Essen mit Lea: Heute mal flüssig und mit Prozenten

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Dass die Trinkerei ein zweischneidiges Schwert ist, ist nichts Neues. Fast jeder kann Geschichten von Nächten über der Kloschüssel erzählen und hat die Illustrationen im Biobuch, in denen die Wirkung von Alkohol auf die Leber erklärt wird, irgendwo im Hinterkopf. Trotzdem ist die größte Sorge auf jeder Party, dass die Getränke ausgehen könnten. Das hat soweit geführt, dass es Unternehmen gibt, die mit der spätnächtlichen Lieferung von Alkohol diese Marktlücke füllen und gutes Geld verdienen. Denn, wie Wilhelm Buch sagt: "Das Trinkgeschirr, sobald es leer, macht keine rechte Freude mehr."

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Illustration: Julia Schubert

1. Was passiert genau... ...beim Betrunkenwerden? Klar, der Alkoholgehalt im Blut nimmt zu. Mit Alkohol ist Ethylalkohol gemeint, der in geringen Mengen stimulierend, in größeren Mengen dämpfend auf unser Gehirn wirkt. Rein chemisch gesehen wird dabei ein bestimmter Neurotransmitter namens Gamma-Aminobuttersäure (bekannt als GABA) beeinflusst. Dessen planmäßige Wirkung, dass unsere Neuronen weniger erregbar sind, wird durch Alkohol gehemmt. In welchem Maße wir betrunken werden, wird nach der Widmark-Formel berechnet, die den Alkoholgehalt im Blut in Promille definiert. Dieser Wert ist abhängig von der aufgenommenen Alkoholmenge und dem sogenannten Verteilungsfaktor im Körper, der für Männer und Frauen wegen unterschiedlichen Körperfettgehaltes verschieden hoch ist. Außerdem spielt das Körpergewicht eine Rolle. Dass man deshalb errechnen kann, wann man wieder nüchtern ist, ist natürlich Quatsch, weil die individuellen körperlichen Reaktionen unterschiedlich ausfallen. Andererseits gehören Betrunkenwerden und Alkoholabbau zusammen - auch wenn einem dies subjektiv nicht so vorkommt. Beim Alkoholabbau wird das Ethanol im Körper zu Acetylaldehyd und dann zu Essigsäure abgebaut. Wenn die Essigsäure nicht im Stoffwechsel verbraucht wird, dient sie übrigens als Aufbaustoff für Fettsäuren, was dann zum Beispiel den Bierbauch mit bewirkt. 2. Der Kater Das durchschnittliche Abbautempo für Alkohol beträgt 0,1 Promille pro Stunde. Ob der Kater nur ein leichtes Brummen im Schädel hinterlässt, oder zwei Tage gestreichelt werden muss, hängt nicht nur mit der Menge der Biere, sondern auch mit Art und Qualität des Alkohols zusammen. Bestimmte Alkoholformen (z.B. Methanol) enthalten giftigere Stoffe, die für den Körper schwieriger abzubauen sind, damit steigt auch die Katerwahrscheinlichkeit. Der Ausdruck für Kater geht übrigens auf eine Verunstaltung und falsche Interpretation des Wortes Katarrh zurück. Zwar wird gerne behauptet, durch viel Vitamin C oder einen Esslöffel Öl vor dem Trinken lassen sich schnelle Trunkenheit oder ein Kater verhindern. Wenn er aber einmal da ist, hilft dieses Wissen auch nix mehr. Stattdessen werden - gerne vor allem von Laien - absonderliche Rezepte, die vor alle ein großes Maß an Widerlichkeit und eine neue, kleine Menge Alkohol beinhalten, vorschlagen. Einige der absurdesten Katerrezepte erläutert Ben Schott in seinem Sammelsurium Essen und Trinken. "Ein rohes Ei, Weinbrand, Zucker und Frischmilch" ist dabei noch die harmlose Variante. Am schlimmsten wohl das, was Schott als "Die Ross-Kur" bezeichnet: Rotwein mit geschälten Knochblauchzehen 20 Minuten kochen und dann zu sich nehmen. Die Vermutung, dass da schon bei der Zubereitung die Übelkeit eher mehr als weniger wird, ist irgendwie nicht los zu werden. Auch im Internet gibt es unzählige Seiten, die mit mehr oder weniger vertrauenserweckenden Rezepten, die Kopfschmerzen am Post-Trink-Tag verringern sollen. Am seriösesten erscheinen da noch die Vorschläge der Stiftung Warentest. Oder man trinkt einfach wenig und kauft hochwertige Getränke. 3. Der Wein Wein hat immer einen Hauch von Erwachsenencharme. Mit 16 haben wir Rotwein getrunken, über Hesse gesprochen und uns tiefgründig gefühlt. Damit konnte man sich zwar von gleichaltrigen Alkopop- und Pornowodkatrinkern abgrenzen, aber dieses Schwelgen im Stil fand oft mit klebrig-süßem oder zu saurem 1,50-Mark-Gebräu statt. Heute hat sich die investierte Geldmenge gesteigert, was fast zwangsläufig auch mit einer höheren Qualität einhergeht. Die Ahnung um den Flascheninhalt ist jedoch auf dem gleichen jugendlichen Niveau verharrt. Und das, obwohl ein eigener Weingeschmack und ein Grundwissen als ebenso elementarer Charakterzug beschworen werden wie eine eigene Meinung in Sachen Musik. Das ist ein schönes, aufgrund der Menge an Wissen aber heeres Ideal. Der Amateurkäufer geht nach zwei Kriterien vor: habe ich schonmal irgendwo getrunken, war ganz lecker. Oder: sieht hochwertig aus und kostet ein bisschen was (oder: trotzdem nicht viel), nehme ich. Vielleicht schauen wir dabei noch interessiert auf die Beschreibung auf der Flasche. Und weil Formulierungen wie "eine Note von Wildbeeren" oder Wörter in einer uns unbekannten Fremdsprache uns schmunzeln lassen, sind wir das, was die Fachleute "Etikettentrinker" nennen. Der beleidigende Unterton, den dieser Ausdruck impliziert, ist durchaus beabsichtigt, wie die Definition auf weinverkostungen.de zeigt: "Dies sind Weintrinker, die ihren Wein nach dem Etikett aussuchen und auch nach dem bestehenden Ruf oder dem bezahlten Geld bewerten. Etikettentrinker sind der natürliche Feind einer jeden Weinverkostung, da das Ergebnis schon vor dem Verkosten fest steht. Sie sind in den meisten Fällen zu bemitleiden. Zwar können sie sich fast jeden Wein finanziell leisten, haben aber einen äußert billigen Geschmack, bzw. leisten sich keinen eigenen, sondern vertrauen blind auf Urteil anderer Weintrinker (zumeist professionelle). Etikettentrinker ist ebenso wie Biertrinker ein beliebtes Schimpfwort unter Weinkennern." Aber wonach werden Weingeschmäcker bewertet? Ganz grob gesehen wird unterschieden zwischen Aroma und Bukett. Das Aroma ist dadurch bedingt, aus welchen Trauben bzw. Rebsorten der Wein hergestellt wurde. Beim Bukett spielen noch viele andere Faktoren, wie beispielsweise das Holz der Fässer, eine Rolle. Quasi: Aroma = Bestandteile, Bouquet = Komposition im Kontext oder auch: der Wein als Gesamtkunstwerk. Auch die Kriterien "Finesse" und "Reife" werden miteinbezogen. 4. Trinken im Web Wer sich Wissen über Rotwein, Weißwein und Schaumwein aneignen will, dem helfen die unzähligen Weinblogs. Oft findet dort ein Austausch unter Profis statt, aber für nicht so Bewanderte bietet zum Beispiel das Lexikon auf weinverkostungen.de Abhilfe. Es werden Begriffe erklärt, nach denen man sich nicht zu fragen traut (zum Beispiel: Was bedeutet eigentlich Brut auf der Champagnerflasche?). Und Nischenwissen, mit dem man in der nächsten Weinrunde glänzen kann, wird mitgeliefert: zum Beispiel die Definition des ABC-Trinkers. Der steht für "All but Chardonnay" und drückt die Verachtung von Weinkennern für die weite Verbreitung und mangelnde Tiefe der Weinsorte aus. Die verwendeten Vokabeln der Sommeliers sind zwar unterhaltsam, aber die theoretische Beschreibung eines Weinbuketts kann schnell fad werden. Spannender ist es deshalb, einem Kenner beim Verkosten einzelner Weine zuzuschauen. Da kann man sich einen fachkundigen Blick und professionelle Bewegungen abschauen, ohne gleich ein Monatsgehalt in ein Weinseminar zu investieren. Auf fineliquids.de werden von jeder Weinprobe Videos online gestellt. Und wer keine Lust hat, sich eine neue Identität als Hobbysommelier aufzubauen, der kann eine neue Studie zitieren. Die hat bewiesen, dass schon der Preis von Wein den subjektiven Wohlgeschmack beeinflusst. Den Testkandidaten wurde dabei gesagt, sie probierten 20 verschiedene Weine. De facto waren es nur drei verschiedene Sorten. Je teurer ein Wein im Test präsentiert wurde, desto besser wurde sein Geschmack empfunden. Auf der nächsten Seite: Küchenquatsch, Wein-BHs und (endlich!) eine gute Nachricht für Bier-Trinker


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Illustration: Julia Schubert

5. Küchenquatsch Rund um alkoholische Getränke gibt es erstaunlich viele nutzlose Gegenstände. Einige muten noch praktisch an, wie der direkt am Kühlschrank zu befestigende Flaschenöffner oder der batteriebetriebene Korkenzieher. Weiter geht's bei diversen Deko-Gegenständen. Besonders toll: die Eiswürfelstäbe in Gitarrenform. Ein bisschen nerdig wird's allerdings, wenn man - quasi statt einer Patenschaft in der Dritten Welt - einen Wein adoptiert. Diese Adoption gilt für 18 Jahre und beinhaltet das Recht auf regelmäßige Führungen und Informationen. 6. Das Anti-Produkt Wer bisher dachte, dass das Tetrapack die unterste Niveauebene des Weinkonsums ist, hat sich geirrt. Das ganze wird noch unterboten von einer Konstruktion, die sich Wein-BH nennt. Der funktioniert ähnlich wie ein aufblasbarer Push-Up: zwei mit Wein befüllbare Polster sind in den BH eingebaut. Wie bei der Sportlertrinkblase gibt es einen Schlauch, der direkt zum Mund führt. Oder auch: je betrunkener die Frau, desto geringer wird die Oberweite. Wie der Wein aus einer am Körper klebenden Plastikhülle schmeckt, darüber denkt man besser gar nicht nach. Das schlimmste: das Produkt ist derzeit nicht lieferbar, offenbar also ausverkauft. Nur der Vollständigkeit halber: es gibt ein männliches Pendant dazu, den Bier-Bauch, ebenfalls eine Plastikkonstruktion, die mit Bier zu befüllen und um die Hüfte zu binden ist. Per integriertem Eisfach kann das Bier sogar kühl gehalten werden. Für beide Produkte wird das gleiche Verkaufsargument angebracht: kein Anstehen mehr nach teuren Getränken. Ob das Körbchengröße Doppel-D oder eine Wampe wert ist? 7. Essenlesen! Bei allem theoretischen Anspruch - die meisten von uns kaufen, der Einfachheit halber oder aus Geldgründen, ihren Wein im Supermarkt. Und selbst wenn wir schöne kleine Weinläden mit Buchenholzregalen, echten Fässern und teuren Magnum-Champagner-Flaschen kennen, dann meist nur von außen. Ein Reingehen ist meist schon durch subjektive Inkompetenz ausgeschlossen. Wein im Supermarkt zu kaufen, ist moralisch auch gar nicht so verwerflich, findet Till Ehrlich, ein prämierter Weinjournalist, und hat deshalb im Hallwag-Verlag ein kleines Buch mit dem Titel Die besten Supermarktweine veröffentlicht. Warum es sich lohnt, mit dem Taschenbuch vor dem Regal zu stehen und Etiketten zu suchen, kannst du hier nachlesen. 8. Trinken und Superlative Die längste Champagnerbar Europas ist 90 Meter lang und wurde vor kurzem in London errichtet. Sie ist Teil des neuen Hyperbahnhofs St. Pancras. Und die derzeit teuerste Flasche Hochprozentiges kostet 200.000$. Sie ist gefüllt mit Bombay Sapphire von Bacardi, mit einem Saphir auf dem Deckel und es gibt sie ganze fünf Mal auf der Welt. 9. Ekliges kurz vor Schluss Schön wäre es, wenn der Kater die einzige Begleiterscheinung ausgiebiger Parties wäre. Dem ist bekannterweise nicht so. Flecken auf Parkettboden, Sofas und Kleidungsstücken, deren Ursprung man lieber nicht allzu genau definieren möchte, sind unvermeidbar. Neben Standardtipps (Salz gegen Rotweinflecken) gibt's mögliche Hilfestellungen auf einem altbackenen, aber unterhaltsamen Portal, das für "Junggesellen" gedacht ist: frag-mutti.de. Zum Beispiel, wie sich Erbrochenes besonders gut entfernen lässt 10. Kurioses am Schluss Bier enthält acht verschiedene Vitamine. Und wer einen Liter davon zu sich nimmt, deckt beispielsweise schon 38% seines Tagesbedarfs an B9 und sogar 46% seines Niacin-Bedarfes.

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