Somalierin zündet sich in australischem Flüchtlingscamp an

Mit dem Hashtag "Only19" wollen Australier ihren Protest unterstützen.

In einem Flüchtlingslager auf der Pazifikinsel Nauru hat sich gestern eine Frau aus Somalia in Brand gesetzt. Die 21-Jährige ist die zweite, die auf diese Art gegen die australische Flüchtlingspolitik protestiert. Bereits vergangene Woche hatte sich in dem Inselstaat ein 23 Jahre alter Flüchtling aus dem Iran selbst angezündet. Am Freitag starb er in einem Krankenhaus in Brisbane. Die Somalierin wird nun ebenfalls in Brisbane behandelt.

Um die Regierung zum Umdenken zu bewegen, wurde nun eine Kampagne gestartet: Unter dem Hashtag "Only19" posten Australier Fotos von ihrem 19-jährigen Ich. 19 deshalb, weil das Alter der Geflüchteten zunächst auf 19 geschätzt wurde. Und weil die Australier damit zeigen wollen: Während sie selbst feiern und auf Reisen gehen konnten, müssen andere Menschen im gleichen Alter ihr Leben aufs Spiel setzen.

Flüchtlinge, die Australien als Ziel haben, sind im besten Fall drei Tage unterwegs: Mit dem Flugzeug geht es nach Malaysia, von dort aus über Land- und Seewege weiter nach Kambodscha und Indonesien, von wo aus sie sich mit Booten auf den Weg nach Australien machen.

Seit Monaten schon steht die australische Regierung in der Kritik: 

Flüchtlingsboote, die über Asien weiter nach Australien reisen wollen, werden an der dortigen Küste sofort abgefangen und nach Nauru und Papua-Neuguinea umgeleitet. Außerdem bezahlt die australische Regierung den pazifischen Inselstaaten Geld, damit diese die Geflüchteten in den Camps festhalten. Pro Jahr gibt es ungefähr 23.000 Flüchtlinge, die in Australien leben wollen. Zum Vergleich: Allein im März 2016 stellten knapp 60.000 Geflüchtete einen Asylantrag in Deutschland. 

Zu dem Fall der 21-jährigen Somalierin hat die Regierung Naurus ein Statement veröffentlicht, in dem unter anderem zu lesen ist: "Wir sind erschüttert darüber, dass Flüchtlinge solch drastische Taten begehen, nur um eine Änderung der australischen Flüchtlingspolitik zu erreichen." 

Vor einigen Tagen hat auch das oberste Gericht von Papua-Neuguinea die von Australien organisierten Camps für verfassungswidrig erklärt. Australien jedoch weigert sich, das Urteil zu akzeptieren und die Einrichtungen entsprechend der Forderungen der Richter aufzulösen. 

mew 

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