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1. Erklärstück I Was gesund ist, und was nicht, darüber erscheinen im Drei-Tages-Rythmus neue Studien. Schon in den fünfziger Jahren stellte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die zehn Regeln für vollwertige Ernährung auf. Das einzige, was man mit Sicherheit behaupten kann, ist, dass man nicht nur Burger oder nur Gemüse essen sollte, sondern eine bunte Mischung aus allem - "ausgewogen" nennen die Experten das gerne. Abseits vom Theoriewissen, das wir zum Beispiel auf waswiressen.de nachlesen können, stellt sich beim Einkaufen ein Grundproblem - wir wissen oft gar nicht, was Lebensmitteln genau beinhalten. Wenn auf den Gummibärchen steht, sie wären fettfrei, heisst das gleichzeitig nämlich: nicht zuckerfrei. Und wenn auf der Ovomaltine groß "Malz, 11 Vitamine, 3 Mineralstoffe" steht, sagt uns das genauso wenig, wie die "aktiven milden Joghurtkulturen", die sich in unserem Frühstück befinden und der "Naturrauch" in dem die Billigsupermarkt-Salami hing. Das wird sich bald ändern. Bereits seit Juli 2007 gibt es neue Regelungen, welche Angaben die Firmen zu den Produktinhalten sowohl auf den Packungen als auch in der Werbung machen müssen. Bis 2009 muss die komplette Umstellung erfolgt sein. 2. Erklärstück II Was wir dann immer noch nicht wissen: wieviele Schokoriegel können wir über den Tag verteilt essen, ohne sofort zum Dauerjogger werden zu müssen? Auch wenn Verbrennung individuell verschieden ist, kann man grobe Richtlinien angeben, wie es zum Beispiel dieser Kalorienrechner tut. Außerdem gibt es dort eine Übersicht über die durchschnittlichen Kalorienwerte von rund 11 050 Produkten. Die klassische Ernährungspyramide, an die wir uns dunkel aus dem Bio-Unterricht erinnern, gibt's bei brigitte.de zum runterladen. Wissenswertes am Rande: Die Berechnung von Kalorien beruht auf folgender Überlegung: 1 Kalorie ist notwendig, um 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius zu erwärmen; 1 cal wiederum sind ca. 4,2 Joule. Heute wird der Nährwert meistens in Kilokalorien angegeben. 3. Küchenquatsch Für alle, die sich gerne nach sechs Minuten fragen, wo denn der Berg Spaghetti plözlich hin ist, gibt es einen Teller, der das Esstempo und die Essmenge misst - ob da allerdings noch viel Spaß am Essen bleibt, ist fraglich. 4. Blogs Genauso, wie es Unmengen Blogs zum Thema Essen, Trinken und Genießen gibt, machen sich auch die Freunde von viel Sport und wenig Essen im Internet breit, zum Beispiel der Fressnet-Blog. Und dann gibts da die Menschen, die gleich das gesamte Internet täglich an ihren Erfolgen und Misserfolgen beim Abnehmen Teil haben lassen. Mehr Freude macht allerdings der Leben-ohne-Diät-Blog. Auf der nächsten Seite: Essen, das schlank machen soll, aber trotzdem nicht schmeckt und was still sitzen bringt


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5. Kochen im Web Gesund essen heißt nicht gleich wenig essen. Sondern vor allem darauf achten, was man isst und wieviel davon. Außerdem gibt es Rezepte, die besonders vorteilhaft sind und andere, die sich direkt an den Hüften ablagern. Die meisten Onlineportale für Rezepte haben eine eigene Rubrik "Gesunde Ernährung und Diät". Bei kochrezepte.de findet man in dieser Kategorie zum Beispiel Indische Möhrensuppe oder Pikante Hähnchen-Lauch-Pfanne. 6. Erklärstück III Brigitte-Diät, Insulin-Diät und Atkins-Diät lagen 2007 besonders im Trend. Zumindest waren sie die bei Google meistgesuchten Diäten des letzten Jahres. Aber wer blickt bei den ganzen Diättypen überhaupt noch durch? Eine Übersicht gibt's hier. 7. Im Test - Essen, das schlank machen soll Nach einem großen Bogen um die Putensalami ist die Entscheidung für den "StreichGenuss Ei und Gartenkräuter" von "Du darfst" entschieden. Friedlich-freundlich mit Kleeblatt und quietschgrün kommt die Verpackung daher. Die Kalorienzahl - 42 pro Portion - ist deutlich sichtbar auf der oberen Packungsseite zu lesen. Sieht man über die Kopflastigkeit, mit der der Essensvorgang dadurch beladen wird, hinweg, kommt das Schmunzeln. Ein Werbetexter hat sich tatsächlich hinreißen lassen, der Bezeichnung "Brotaufstrich mit Ei" noch den Slogan "...immer auch eine Liebeserklärung an deine Figur" anzuhängen. Diese Liebeserklärung sind 125 Gramm gelbe Masse mit grünen Schnittlauchstückchen. Im Gegensatz zur Abbildung auf dem Deckel erfolgt der Test linientreu mit Vollkornbrot. Schmeckt, wie erwartet, nach Ei, Kräutern und Diätmayonaise. Schade nur, dass es dieser Masse zwar an Salz mangelt, sie aber leider einen säuerlichen Beigeschmack hat und außerdem für einen Normal-Brotbestreicher die üblichen 25g, die für eine Portion angedacht sind, schlicht nicht ausreichen. Der zweite Kandidat: Brotaufstrich "Schinken & Tomate mit cremigen Frischkäse", hergestellt von der Weightwatchers Firma, die gerade unrühmliche Schlagzeilen produziert. Hier werden pro Portion 50 Gramm eingerechnet, was toll ist, aber auch 56 Kalorien pro Portion verzeichnet. Auf der Packungsrückseite werden die Infohotlines für Weightwatcher Treffen beworben. Außerdem - Servierhinweis! - kann man den Brotaufstrich auch zum Dippen verwenden, für die Sellerie- und Karottensticks. In der Packung: die bereits bekannten kleinen grünen Kräuterstückchen in einer weichen, diesmal rosa farbenen Masse. Wegen der Vergleichbarkeit ist auch hier Bio-Vollkornbrot die Unterlage. Riecht: nach Wurstsalat. Und schmeckt: wie der kleine, uncoole Bruder von Wurstsalat. Vor allem: mehr nach Paprika als Tomate und - wie die Konkurrenz - leicht säuerlich. Fazit: Dann lieber richtiger Wurstsalat, Käse und ab und bei Diätbedarf ein Gurkenbrot. 8. Kurioses kurz vor Schluss Der Diätwahn führt hin und wieder etwas weit. So wie bei diesem jungen Mann, der ein Abnehmjahr lang jeden Tag ein Foto von sich machte und das ganze zum Schluss als Video veröffentlichte. 9. Ausblick 2008 Noch ist nicht ganz Schluss - die Top Dining Trends für 2008 stehen nämlich auch schon fest. Übrigens: still sitzend verbraucht man ca. 1-2 Kcal pro Minute. Jetzt aber Schluss mit der Kalorienzählerei - beim nächsten Mal geht's um fremde Küchen: Sushi, Tacos und Pesto.

Text: lea-hampel - Illustration: lucille-mietling