Human Rights Watch: Türkische Grenzer erschießen syrische Flüchtlinge

Die EU hatte die Türkei zuletzt immer wieder für ihre Zusammenarbeit gelobt.
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Foto: Bülent Kilic/afp
  • In einem heute veröffentlichten Bericht macht die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch der Türkei heftige Vorwürfe zum Umgang mit syrischen Flüchtlingen.
  • "Während hochrangige türkische Beamte beteuern, dass syrische Flüchtlinge mit offenen Grenzen und Armen empfangen werden, schlagen und töten ihre Grenzschützer sie", sagte Gerry Simpson, Leiter der Forschungsgruppe zum Thema Flüchtlinge.
  •  Laut dem Bericht kam es März und April 2016 von türkischer Seite zu heftigen Gewaltausbrüchen gegenüber einer Gruppe syrischer Flüchtlinge und ihrem Schleuser. Dabei seien fünf Menschen getötet worden, darunter auch ein Kind. Weitere 14 seien schwer verletzt worden. 
  • In einem Video (Vorsicht: Darstellungen von Gewalt) sind Aufnahmen von verprügelten und getöteten Menschen zu sehen. Laut Human Rights Watch handelt es sich dabei um Opfer der türkischen Grenzschützer.
  • Der Bericht stützt sich auf die Angaben von Zeugen, Opfern und syrischen Einwohnern der Grenzorte.
  • Als Alternative zur Flucht in die Türkei wirbt diese derzeit für "Sicherheitszonen" in Nordsyrien. Diese Regionen sind aber alles andere als sicher: Erst in der vergangenen Woche ist ein Lager der Binnenflüchtlinge nahe der Grenze einem Luftangriff zum Opfer gefallen, 28 Menschen kamen ums Leben.
  • Angela Merkel sprach sich bei ihrem Besuch in der Türkei Ende April für die geplanten Sicherheitszonen aus.
  • Der ebenfalls mitgereiste EU-Ratspräsident Donald Tusk lobte die Türkei für ihren Umgang mit den Flüchtlingen: "Die Türkei ist heute das beste Beispiel in der Welt dafür, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollten. Keiner hat das Recht, die Türkei zu belehren."
  • Gerry Simpson von Human Rights Watch sieht das anders: "Die EU sollte nicht einfach nur danebenstehen, während die Türkei scharfe Munition und Gewehrkolben einsetzt, um Flüchtlinge zu stoppen." 
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