„Ich habe heute leider keine Bordkarte für euch“

Wie wird man heute eigentlich Stewardess? Unsere Autorin ist zum Casting gegangen, um es herauszufinden.
Von Mercedes Lauenstein
Foto: Kai Pfaffenbach / Reuters

Irgendwas stimmt nicht. Ich sehe mich um. Die sitzen alle so professionell! Neben mir lauter übereinander geschlagene Beinchen in Strumpfhosen mit gefalteten Händchen auf den Kniechen und an den Füßchen Schühchen. Die Rücken besenstielgerade. Dazu gerollte Dutts. Ich hingegen: sitze breitbeinig und stütze meine Ellenbogen auf den Knien auf. Schnell korrigiere ich meine Pose. 

Ich bin bei einem Casting der Lufthansa. Die sucht neue Flugbegleiter. Nach dem krisenbedingten Einstellungsstopp der vergangenen Jahre gibt es enormen Bedarf. Und ja, die nennen das wirklich Casting.

Ich wollte noch nie Stewardess werden, aber vielleicht lerne ich in diesem Selbstversuch was über diesen Beruf. Oder darüber, wie Bewerbungs- und Auswahlprozesse im Jahr 2016 funktionieren. Die Lufthansa sagt sinngemäß: Über die herkömmlichen Bewerbungswege erreiche man nicht mehr genügend junge Menschen. Die Lösung: Unbürokratische Castings mit Event-Charakter, deutschlandweit, erstmalig. Machen andere Airlines jetzt nämlich auch, zum Beispiel Emirates oder Turkish Airlines, und da will man nicht auf der Strecke bleiben. Ob man genommen wird oder nicht, erfährt man noch vor Ort. Ich krieg den Job eh, denke ich. Charmant sein kann ich, fließend Englisch auch und Kellnern im Flugzeug ist sicher nicht halb so kompliziert wie im Café.

An einem Freitag um 12 Uhr mittags beginnt das Münchner Casting – Vorort, Gewerbegebiet. Man muss nur seinen Personalausweis mitbringen. Ansonsten soll man keine durch die Uniform sichtbaren Piercings und Tattoos tragen, muss eine abgeschlossene Schulausbildung haben, Deutsch- und Englischkenntnisse (fließend), einen Reisepass ohne Einschränkungen, irgendeine Größe zwischen 1,60 Meter und 1,95 und ein „angemessenes Gewicht“. Bloß: Ich weiß morgens nicht mal, was ich anziehen soll. Ich habe gehört, die Frauen, die sich als Stewardess bewerben, kämen in Röckchen und Schühchen und Blüschen, also quasi schon als Stewardessen verkleidet. Dinge, die ich nicht besitze. Kurz habe ich deshalb einen dieser Weltentfremdungs-Momente: Was ist eigentlich los, dass Stewardessen im Jahr 2016 Röckchen, Strumpfhöschen, Blüschen und Absatzschühchen tragen sollen? Ich ziehe einen Kaschmir-Rollpullover, eine schwarze Chino-Hose und schwarze Wildleder-Ankleboots ohne Absatz an. Silberschmuck, Lippenstift, fertig.

Ich steige ins Auto und checke mich noch mal im Spiegel. Die nehmen mich. Ich bin total in der Stewardessen-Manie. Ich sehe mich schon im Kostümchen in einen großen Airbus steigen und herauswinken wie Grace Kelly.

Foto: Mercedes Lauenstein

Am Parkhaus vor der Ziegelei, so heißt die Halle, in der das Casting stattfindet, steht ein einsamer Junge in Warnweste am Eingang, ich lasse die Fenster runter.

„Zum Flugbegleiter-Casting?“ fragt er. Und ich schäme mich.

„Casting“, schon der Begriff ist entwürdigend, man fühlt sich, als würde man gleich vor Dieter Bohlen auftreten. Ein großer, glatzköpfiger Mann vom Typ Detlef D Soost weist mir den Weg zum richtigen Parkdeck. Er duzt mich smart und kumpelmäßig: „Am besten, du fährst ganz nach oben“. Ich kann es nicht glauben. Er näselt sogar ein bisschen. Gehört das zur Casting-Kulisse? Müssen die Leute da so aussehen und so reden?

„Die sieht ja voll nicht deutsch aus“

„Ich bin nicht so!“, will ich ihm aus dem Fenster zurufen. „Ich bin kein Castingshow-Opfer!“ Aber ich fahre wie angewiesen ganz nach oben. Ich parke. Mein Ehrgeiz ist geweckt. Ich will auf jeden Fall gewinnen, egal ob ich den Job dann zu- oder absage.

Neben mir im Auto hilft ein Mädchen ihrem Freund in ein weißes Hemd. Dann Schlange stehen. Die Schlange ist sehr lang. Ein smarter Steward macht smarten Smalltalk mit den Wartenden. Am Eingang machen Stewardessen Selfies mit den Bewerbern. Der Stellenmarkt-Slogan der Lufthansa ist „Be Lufthansa“, denn auch hier hat man nicht verschlafen, dass man in der modernen Arbeitswelt nicht nur alles für die Firma geben, sondern am besten zur Firma selbst werden sollte.

Alle lächeln so nett. Ich lächele auch nett vor mich hin. Und sehe: Einige wartende Bewerberinnen sind tatsächlich als Stewardessen verkleidet – Rock, Bluse, Telefondamenschühchen mit Absatz. Einige sogar mit Halstuch und Koffer. Andere sind angezogen wie für die Bewerbung bei der Sparkasse: Blazer und weiße Bluse. Andere sind casual gekommen, Skinny Jeans und flache Schuhe, Herbstmantel. Ich finde mein Outfit am besten von allen, weder zu bemüht, noch underdressed. Die nehmen mich. Ich war selten von etwas so überzeugt.

Zu dem smarten Steward, der mit den Menschen vor mir in der Schlange redet, gesellt sich jetzt eine sehr hübsche Stewardess. Sie jauchzt vor Begeisterung über die vielen Leute, die anstehen. Es ist dieselbe, die auch vom Flugbegleiter-Casting-Werbebanner vor der Halle herunterstrahlt. Alle Wartenden schauen immer zwischen ihr und dem Plakat hin und her und tuscheln. Sie ist die perfekte Stewardess. Ein Mädchen hinter mir in der Schlange flüstert zu einer anderen: „Die sieht ja voll nicht deutsch aus.“ Die andere: „Stimmt, eher so arabisch oder so. Voll hübsch aber!“ 

Foto: Mercedes Lauenstein

Seit zehn Jahren fliegt die schöne Stewardess schon mit der Lufthansa. Sie erzählt, dass ganz früher, in den 50er- und 60er-Jahren, nur höhere Töchter Stewardessen werden konnten. Keineswegs ganz normale Mädchen von der Straße und Jungs erst recht nicht. Krass, finden alle und lachen. Einmal wechselt sie von ihrem perfekten Hochdeutsch auf breites Bayerisch, um zu zeigen, dass sie eigentlich einen bayerischen Dialekt hat.

Ich bin geblendet von der wachsfigurartigen Perfektion der beiden smalltalkenden Flugbegleiter. Sie sind sich ihrer repräsentativen Power total bewusst. Und: Es muss ein Tag der Genugtuung für sie sein. Sie sind, was alle hier werden wollen. Als sie an mir vorbeilaufen, weht mir die Eiseskälte ihrer Professionalität entgegen. Ich weiß nicht, was es ist. Diese Roboter-Herzlichkeit, die einfach ein- und ausgeschaltet wird. Mir zerreißt das immer wieder das Herz: Man fühlt sich gemeint und ist es gar nicht. Plötzlich bin ich schrecklich traurig.

Vor mir steht eine Frau, bei der ich mir nicht sicher bin, ob das noch als „angemessenes Gewicht“ durchgeht. Sonst sind aber alle von normaler Statur, einige schmaler, andere breiter, einige pummelig, aber alle so, dass sie sicherlich bequem durch die Flugzeuggänge durchgehen können. Hinter mir unterhält sich eine sehr sympathische Mutter vom Typ anpackende Naturschönheit Mitte 40 mit einer jungen Frau aus dem Gastrobereich. Die Mutter sucht jetzt, da ihre Kinder in die Schule gehen, einen interessanten Teilzeitjob und die Jüngere ist gelangweilt von dem Restaurant, in dem sie arbeitet, und möchte „einfach mal was anderes“ machen. Und die Lufthansa sei halt schon die absolute Königin der Luftfahrt.

Allmählich kann ich fühlen, was ich erstens für komplett ausgestorben gehalten und zweitens eh nie so richtig verstanden hatte: diesen Flugbegleiter-Traum. An Bord sein als Crew, über den Wolken, heute hier, morgen da, immer adrett in Uniform. Klar, Pilot sein hat mehr Style, aber dennoch. Schade nur, dass fast jede große Airline schönere Uniformen hat als die Lufthansa. Und was für eine Enttäuschung, als ich nachher im Faltblatt, das wir bekommen, lese, dass die Lufthansa „sich an den Uniformkosten beteilige“. Was ist das für eine erbärmliche Ansage? Wieso wird die Uniform einem nicht komplett kostenlos zur Verfügung gestellt? Ist das nicht das Mindeste? Ach, die Krise.

Den Gesprächen vor und hinter mir entnehme ich, dass unter den Wartenden auch Bewerber sind, die schon mal bei anderen Fluggesellschaften als Flugbegleiter gearbeitet haben.

Und langsam zieht sich das zeitlich. Es dauert eine Stunde, bis ich überhaupt erstmal in der Halle bin. An sanduhrförmigen weißen Event-Stehtischchen müssen wir Bögen ausfüllen mit Eckdaten zu unserer Person. Dann wieder anstehen vor einer zweiten Halle. Ausweiskontrolle, Nummernvergabe. Dann rein in die Landschaft aus gelben Lufthansa-Liegestühlen und Sitzwürfeln und Sonnenschirmen. Aus Lufthansa-Servicewägen gibt es Wasser und Corny-Riegel. Das muss bis 18 Uhr reichen, denn so lange könnte es hier schon dauern heute, sagen einige. Corny-Riegel! Für den ganzen Tag! Auch da hatte ich jetzt irgendwie mehr erwartet. Ach, die Krise.

Auf einem Podest machen Bewerberinnen, die es bereits geschafft haben, stolz Fotos mit Stewardessen. Alle anderen schauen neidisch zu. Überall hängen Plakate, auf denen für die Social-Media-Kanäle der Lufthansa geworben wird und außerdem die Anregung, Bilder des heutigen Tages mit dem passenden Hashtag auf Instagram zu posten. Es ist alles recht gesellig, aber auch sehr showmäßig. Ein paar Kamerateams vom Fernsehen sind da und machen Interviews mit Bewerbern. Hoffentlich filmt mich keiner. Dann bin ich endlich dran. Eine knallharte blonde Personaler-Frau auf Heels schreitet mir entgegen und fragt mich auf Englisch, wie es mir geht.

Foto: Mercedes Lauenstein

Sie nimmt mich mit an einen Stehtisch, wo wir auf Englisch darüber sprechen, wieso ich Stewardess werden möchte und so weiter und so fort. Ich sage, dass ich bisher als freie Journalistin gearbeitet habe, es mit der Branche aber doch deutlich bergab gehe und ich allmählich eine neue Herausforderung suche und glaube, dass der Beruf der Stewardess genau das Richtige für mich sei.

Entweder, ich kann damit nicht sehr punkten oder die Frau ist von Natur aus so kalt. Jedenfalls lacht sie, wenn überhaupt, immer nur sehr kurz – und alle Spuren davon verschwinden sofort wieder aus ihrem Gesicht. Sie sieht mich an, wie eine Business-Spionin aus einem Thriller. Meine Stimme zittert. Ich sage, dass ich eine totale team-person sei (Lüge) und mich perfekt mit Service auskenne (Lüge) und sogar schon einmal ein Jahr lang auf einem alten Segelboot in den Whitsunday Islands als Segelboot-Stewardess gearbeitet habe (immerhin keine Lüge, aber wahrscheinlich eine Anmaßung, das mit dem Job der Lufthansa-Stewardess zu vergleichen). Die kalte Frau bedankt sich und wir verabschieden uns. Ich setze mich auf die falsche Wartecouch und da kommt mir die kalte Frau schon wieder hinterher und sagt: „Frau Lauenstein, nicht hier, ich hatte rechts gesagt, nicht links.“ Es klingt wie: „Bitte ziehen Sie sich sofort Ihre Hose wieder an!“ Ich ziehe um auf die andere Couch. 

Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit kommt die Psychologin und nimmt mich mit. Ich habe es in die zweite Runde geschafft. Sie macht mir ein Kompliment für meine Jacke. Wir reden ein bisschen und ich erzähle wieder, dass ich die Zeit als Stewardess für mich als neue Herausforderung betrachte, dass ich überhaupt einfach mal „was ganz anderes machen“ möchte als Schreiben, mir aber vorstellen kann, dass der Beruf mich auch nochmal ganz neu zum Schreiben inspiriert durch all die Begegnungen, die man so hat, bla, bla, bla.

Die gesamte Situation kommt mir so künstlich und verklemmt vor, dass ich einfach nur will, dass sie vorbei ist 

Ich erzähle also einfach so vor mich hin und glaube, damit die absolute Killer-Strategie gefunden zu haben: Nicht so viel gelackte Lufthansa-war-schon-immer-mein-großer-Traum-Heuchelei, sondern einfach ehrlich sein. Authentizität ist ja gerade angesagt. Bestimmt auch bei der Lufthansa. Und immerhin hat mir eine der vielen Stewardessen hier vorhin erzählt, es gebe die unterschiedlichsten Biographien unter Flugbegleitern, von der ehemaligen Ärztin über den Schreinermeister oder die Performance-Künstlerin. Scheint also schon irgendwie auch ein Aussteiger-Beruf geworden zu sein. Ich glaube, ich mache das genau richtig.

Dann will die Psychologin ein Rollenspiel machen. Ich sage, dass ich nicht schauspielern kann. Sie sagt, ich müsse ja gar nicht schauspielern, sondern nur ich selbst sein und ganz authentisch reagieren. Ich sage, dass man in Rollenspielen nie authentisch reagiert, weil es keine echte Situation ist. Man fühle sich beobachtet und geprüft und mache vor lauter Druck alles ganz falsch und künstlich. „Wir probieren es einfach trotzdem mal“, schlägt sie vor, aber natürlich heißt es: Wenn Sie nicht mitmachen, können Sie gleich gehen. Sie ist genervt von mir.

Sie setzt sich auf einen Stuhl in einer Ecke und spielt mit beeindruckendem Bühnentalent eine extrem beleidigte Passagierin, deren Bordunterhaltung auf einem komplett ausgebuchten Flug irreparabel ausgefallen ist. Ich sage ihr, dass ich, wenn das jetzt echt wäre, wahrscheinlich erst mal einen Kollegen fragen würde, was man in so einer Situation mache, falls ich es nicht eh in der Ausbildung gelernt hätte. Okay, sagt sie, hilft mir aber nicht weiter.

Ich frage: „Naja, kann man da denn jetzt eine Art Entschädigung anbieten, und wenn ja, was für eine, vielleicht ein richtig geiles Essen aus der First Class (das würde mir persönlich halt gefallen)“?

Sie sagt, das müsse ich mir schon selbst ausdenken. Und ich solle jetzt bitte reagieren. Vielleicht ja einfach Zeitschriften oder Kopfhörer anbieten, winkt sie mir mit dem Zaunpfahl.

Ich tue mein Bestes, das so vorzuschlagen, aber die gesamte Situation kommt mir so künstlich und verklemmt vor, dass ich einfach nur will, dass sie vorbei ist. Ich rede sehr schnell und spüre im Gesicht, dass mein Lächeln wohl nicht freundlich, sondern schmerzverzerrt aussieht.

Danach fragt die Psychologin etwas, das wohl auf interkulturelle Kompetenz abzielt: Ob es meiner Meinung nach kulturelle Unterschiede zwischen den Passagieren eines Fluges nach Peking oder Abu Dhabi gebe. Nervös denke ich, ah, sie will bestimmt testen, ob ich ein vorurteilsbehafteter Mensch bin, also sage ich total abgeklärt sowas wie: nö, sind ja alles Menschen, also halt je nachdem, wie die privat so drauf sind und was die so für Rituale pflegen, aber eigentlich natürlich nicht.“

Ich will also möglichst klug rüberkommen, bin aber sehr nervös und habe irgendwie eine Blockade im Kopf – ich spüre das deutlich. „Oder halt, na gut, Muslime müssen natürlich beten, oder? Brauchen die da einen Gebetsraum eigentlich?“, schiebe ich hinterher und schwitze.

Sie schaut extrem irritiert. „Nö, gibt es nicht, dann dürfen die halt nicht mit einer deutschen Airline fliegen“, sagt sie. Ich fühle mich dumm und unwohl.

Draußen in der großen Halle nehme ich wieder zwischen mindestens zwanzig Wartenden in einer Sitzgruppe Platz und warte auf meine Zu- oder Absage. Bei einigen, die hier sitzen, ist mir völlig klar, dass sie niemals Stewardessen werden. Bei anderen, dass sie es auf jeden Fall werden: Die perfekte Stewardess ist eine äußerst professionell-aufgeweckte Mischung aus Zahnarzthelferin, Hotelrezeptionistin und PR-Dame.

Foto: Andreas Arnold / dpa

Dann kommt ein etwas dicklicher, sehr großer Steward mit einer Liste heraus. Er hat den blödesten Job des heutigen Tages: Er muss die Absagen erteilen. Das weiß ich, weil das erste Mädchen, das er aufruft, eines der Mädchen ist, die niemals Stewardessen werden. Und dann noch so eine, und noch so eine. Und dann sagt er meinen Namen.

 

Wir versammeln uns um ihn herum, gebannt verfolgen uns die Blicke der anderen Bewerber im Saal. Er fragt zuerst, ob wir ihm eine Kritik für das Casting am heutigen Tag mitgeben wollen oder irgendeine andere Form von Feedback. Eine Frau neben mir wettert mit irgendwas los, aber ich höre gar nicht mehr zu. Danke, sagt er dann zu ihr, das nehmen wir uns wirklich zu Herzen.

 

Und dann sagt er es. Er sagt es wirklich. Er sagt: „Ich habe heute leider keine Bordkarte für euch.“

Ich frage, ob man denn ein Feedback einfordern könne, und er sagt nein, das gehe leider nicht. Und gibt uns einen Schlüsselanhänger von der Lufthansa, der uns daran erinnern soll, uns nächstes Jahr wieder zu bewerben. Dann geht er. Und wir gehen auch. Und alle verbliebenen, zukünftigen Flugbegleiter sehen uns in einer Mischung aus Schock und Triumph dabei zu, wie wir es nicht geschafft haben. Wie wir heute leider keine Bordkarte bekommen haben.

 

Ich setze mich ins Auto. Es ist halb sechs Uhr abends. Das Radio spielt eine tragische Symphonie, während ich die leeren Parkhausetagen runterkurve. Als ich aus Ismaning rausfahre, beginne ich, mich langsam wieder wie ich selbst zu fühlen. Aus einem kleinen Fach in der Mittelkonsole des Autos angle ich ein Taschenmesser, klappe es auf und schneide mir das Flugbegleiter-Casting-Teilnehmerarmband vom Handgelenk. Es fliegt in den Fußraum. Plötzlich wird mir klar, dass ich alles falsch gemacht habe. Meine Easy-going-Authentizitäts-Strategie war ein total kontraproduktiver Scheißdreck. Das interessiert doch bei einer Fluggesellschaft niemanden. Die wollen exzellente Servicekräfte, fertig aus. Ich habe sowas von keine Ahnung vom echten Business-Leben mit Bewerbungsgesprächen und Firmenphilosophien, und langsam wird mir wieder klar, dass ich das sympathisch an mir finde.

 

Und plötzlich fällt mir auch wieder ein, dass ich ja eigentlich sogar Flugangst habe.

 

Vielleicht hätte es mit mehr Willensstärke geklappt?