Facebook-ABC: E wie Eltern

Alle reden über Facebook, wir wollen es verstehen. Folge 2 des Facebook-ABC über Mütter und Väter im Netzwerk
dirk-vongehlen

E wie Eltern

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Illustration: Julia Schubert

Wenn eine Kolumne mit dem Ende beginnt, ist es schwer nachzulegen. Doch Menschen wie Roger Federer sind eine große Hilfe. Der Schweizer, der sich auf seiner Facebook-Fanseite als "the greatest tennis player of all time" beschreiben lässt, sorgt nämlich dafür, dass das Netzwerk trotz Austritten nicht vom Aussterben bedroht sein wird. Dabei geht es nur indirekt um die Prominenz des jungen Vaters, viel wichtiger als sein Ruhm sind seine beiden Töchter. Die hat Roger vor einem Jahr exklusiv seinen Facebook-Fans präsentiert und 112.653 von denen waren darüber so erfreut, dass sie sich zu einem spontanen "gefällt das" hingezogen fühlten. Das steht jetzt da, genau wie die über 30.000 Kommentare, in denen man auf unterschiedlichen Sprachen nachlesen kann, dass die Mädchen "total süß" sind.

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Illustration: Julia Schubert

Total süüüüß: Familie Federer mit ihren Töchtern, Screenshot: Facebook Die "Gefällt-mirs" (ist das der korrekte Plural?) und die Kommentare stehen da rum wie alter Kram aus der Vergangenheit, der im eigenen Elternhaus (nachdem man es verlassen hat) auf den Speicher oder in den Keller geräumt wird. Man will ihn nicht wegwerfen und keiner (nicht mal Mark Zuckerberg) weiß, was man damit anfangen soll. Nur schwer kann man sich vorstellen, wie ein zukünftiger Arbeitergeber Probleme oder einer findiger Geschäftsmann Profite aus der Erkenntnis schlagen kann, dass jemand vor einem Jahr mal auf den Facebook-Daumen gedrückt hat, weil Roger Federer Vater zweier wirklich süüüßer Mädchen geworden ist. Die Information steht einfach nur so da. Vermutlich auf ewig. Auf ewig nutzlos. Es sei denn zwei finden sich, drücken einander die Gefallens-Daumen und warten neun Monate. Dann nämlich erinnern sie sich an den Roger und seine Mädchen und stellen auch Bilder ins Internet. Natürlich bei Facebook und natürlich in der Hoffnung auf viele Daumen und süß-Kommentare. Und das ist der Grund, warum das Facebook-Imperium noch zahlreiche Quit Days überstehen wird: Es gibt einfach zuviele Eltern auf Facebook. Das sind nämlich die Menschen, die im Kern dafür sorgen, dass die Plattform wächst: Mamas und Papas, die ihrer internationalen Bekannt- und Verwandtschaft zeigen wollen, wie der Nachwuchs badet, pinkelt oder einfach nur den Schnuller hält. Mit all dem wird man langfristig vermutlich mehr Ärger haben als mit den plötzlich im Netzwerk auftauchenden eigenen Eltern, die dort das Treiben der Kinder verfolgen und mit Kommentaren versehen. Denn all die Kinder, die dort ungebeten angemeldet werden, werden selbstverständlich mit dem Netz aufwachsen. Sie werden wissen, dass das Netz nichts vergisst - auch nicht ihre eigenen Babyfotos. Leider.

Wie sehr diese im übrigen nicht nur die Kinder nerven, beweist in dieser Woche auch der Comedy-Rapper [link=http://www.facebook.com/SeanieMic" target="_blank">SeanieMic, der Outkasts

unter anderem an den Baby-Mamas Schuld gibt an seinem Überdruss an dem Netzwerk - den er selbstverständlich auf Facebook verbreitet.

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