Z wie Zeig mir alles! Oder: Versteckt Facebook Freunde vor mir?

Versteckt Facebook Freunde vor mir? Die Timeline auf Facebook bringt jedenfalls wenig Neues. Wieso?
jurek-skrobala

Logge ich mich bei Facebook ein, sehe ich jeden Tag das Miniaturbild von Toms Profil. Tom ist ein guter Freund, vor allem außerhalb des Internets. Trotzdem schreiben wir uns bei Facebook Nachrichten und chatten ab und zu. Was er postet, gefällt mir mal. Mal gefällt ihm, was ich poste. Tom postet sehr viel. Und manchmal kann das nerven, weil sein Gesicht mich nahezu jedes Mal anlächelt, wenn ich bei Facebook bin. Tom ist nicht der einzige, der immer da ist. Andere Leute, Seiten, Bandprofile erscheinen dafür schier nie in meiner Timeline, obwohl mich ihre Meldungen sogar mehr interessieren würden.

Illustration: Julia Schubert



Die Zeitleiste auf Facebook gliedert sich in "Hauptmeldungen" und "Neueste Meldungen". Doch was gibt Toms Meldungen das Wichtigkeit zusprechende Präfix "Haupt-"? Und laufen wirklich alle Neuigkeiten unter dem Label "Neueste Meldungen"? "Generell sortiert Facebook alle Meldungen vor. Angezeigt werden von den teils hunderten Nachrichten jene, mit denen der Nutzer am meisten interagiert", informiert Philipp Roth, Betreiber des Blogs facebookmarketing.de, der Facebook-Funktionen erklärt, nach eigenen Angaben aber nicht zu Facebook gehört oder von dem Unternehmen finanziert wird. "Facebook versucht so nur die relevantesten Meldungen für den Nutzer anzuzeigen und wirkt in einem gewissen Sinne sogar schon wie ein Spamfilter für die Aktivitäten der Freunde."

Dieser unfreiwillige Spamfilter stört Gerhard Sandskær. "Keine Sorge, alle lieben euch nach wie vor, und kaum einer wird euch absichtlich geblockt haben", schreibt er in einer Facebook-Notiz und gibt die Anleitung, wie man die Zeitleiste selbst montieren kann: Man scrollt zum Ende der Leiste, klickt "Optionen bearbeiten" an und ändert die vorgegebene Einstellung für "Zeige Beiträge von:" zu "Alles von deinen Freunden und Seiten". So hat man die Möglichkeit, die "Neuesten Meldungen" anzupassen und endlich wieder andere Bildchen als das vom lachenden Tom zu sehen. Damit Tom auch wieder andere Meldungen als die von Jurek bekommen kann, muss er natürlich Selbiges erledigen. Deshalb ruft Sandskær in einer Veranstaltung dazu auf, dieses Know-How weiterzuverbreiten.

"Facebook sollte vielleicht etwas offener damit umgehen, welche Personen sie als wichtig und unwichtig betrachten, denn nur, weil ich mit einer Person weniger kommuniziere und interagiere, sind mir die Beiträge der Person vielleicht nicht unwichtiger", kritisiert Philipp Roth. Zu Recht, denn: Der Auswahl der "Hauptmeldungen" kann man im Nachhinein nur schlecht modifizieren - dadurch, dass man das "x" rechts oben anklickt. Facebook merkt sich das und verzichtet beim nächsten Mal auf Meldungen des Weggeklickten. Wie ein großer Bruder, der einem vorschreibt, mit wem man sich treffen darf, entscheidet Facebook aber letztlich, wer einem wichtig ist und wer nicht so sehr.

Text: jurek-skrobala - Illustration: Christopher Stelmach

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