Extraleben (4): Spaß am Untergang

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The Last of Us  

So wird’s angekündigt: „Emotional, intensiv und brutal spannend!“ jubelt Sony über den heiß erwarteten Sommerblockbuster. Und jedes Adjektiv gehört dick und rot unterstrichen, denn jedes ist wahr.  

Die Helden: Die 14-jährige Ellie und der wesentlich ältere Texaner Joel finden in einer zerstörten Welt zueinander. Sporen verwandeln Menschen in Zombies und Regierungen sorgen schon lange nicht mehr für Recht und Ordnung. Stattdessen metzeln sie alles dahin, was sie als Bedrohung für die letzten Überlebenden einstufen.  

Ihre Gegner: Es sind nicht nur Untote, die Ellies und Joels Survival-Trip quer durch die USA erschweren. Vor allem sind es die Nicht-Infizierten, die lügen, töten und Ärger machen, um einen weiteren Tag am Leben zu bleiben. Und genau deshalb ist „The Last of Us“ so erschütternd: Weil das wirklich Böse nicht in den seelenlosen Untoten steckt, sondern in uns.  



So sieht's aus: Mit seiner „Uncharted“-Reihe hatte Entwickler Naughty Dog riesigen Erfolg und ruht sich nun ein wenig darauf aus: Auch „The Last of Us“ kommt als Action-Adventure mit von Pflanzen überwucherten Schauplätzen daher. Einfallslosigkeit kann man Naughty Dog deshalb aber nicht vorwerfen, denn bei „The Last of Us“ funktioniert der routinierte Natur-killt-Zivilisation-Look einmal mehr und sogar besser.  

So fühlt sich's an: In dem Sci-Fi-Thriller „Children of Men“ muss Theo Faron (gespielt von Clive Owen) eine Schwangere durch Großbritannien eskortieren, um den Fortbestand der Menschheit zu retten. „The Last of Us“ entfaltet mit seiner ähnlichen Handlung eine ähnliche Beklemmung, ist dabei aber doppelt so packend.  

Besonders nervig: Dieses Spiel ist ein exklusiver Titel, in dessen Genuss nur PlayStation-3-Besitzer kommen.  

Besonders schön: Wer keine PS3 hat, kann sich zumindest sämtliche wunderschönen, insgesamt anderthalb Stunden langen Zwischensequenzen auf YouTube ansehen.

„The Last of Us“ ist exklusiv für PlayStation 3 erhältlich.  

Auf der nächsten Seite: Eine Spiel gewordene Neuauflage von George Orwells „1984“.




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Illustration: Julia Schubert


Remember Me  

So wird’s angekündigt: Für sein Action-Adventure-Debüt hat der französische Entwickler Dontnod Entertainment einen schicken Realfilm-Trailer produziert, der auch für den nächsten Sci-Fi-Hit werben könnte.

Die Heldin: Nilin kann die Gedanken anderer Menschen beeinflussen und hat es mit dieser Fähigkeit zur gefürchtetsten Widerstandskämpferin gegen den Großkonzern „Memorize“ gebracht. Doch im Bastille-Gefängnis wird ihre Erinnerung daran zu großen Teilen gelöscht und all ihr Können geht verloren. Zum Glück nimmt ihr vermeintlicher Ex-Kollege Edge Kontakt zu ihr auf. Er unterstützt Nilin bei der Flucht nach Neo-Paris und hilft ihr anschließend, Stück für Stück ihrer Erinnerung wiederzufinden. 

Ihr Gegner: Das Facebook der Zukunft: Die „Memorize Corporation“ gibt ihren Kunden mit der Sensen-Technologie die Möglichkeit, Erinnerungen langfristig zu speichern und mit anderen Menschen zu teilen – greift dabei aber eifrig Daten für die eigenen Zwecke ab. Ziel? Die Weltherrschaft, ist doch klar.  

http://www.youtube.com/watch?v=9tCK1TAtu0M

So sieht's aus: Als Nilin zu Beginn des Spiels im Gefängnis erwacht – athletischer Körper, heller Overall, kurzes dunkles Haar –, meint man, „Mirror's Edge“-Protagonistin Faith zu sehen. Doch wo die Heldin austauschbar ist, da punktet „Remember Me“ mit einem toll beleuchteten Neo-Paris und einer Vielzahl von selbst kombinierbaren Kampftricks.  

So fühlt sich's an: Wie eine zeitgenössische, Spiel gewordene Umsetzung von George Orwells „1984“.  

Besonders nervig: Sämtliche Dialoge - die deutsche Synchronisation ist grausam! Zudem sind die schlauchartigen Level ziemlich leicht zu meistern.  

Besonders schön: Wer einen aufgepimpten Rechner besitzt, sollte ihn auch nutzen. „Remember Me“ sieht mit auf Maximum gepegelten Licht- und Effekteinstellungen umwerfend gut aus.  

„Remember Me“ ist für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich.  

Auf der nächsten Seite: Ein von Fans finanziertes Indie-RPG.


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Illustration: Julia Schubert


Shadowrun Returns  

So wird’s angekündigt: Um Spielern ihr RPG „Shadowrun Returns“ schmackhaft zu machen, brauchen die Entwickler Harebrained Schemes keinen besonderen Claim – denn dass ihr Indie-Projekt seine Abnehmer finden wird, war bereits 28 Stunden nach dem Start einer Kickstarter-Kampagne[/link] klar. Statt der für die Entwicklung benötigten 400.000 US-Dollar konnten die Macher mithilfe der Crowdfunding-Plattform sogar mehr als 1,8 Millionen Dollar einsammeln. 

Die Helden: konnten schon in dem ursprünglichen Pen-and-Paper-Rollenspiel „Shadowrun“ nach dem Baukastenprinzip zusammengezimmert werden – und so ist es auch in der neuen Game-Umsetzung. Anschließend führt uns das Spiel in ein Cyberpunk-Seattle des Jahres 2054, wo wir den Mord an unserem Kumpel Sam aufklären müssen.  

Unsere Gegner: pixelige Damen und Herren mit dicken Waffen, Schwertern und magischen Kräften. Und: machtversessene Großkonzerne. Ohne die funktioniert ein dystopisches Setting wohl nicht.  

So sieht's aus: „Shadowrun Returns“ orientiert sich mit seiner 2D-Optik an den 90-Jahre-Games für SNES und Sega Mega Drive. Die Farbpalette ist dabei aber um einiges ergiebiger als damals.  

So fühlt sich's an: Weiß man noch nicht. Vorab war an das Indie-Spiel nicht heranzukommen.  

Besonders schön: Es soll einen umfangreichen Charakter-, Level- und Gegenstand-Editor geben. „It's all in your hands“, preisen die Macher ihr Gadget an. Wäre auch ein guter Claim gewesen. 

 „Shadowrun Returns“ soll Ende Juli - nicht wie ursprünglich angekündigt im Juni - für PC und Mac (inklusive Editor) sowie für iOS und Android erscheinen.

Text: mark-heywinkel - Fotos: Screenshots

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