Zensoren müssen sich zehn Stunden lang trocknende Farbe ansehen

Der Film ist eine Protestaktion gegen ihre Arbeit.

Klingt nach Folter, ist aber ihr Job: Mitarbeiter des British Board of Film Classification (BBFC) haben fast zwei Bürotage lang eine Mauer angestarrt. Es war ihre Pflicht. Die BBFC ist eine Art FSK für Großbritannien.  Auf dem Tape, das ihnen der Filmemacher und Journalist Charlie Lyne geschickt hatte, passierte: nichts. Zumindest nichts, was mit menschlichem Auge zu erkennen wäre. In dem Film trocknet exakt zehn Stunden und zwölf Minuten lang weiße Farbe an einer Mauer.  

Lyne wollte, dass das Gucken seines Films eine Qual ist. Er findet, dass die BBFC zu viel zensiert. Die Organisation befindet nicht nur über Altersfreigaben, sondern drängt in manchen Fällen darauf, dass Filme nur gekürzt in den Kinos gezeigt werden dürfen. Was Lyne noch mehr ärgert: die Gebühren für die BBFC. Für jedes Werk fallen einmalig 101,50 Pfund (umgerechnet etwa 134 Euro) und dann 7,09 (etwa 9,40 Euro) pro inspizierter Filmminute an. 683 Unterstützer haben für seinen Farbfilm-Protest auf Kickstarter gespendet. Der Film sollte so lang werden, wie das Geld für die Gutachter-Kosten reichen würde.

Mit mehr als zehn Stunden ist “Paint Drying” nun länger als Andy Warhols Film “Sleep”, der 5:20 Stunden lang einen schlafenden Mann zeigt. Der galt 1964 als wegweisende Konzeptkunst, wobei man nur die Idee für gut befand, nicht das Kinoerlebnis selbst. 

Wie es den BBCF-Gutachtern beim Inspizieren von "Paint Drying" ergangen ist, wollte Mashable wissen. Die tapfere Antwort: Die Mitarbeiter hätten “nicht verzagt”. Das Prüf-Ergebnis verkündeten sie heute auf Twitter.

Die Unterstützer von Lyne erhalten nun eine Kopie des Zertifikats. Es lautet: “Für alle geeignet”. Heißt wohl, für alle, die sich gerne quälen.

fran

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