Opa ärgere dich nicht!

Charlottes Opa ist 84 und schreibt Mails, hat einen Facebook- und einen Twitter-Account. Für jetzt.de erklärt er einmal im Monat, was ihn die vergangenen Wochen besonders beschäftigt hat.
charlotte-haunhorst

Opa, heute ist Feiertag, ich lieg' noch im Bett. Was habt ihr den Vormittag über gemacht?
Opa: Ach, das muss doch auch mal sein. Wir sind allerdings schon lange auf und haben auch schon "Mensch ärgere dich nicht" mit unseren kleinen Enkeln gespielt. Das ist schön, aber manchmal auch anstrengend, weil kleine Kinder dann ja immer Nebenschauplätze aufmachen, stundenlang würfeln oder den Würfel verstecken...

Ich habe dich nicht als fiesen Opa in Erinnerung, der mich je rausgeschmissen hätte...
Opa: Nicht, wenn es sich vermeiden lässt. Das übernehmen die Kinder dann ja aber auch oft untereinander. Ich habe übrigens diesen Monat auch angefangen, Schach im Internet zu spielen. Das ist ist ganz gut, um nicht aus dem Denken rauszukommen.
Oma: Aber natürlich nicht ganz so schön, wie wenn du gegen einen Enkel spielen kannst, oder?
Opa: Das natürlich nicht. Aber im Internet kann man Züge auch zurücknehmen, das ist für mich sehr lehrreich.

Gibt es noch etwas, dass du diesen Monat Neues im Internet gemacht hast?
Opa: Ich habe einem Orgelbauer in Holland gemailt, der mir vor 18 Jahren meine digitale Orgel verkauft hat. Wir haben dann hin und hergeschrieben und Anfang der Woche ist er dann vorbeigekommen und hat die Orgel auf Vordermann gebracht.

Hat er sich gefreut, dass ein über 80-Jähriger ihn anmailt?
Opa: Ich denke schon. Er hat mir dann auch erzählt, dass sein Vater über 90 ist und auch noch Orgel spielt. Aber der spielt wohl kein Schach im Internet mehr (lacht).

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Illustration: Julia Schubert


Diesen Monat war ja auch Bundestagswahl. Wie habt ihr das Ergebnis empfunden?
Opa: Deine Oma hatte kurz Angst, dass das Land jetzt unregierbar wird, wenn keiner miteinander arbeiten will. Ich hab sie dann aber beruhigt und gesagt, dass die Politiker sich einfach noch in die neue Situation reinfinden müssen.
Oma: Für die FDP tat es mir schon Leid, dass sie rausgeflogen sind. Insbesondere für den Genscher, das ist für den doch sicher sehr schwer.
Opa: Ich habe auch Mitleid mit der FDP. Andererseits gehört das zu einer Demokratie dazu und es ist ja auch das Entehrendste für einen Politiker, wenn er bemitleidet wird.

Habt ihr denn mit diesem Wahlausgang gerechnet?
Opa: Ehrlich gesagt: nein. Ich dachte, die FDP schafft es in der letzten Sekunde noch. Bei der AfD denke ich allerdings, dass man sich da zuviel aufregt. Die sind wie die Piratenpartei maßlos überschätzt und bei der nächsten Wahl unwichtig. Bei der FDP hoffe ich hingegen, dass sie wiederkommt.

Die FDP will sich jetzt ja unter Christian Lindner reformieren...
Opa: Ja, der Lindner wirkt jetzt auch sehr sehr gelockert
Oma: Der sieht irgendwie frischer aus.

Vielleicht liegt das an seiner Haartransplantation?
Oma: (kichert) Ach wirklich? Doll!
Opa: Ich brauche sowas ja nicht mehr! Aber erzähl' doch noch kurz: Wie geht es denn dir?

Ach, ganz gut eigentlich. Ich ringe ein bisschen mit mir, ob ich mir ein Auto anschaffe.
Opa: Also ich finde ja, ein Auto gehört zur Entwicklung dazu.
Oma: Wir hatten erst ein Motorrad, dann einen Kabinenroller, dann zwei Kinder und dann einen VW. Das war unser erstes Auto. '59 muss das gewesen sein.

Was ist denn ein Kabinenroller?
Opa: Na hör mal! Von Messerschmitt, so einer zum Aufklappen. Der hatte allerdings viele Kinderkrankheiten.
Oma: Einmal, auf dem Weg zu einer Rundfunkaufnahme, ist die Lenkung gebrochen.
Opa: Ein Schmied hat das dann über Nacht neu geschweißt, leider aber falsch. So hatte der Kabinenroller fortan einen Rechtsdrall und man drohte immer in den Graben zu fahren.
Oma: Wir haben dafür aber eine Lösung gefunden: Ich habe einen Schal an den Lenker gebunden und während Gottfried gelenkt hat, habe ich fest daran gezogen, so dass wir weiter geradeaus fahren konnten.

Klingt romantisch?
Oma: Nur im Nachhinein. Eigentlich war es fürchterlich.

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