmalen. Darin ist er frei.“ „Der Mensch sieht doch seine Situation. Die kann gut oder schlecht oder sonst wie sein. Um zu leben, muß er aber etwas machen. Er muß in die Situation eingreifen. Keiner sagt ihm, was er machen soll. Er kann zwar entscheiden nicht zu entscheiden, aber das wäre ja auch eine Entscheidung und dadurch der Beweis seiner Freiheit.“ John klatscht in seine Hände. „Genial. Genial, muß ich sagen. Leben, und seine eminente Einheit Kommunikation, wird durch Entscheidungen geprägt. Darin ist er natürlich frei. Ob die Freiheit nun absolut oder nur marginal ist, darüber will ich gar nicht streiten. Was ist aber mit denjenigen Menschen, die nicht erkennen, daß das Leben, daß der Moment eine Entscheidung von ihnen verlangt?“ Luc beugt sich vor und in flüsterndem Ton antwortet er auf die Frage. „Arme Teufel sind das. Oder vielleicht raffinierte Spieler. Der Gefangene sieht vielleicht, daß er frei ist. Aber seine Macht ist limitiert. Mit dieser Einschränkung kann er nicht leben. Sie kränkt ihn. Es ist ihm absurd, frei zu sein. Aber nur in seiner Realität. Andere drängen ihm eine Realität auf, die er nicht akzeptieren will. So ist es für ihn vielleicht am besten, seine Freiheit zu leugnen.“ „Wird er dadurch glücklicher?“ Luc runzelt die Stirn. „Glück. Was ist schon Glück. Der Mensch ist zur Freiheit verdammt. Wenn er aber dann sieht, dass seine Freiheit nicht alles versetzen kann, da ja jeder frei ist, aber alle in der gleichen Welt leben, somit jeder nur so handeln kann, wie es andere ihm gestatten, so sieht er den traurigen Abglanz unserer Existenz.“ „Ist er dann einsam?“ Johns Stimme wird melancholisch. „Generell macht Freiheit einsam. Wir entscheiden. Unsere Entscheidung paßt vielleicht anderen nicht, dadurch bauen wir Schranken zum Mitmenschen. Der Mensch will aber mit dem Anderen zusammen leben. Um das zu realisieren, muß er aber auf seine Freiheit verzichten. Wenn er das tut, ist er traurig. Er fühlt sich vielleicht schuldig. Wenn er darauf nicht verzichtet, dann wird der Schritt, die ausgestreckte Hand zum Nächsten schwerer.“ „Wenn der Mensch sich also für den Anderen, für Liebe, für Bindung entscheidet, dann weiß er doch, dass er sich auch anders entscheiden hätte können. Warum muß er dann traurig sein? Seine Potentialität ist doch ungebrochen. Er ist noch immer frei, aber nicht einsam.“ Luc klopft mit den Fingern auf den Tisch. „Sieh: Dieses Wissen um die Entscheidungsfreiheit, das macht ihn schwermütig. Der Mensch pendelt zwischen den Polen Freiheit und Individuation. Wenn er frei ist, dann ist er meist alleine. Wenn er gebunden ist, dann kann seine Individualität nicht aufleben. Diesen Spagat kann er nicht immer meistern.“ „Ist der Mensch in der Gruppe vielleicht auch einsam?“ „Wenn der Mensch seine Verantwortung wahr nimmt und seine Freiheit erkennt und sie in seine Hand nimmt, dann ist er im Endeffekt immer einsam. Jede Entscheidung trifft er alleine, muß er alleine treffen, das drängt ihn schon in die Isolierung. Verweigert er sich aber, so betrügt er sich doch nur selbst.“ „Der Mensch ist ja ein denkendes Wesen. Er kann nicht in Ketten leben. Dazu ist er nicht befähigt. Ich denke auch, daß der Mensch seine Geworfenheit erkennen wird. Er kann nicht so dastehen und sagen, das alles interessiert ihn nicht. Jede einzelne Entscheidung interessiert ihn, auch wenn er das nicht immer bemerkt.“ Luc schlägt John auf die Schulter. „Einsamkeit ist des Menschen Schicksal. Aber der Mensch hat die Kraft, dieses Schicksal zu tragen. Er kann seine absurde Existenz belächeln.“ John hält Luc nun bei den Händen. „Der Mensch ist frei, seine Einsamkeit, sein Dasein zu belächeln. Gott gibt ihm die Kraft, im Anblick seiner Sünde, seiner Ohnmacht - trotz Freiheit - sein Erdendasein in Freude zu meistern!“

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