Die weltweit erste Snapchat-Soap

Serafina filmt sich zwei Wochen lang.
Von Max Sprick
Foto: Bayerischer Rundfunk

Serafinas Freund hat die Grippe, sie will ihn mit einer Kürbissuppe überraschen und gesund pflegen. Doch als sie unangekündigt in die gemeinsame Wohnung kommt, entdeckt sie erst fremde Schuhe und dann ihren Freund Mathis im Bett mit einer Fremden. Geschockt und heulend rennt sie raus.

Bei all dem filmt sie sich, hält voll drauf auf ihre Tränen und ihre Verzweiflung. Warum? Hat man in solchen Momenten nichts besseres zu tun, als diese für die ganze Welt auch noch zu streamen? 

Die Antwort darauf ist ziemlich simpel: Serafina ist Schauspielerin. Was sie im Trailer zu ihrem Film erlebt, ist ein Vorspann. Aber nicht zu einem Film oder einer Serie, sondern zu einer Live-Soap. Auf Snapchat. Der ersten weltweit. Ja, auf Snapchat, wo sich alle Szenen nach 24 Stunden automatisch löschen, wird sie bei iam.serafina ab Sonntagmittag zwei Wochen lang live alles filmen, was sie so erlebt – und das wird einiges sein, versprechen die Produzenten von PULS, dem jungen Programm des BR, die das Format für funk, das neue junge Angebot von ARD und ZDF, entwickelt haben.

Serafina wird gespielt von Franca-Serafina Bolengo aus München. Der zweite Vorname der 19-Jährigen gab der Soap ihren Titel. Es gibt zwar ein Drehbuch zur Soap, aber keine gescripteten Dialoge. Was in diesem Drehbuch steht, ist nah an das echte Leben der echten Franca-Serafina angelehnt.

Sie wird in einer Schwabinger WG mit zwei Nebendarstellerinnen wohnen, die Sache mit ihrem Freund irgendwie klären oder beenden, versuchen, irgendwie in die Modebranche zu kommen und alles andere, was man mit 19 halt so macht. Immer mit dem Smartphone dabei. Aber ohne Ton- oder Licht-Assistenten, ohne Aufnahmeleiter oder Kabelträger, wie bei üblichen Soap-Produktionen. „Franca ist Hauptdarstellerin, Cutterin und Bildbearbeiterin in einem – unser Konzept ist einzigartig“, sagt Kevin Schramm, der besagtes Konzept entwickelt hat. 

Ihm geht es um emotionale Authentizität der Hauptfigur. Und das Spielen und Experimentieren mit dem Medium. Snapchat fand er nämlich anfangs super, weil die Leute so viel Intimes von sich preisgaben. Dann langweilte es ihn recht schnell, weil sich halt doch alles irgendwie wiederholte. Hundegesicht-Filter, dunkle Aufnahmen aus Clubs und Beine, die joggen. „Ich dachte mir: Wäre doch geil, wenn es mal ein Format gäbe, bei dem wirklich immer wieder was Neues, Aufregendes passiert“, sagt Schramm. Er suchte und fand: wenig. Klar, die Kardashians, die eh schon alle Social-Media-Kanäle drei Mal durchgespielt haben, die hatten schon mal kleine Theaterstücke gesnappt. Aber sonst?

 

Also entwickelte Schramm mit einem kleinen Team seine Idee – die weiter wuchs, nachdem er seine Hauptdarstellerin gefunden hatte.

 

„Ich habe gerade Abitur gemacht und bin jetzt in einem Gap Year, in dem ich rausfinden möchte, wo ich später mal hin will“, sagt Franca. Seit sie zehn Jahre alt ist, besucht sie eine Schauspielschule, hatte schon „echte“ erste Drehs und kam zu ihrer Snapchat-Soap-Rolle, weil sie eigentlich auf der Suche nach einem Praktikum beim Radio war. Ihre Mutter sah den Aufruf zum Casting, Franca ging hin und überzeugte. „Dabei bin ich im echten Leben gar nicht so die Snapperin“, sagt sie. „Ich finde es eher schwierig, wenn Leute wirklich alles aus ihrem Leben preisgeben.“

Aber die Rolle der Serafina ist für sie eben genau das: eine Rolle. „Ich sehe sie als Chance, die Sachen auszuprobieren, die ich sonst nicht machen würde.“