Obst und Gemüse – nicht nur für Vegetarier

Ja, es gibt sie, und sie werden mehr. Menschen, die sich fleischlos ernähren und trotzdem glücklich sind, nicht nur Tofu konsumieren, auch keine Fleischesser hassen und ohne Birkenstocks und regenbogenfarbene Wollschals auskommen. Wichtig: hier soll es aber nicht um Fleischverweigerer und Obstaufleser gehen, sondern um Obst und Gemüse.
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1. Erklärstück I Was zählt eigentlich zum Obst, und was zum Gemüse? Die Standardunterteilung in süß und salzig ist nämlich längst überholt. Fangen wir mit dem Gemüse an. 1200 Pflanzen werden auf der Welt als Gemüse betrachtet und verwendet. Es ergänzt die normale energiereiche Nahrung, soll am besten roh verzehrt werden und unterteilt sich in Kohlgemüse, Wurzelgemüse, Zwiebelgemüse, Blatt-Gemüse, Stielgemüse (wozu übrigens auch Rhabarber zählt) und Fruchtgemüse (unter diesen verwirrenden Ausdruck fallen sowohl Gurke als auch Tomate). Obst wiederum sind Früchte und Samenkerne, die essbar sind und von sogenannten Obstgehölzen stammen, unterschieden werden die Früchtchen in Kernobst, Schalenobst, Steinobst und Beerenobst. Walnüsse zählen beispielsweise auch zum Obst.

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Illustration: Julia Schubert

2. Erklärstück II: Nun zu den Menschen zum Obst und Gemüse. Vergleichbar ist die Einteilung mit Religionen - viele lokale Strömungen, um die sonderbare Mythen ranken, aber es gibt auch ein paar konstante Grundrichtungen . Neben den Obst- und Gemüsemenschen sind die drei Hauptrubriken die Vegetarier, die Veganer (quasi die Radikalen unter den Vegetariern) und die Frutarier, die könnte man der Fraktion zurechnen, die an Wiedergeburt und Schicksal glauben. Aber zurück zu den normalen Vegetariern. Die unterscheidet man in Ovo-Lacto-Vegetarier, die sowohl Eier, als auch Milchprodukte essen, Lacto-Vegetarier, die nur Milchprodukte aber keine Eier essen und Ovo-Vegetarier, die das Gegenteil tun. Veganer konsumieren keines von beidem und auch sonstige Waren, für deren Herstellung Tiere benötigt wurden (Leder, Seife) lehnen sie in der Regel ab. Entgegen üblicher Gerüchte ernähren Frutarier sich nicht nur von herabgefallenen Früchten, sondern von Obst und Nüssen, bei deren Ernte die Pflanze als solche nicht geschädigt wird. Noch eine Sondergruppe stellen die Pescetarier dar - sie essen Fisch, aber kein Fleisch. Noch eine Ähnlichkeit zur Religion tut sich auf - einmal im Jahr treffen sich Vertreter aller Vegetarier zum Weltvegetariertag. 3. Blogs Auch im Internet wachsen Obst und Gemüse. Da es Blogs für nahezu alle Varianten der kulinarischen Begeisterung gibt, seien an dieser Stelle stellvertretend nur zwei der tollsten Foodblogs erwähnt, die ein Gemüse beziehungsweise Obst im Namen haben: Chocolate und Zucchini sowie die Orangette. 4. Küchenquatsch Jenseits der Tupperparties gibts heute für jedes Gemüse die richtige Verpackung. Eine besondere Herausforderung sind offenbar Bananen: die Bananenbox für den richtigen Transport verspricht das Ende ekliger brauner Stellen. Und hier gibt’s den Beweis, dass ein Bananenbaum nicht immer grüne Blätter und einen Untertopf braucht. 5. GesundGerücht Obst und Gemüse sind gesund, das weiß jedes Kind. Und jahrelang wurde auch jedem Kind eingeredet, dass Spinat viel Eisen enthält. Davon wird man groß und stark, und deshalb muss die grüne algenartige Masse auf dem Teller auch verzehrt werden. Stimmt gar nicht, die Forscher, die das behaupten, haben sich um eine Kommastelle verrechnet. Diesen und viele andere Irrtümer gibts nachzulesen in der Neuauflage des Lexikons für Ernährungsirrtümer, die im Dezember erscheint. Auf der nächsten Seite: berühmte Vegetarier, gutaussehendes Gemüse und dreifach-Rezepte


6. Essen bestellen Wer jetzt an Gemüseauflauf vom Italiener in der Styroporpackung denkt, liegt falsch. Wöchentlich eine Gemüselieferung vor die Tür gibts aber, und zwar bei oekokiste.de. Ob für Singles, WGs oder werdende Mütter, je nach Geschmack kann man sich ein Abo an Bioprodukten zulegen. Vorteil und Nachteil zugleich: man muss kochen, was in die Kiste kommt. 7. Selbermachen / Essen im Web Hilfe dabei bietet essenundtrinken.de. Auf der Homepage der Rezepte-Zeitschrift gibt es einen virtuellen Kühlschrank, in den man drei Zutaten eingeben kann, die man zur Verfügung hat - offizielle Redaktionsrezepte genauso wie Vorschläge von anderen Usern werden aufgelistet. Beim Test mit "Spinat, Erbsen, Eiern" kam als erstes eine eher unspektakuläre Erbsen-Käse-Ei-Pfanne heraus. Das Eier-Gratin im Spinat-Tomaten-Bett und die Spinatknöpfle hörte sich schon besser an, genauso wie die Pfannkuchenrolle mit Spinat.

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Illustration: Julia Schubert

8. Essen im Web II Das meist geschnittene Gemüse stellt - zumindest in Deutschland - wahrscheinlich die Zwiebel dar. Dass dabei grundsätzlich ein paar Tränchen kullern, muss nicht sein . Dass Zwiebeln aber auch viel mehr sein können als nur Saucenanfang, hat die Foodblogszene am 26. November bewiesen. Da fand der zweite internationale Onion Day statt, wieder einmal ausgerufen von Zorra, die den Blog 1xumrühren bitte schreibt. Von schlichtem Zwiebelkuchen über Zwiebelquesadillas und Zwiebelschnecken bis zur Zwiebelkonfitüre reicht die Auswahl an Rezepten. 9. Essen im Web III Bevor wir jetzt mit "Das Auge isst bekanntlich mit" einleiten, hier schlicht der Link zum Good Looking Blog Contest. In den Rubriken Essbarkeit, Originalität und Ästhetik wurden Fotos von Speisen eingereicht, und gewonnen hat das Bild von diesem wunderschöne Warm Pear Ginger Upside-Down Cake. 10. Gibt's das auch in grün? Gemüse aufs Brot Es ist orange, riecht ein bisschen nach Gemüsebrühe und hat eine weiche, lockere Konsistenz. Paté sundried tomatoes / curry von Tartex heisst das ganze, und der Blick auf die Rückseite der Packung verrät, was es eigentlich ist: Pflanzlicher Brotaufstrich aus Sonnenblumenkernen mit sonnengetrockneten Tomaten und indischer Gewürzmischung. Auf dem eigens gekauften Biovollkornbrot schmeckt es sehr gut (kleine Olivenstückchen!) und scheint schon als gern gewählte Alternative zu Wurst, Käse und Erdnußbutter. Schade nur: verpackt in Plastik. Mit Aludeckel. Zerstört die Bioromantik etwas. Umweltverträglicher kommt da schon die Champignonpastete von Bruno Fischer daher. Champignonpastete, das ist ein Klassiker unter den vegetarischen Wurstalternativen. Leider erfüllt diese Variante alle Klischees: hellbrau, salzarm und ein bisschen langweilig. Das nächste Mal vielleicht doch die daneben stehende Pfifferlingpastete?

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Illustration: Julia Schubert

11. Essenmenschen Einer der berühmtesten Obst- und Gemüsehändler zumindest in der südlichen Republik ist wohl Didi Schweiger. Bekannt ist er für seine Wetteransagen und unter Münchnern für seinen Obst- und Gemüsestand an der LMU. Jetzt ist er mit Tipps zum Saisonobst- und Gemüse auch zu sehen auf bongusto.de, einer Mischung aus Fernsehsender und Community, die neben einem durchgehend laufenden Liveprogramm mit Kochsendungen auch Themenforen und Rezepte bietet. 12. Essen lesen! Leider sind Obst- und Gemüsekochbücher ein trauriges Kapitel. Zwar gibt’s Kochbücher nur für Kürbis, Ananas oder Spargel. Aber auf einer allgemeineren Ebene landet man zwangsläufig bei den Vegetarieren. Sieht man im Kochbuchregal kurz über Werke wie „Sprossen, Körner und Bohnen“ hinweg, in denen Rezepte für „Risotto mit Feta-Graupen“ und „Gepufftes Getreide“ auf ihre Umsetzung warten, gibt’s aber durchaus einiges zu entdecken. Vegetarisch ist der schlichte Titel und zunächst fällt das Buch durch einen Bildermangel ist, der bei Kochbüchern meist aktivitätshemmend wirkt. Das Buch ist allerdings sinnvoll unterteilt in Rubriken wie Gemüse, Nüsse, Getreide, Eier und zu jeder Zutat stehen die jeweiligen Rezepte. Und süß-saures Zitronen-Chutney hört sich tatsächlich sehr gut an. Außerdem findet sich bei Jaffrey zwar der klassische Tofuburger, aber auch ein detailliertes Rezept für Kartoffelpürree. Und besonders schön: besondere Zutaten wie Nori oder Palmzucker werden separat im Glossar erklärt. Ein Zutatenglossar und sogar schöne Bilder gibt es auch in Vegetarisch kochen. Die Autorin hat die Welt in elf Gebiete unterteilt, ein Kapitel stellt beispielsweise Rezepte aus dem Maghreb, nördlichem Afrika und Westafrika vor. 13. Kurioses am Schluss Eine skurrile Zusammenstellung sind übrigens die berühmtesten Vegetarier der Welt. In dieser Gruppe sind Seneca, Nina Hagen, Richard Wagner, Leo Tolstoi, Rudolf Steiner und der Dalai Lama zu finden.

Text: lea-hampel - Illustration: Lucille Mietling

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