Ausländer sein kostet extra - ist das gerecht?

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Wer Herr Wong vergrault, schadet letztlich sich selbst - findet katarina-bader • Welche ausländischen Studenten wollen wir an unsere Unis holen: Den Oligarchen-Sprösslinge aus Russland? Oder lieber den Gewinner der gesamtrussischen Mathematik-Olympiade, dessen Eltern aber nur ein paar hundert Rubel im Jahr verdienen. Gebühren sind nicht der richtige Weg um die klügsten Köpfe nach Deutschland zu locken. Dass eine Auswahl getroffen werden muss, ist richtig. Entscheidend sollte dabei aber die Fähigkeit des Bewerbers sein, nicht der Geldbeutel seines Papas. • Ausländische Studenten bringen an deutschen Unis wertvolles Wissen ein. Ein Chinese, der hier studiert, kann im Politik-Seminar seinen Mitstudenten viel anschaulicher erklären, was zensierte Medien sind, als jeder noch so gut informierte deutsche Dozent. Das Historiker-Seminar über „Instrumentalisierung von Geschichte auf dem Balkan“ wird sehr viel lebendiger, wenn ein Bosnier, ein Kroate und ein Serbe mit von der Partie sind. • Mit jedem Ausländer, den wir in Deutschland ausbilden, gewinnen wir einen Anwalt: Jemanden der weiß, dass hier nicht nur verkappte Nazis leben und Deutschland inzwischen ein freundliches und manchmal recht chaotischen Land ist, in dem man sogar mal Urlaub machen könnte. • Natürlich gehen nicht alle ausländischen Studenten in ihr Land zurück, wenn sie ihr Diplom in der Tasche haben. Manche heiraten hier oder finden einen Job und bleiben. Aber ist das wirklich so schlimm? Alle Zahlen, die die Demographen uns zu bieten haben, zeigen: Wir brauchen Einwanderer. Allerdings nicht irgendwelche, sondern gut ausgebildete, junge, die Deutsch sprechen und gezeigt haben, dass sie etwas auf die Beine stellen können. Doch woher diese Traum-Immigranten nehmen, wenn nicht aus unseren Unis? • Herr Wong hat in Deutschland Maschinenbau studiert, jetzt arbeitet er in führender Position in einem Unternehmen in China und setzt dort auf deutsche Technik. Für ein Land, das Export-Weltmeister bleiben will, sollten ein paar Herr Wongs pro Jahr Grund genug sein, so viele ausländische Studenten wie möglich ins Land zu locken. • Wer sich von Herrn Wong nicht überzeugen lässt, den beeindruckt vielleicht Wangari Maathai aus Kenia: Die Biologin war die erste Professorin Ostafrikas. Sie fördert die Ausbildung von Frauen und Mädchen und gründete außerdem das „Green Belt Movement“, eine Initiative die in Afrika 30 Millionen Bäume gepflanzt hat. 2004 bekam sie dafür den Friedensnobelpreis. Maathai sagt selbst, dass sie unter anderem ihr zweijähriger Studienaufenthalt in Deutschland dazu motiviert hat, all diese Heldentaten zu vollbringen. Ist eine Wangari Maathai auszubilden nicht sinnvoller, als 10 Millionen Euro für Entwicklungshilfe? • Meine Freundin Tine wurde einmal mitten in Mexiko aus einem Überlandbus geworfen, weil der Fahrer beschlossen hatte, dass mit ihrem Ticket etwas nicht stimmt. Sie traf einen Dorfschullehrer, der mal zwei Semester in Tübingen studiert hatte und sie in die nächste Stadt fuhr. Meine Freundin Ulrike lernte im Kongo einen Arzt kennen, der ihr „ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren“ vorsang. Ich selbst wurde in Sibirien von einer Journalistin mit Informationen und Pierrogen gefüttert, die mal einen Workshop an der Uni Bonn mitgemacht hatte. Es ist wirklich nett, auf der Welt zu Gast bei Freunden zu sein. • Natürlich kann man argumentieren, dass England, die USA und Australien viele ausländische Studenten haben, obwohl sie ihren „internationals“ Semester für Semester horrende Summen abknöpfen. Aber der Vergleich mit englischsprachigen Ländern hinkt: Deutsch ist nun mal keine Weltsprache und wer hier studieren will, muss ohnehin erst mal Hürden nehmen, die Genitiv, Dativ und der-die-das heißen. Gute Deutschkenntnisse zu verlangen macht Sinn, aber eine weitere Hürde aufzubauen wäre falsch. Sonst verlieren unsere Unis international endgültig den Anschluss.

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Illustration: Julia Schubert

Den reichen Onkel aus Amerika ruhig mal zur Kasse bitten - fordert christoph-koch • Natürlich klingt eine Schlagzeile wie „Skandal um zweierlei Gebührenmaß – deutsche Unis zocken Ausländer ab!“ erst mal gemein. Aber man kann diesen Satz natürlich auch anders lesen. Nämlich: „Deutsche Studenten studieren günstiger“. Klingt gleich ein bisschen weniger skandalös und unverschämt. • Und das gilt nicht nur für deutsche Studenten, sondern auch Gäste aus der EU, die ebenfalls das günstigere Ticket für die Strafrechtsvorlesung oder das Thomas-Mann-Proseminar lösen. • Von ausländischen Studierenden höhere Studiengebühren zu erheben, klingt nur ungerecht und fies, ist es aber nicht. Schließlich beteiligen sie sich nicht durch Steuereinnahmen an den Kosten des Bildungssystems, von dem sie durch ein Studium profitieren. • Großbritannien nimmt durch solche Gebühren rund eine halbe Milliarde Pfund ein – und schafft mit diesem Geld wiederum Studienbedingungen, die es attraktiv machen, dort einen Abschluss zu machen. Denn obwohl Großbritannien im internationalen Vergleich zu den teureren Ländern gehört, ist es nach wie vor eines der begehrtesten Ziele für die Art von Unitouristen, die ihr Studium nicht nur abreißen wollen, sondern von ihrem Studium tatsächlich erwarten, dass es ihnen inhaltlich etwas bringt. • Letzteres könnte in Deutschland ja auch ruhig mal wieder in Mode kommen, oder? • Deutschland würde mit einer solchen Zwei-Preisschilder-Regelung keinen Sonderweg gehen, sondern nur das tun, was nahezu alle Länder machen, die Studiengebühren erheben: Wer in Großbritannien studiert und kein EU-Staatsbürger ist, zahlt bis zu sieben Mal mehr für sein Studium als ein Brite. • Auch in den USA liegen die Out-of-State-Tutions, deutlich höher als die In-State-Preise – hier studiert sogar günstiger, wer seinem eigenen Bundesstaat treu bleibt. Und auch wenn man sich kein Herzchen mit „USA“-Schriftzug auf den Oberarm tätowieren lassen will: Die dortige Hochschulausbildung schlägt die deutsche leider sogar dann zu Null, wenn sie sich einen Arm auf den Rücken bindet. • Höhere Gebühren für Studenten aus dem Ausland isolieren Deutschland auch nicht, wie vielerorts behauptet wird. Im Gegenteil: Eine Fünf-Jahres-Studie der Academic Cooperation Association (ACA) fand heraus, dass solche Studiengebühren „dem Zustrom ausländischer Studierender nicht abträglich sind“. In deutschen Mensen wird man also weiterhin hören, wie in unterschiedlichsten Sprachen geflirtet und über das Essen gemeckert wird – und so soll es ja sein. • Natürlich ist es immer am geilsten, wenn alles für alle umsonst ist. Auch Bildung. Bis das klappt, muss man es vielleicht anders versuchen: Die Kinder arabischer Ölmultis, japanischer Sony-Erben und kalifornischer IT-Mogule bezahlen mal schön den vollen Satz der Studiengebühren, wenn sie an eine deutsche Hochschule wollen. Ein Teil von dem Geld, das dadurch reinkommt, wird für Stipendien und Ermäßigungen verwendet, die es auch der klugen Ukrainerin und dem talentierten Marrokaner ermöglichen, hier zu studieren. Illu: dirk-schmidt

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