Opa liest die Huffington Post

Journalisten schreiben sehr gerne über Journalisten. Dass sie dabei in einer Blase schwimmen, merken die Wenigsten. Wir haben deshalb zu aktuellen Entwicklungen einen echten Leser befragt: Opa Gottfried im #FragOpa-Spezial.
charlotte-haunhorst

Opa, ich hatte dich vorab gebeten, die heute online gegangene deutsche Version der Huffington Post ein bisschen zu verfolgen. Dein erster Eindruck?
Opa Gottfried: Sehr zwiespältig. Zum einen denke ich immer, man darf sich den modernen Entwicklungen ja nicht verschließen. Du bist ja als unsere Enkelin auch sehr tief in den Online-Journalismus eingetaucht und vieles finde ich da sehr gut. Zum anderen mache ich mir aber auch Sorgen: Diese Billig-Mentalität darf nicht auf allen Ebenen durchkommen, Qualität darf im Internet nicht nur als Hobby existieren. Sonst bleibt für Berufsjournalisten ja nichts mehr übrig zum Leben.

Das Konzept der Huffington Post ist es ja, journalistische Inhalte mit Blogeinträgen von Prominenten zu mischen...
Opa: Ja, da hatte ich auch schon im Vorfeld mitbekommen, dass manche anscheinend der Meinung waren, man dürfe als Autor froh sein, wenn man überhaupt im Umfeld von berühmten Leute seine Texte veröffentlichen darf. Man solle dann nicht auch noch eine Bezahlung verlangen. Das finde ich falsch. Es überrascht mich in diesem Kontext nahezu, dass sie nicht erst noch verlangt haben, dass die Autoren dafür Geld bezahlen, dort schreiben zu dürfen (lacht sarkastisch).

Wie fandest du denn die Autoren-Mischung, die sie dafür gewinnen konnten? Da sind ja auch für dich interessante Menschen wie Ursula von der Leyen, Robert Zollitsch, Nikolaus Schneider dabei...
Opa: Ich habe das schon mit Interesse gelesen und deiner Oma auch vorgelesen. Das ist allerdings vom Bildschirm immer etwas schwieriger, als wenn man eine richtige Zeitung in der Hand hat.
Oma: Das stimmt und da muss ich mich jetzt auch mal einschalten: Ich würde mir wünschen, dass ihr jungen Leute euch zusammenschließt und dafür einsetzt, dass die Zeitung erhalten bleibt. Denn ich habe ja noch Gottfried, der mit dem Internet umgehen- und mir daraus vorlesen kann. Aber viele meiner alten Freundinnen können das nicht und haben auch niemanden. Ohne Zeitung würden die gar keine Informationen mehr bekommen und das wäre doch schrecklich traurig!

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Illustration: Julia Schubert


Da hast du Recht. Aber unsere Lesegewohnheiten sind nun einmal bereits jetzt sehr anders, als eure. Darauf müssen sich die Zeitungen ja auch einstellen um noch Leser zu gewinnen.
Opa: Vieles am Internet finde ich ja auch spannend und gut. Da kommen beispielsweise die Autoren viel mehr zur Geltung. Ihr habt auf jetzt.de ja auch Fotos, so dass man zu einem Text ein Gesicht zuordnen kann. Ich denke, so etwas würde eine Zeitung auch menschlicher machen. Wenn ich allerdings die Süddeutsche im Print lese, bekomme ich nur über Heribert Prantl ein paar Hintergrundinformationen. Über andere Autoren steht da oft nichts. Dabei verbindet so etwas doch intensiv mit dem Leser. Außerdem finde ich am Internet verführerisch, dass sich da jeder zu für ihn wichtigen Themen äußern kann. Ich wollte zum Beispiel heute kommentieren, dass ich auch finde, dass Frau Göring-Eckardt als Fraktionsvorsitzende zurücktreten muss.

Wo wolltest du das kommentieren?
Opa: Bei Facebook. Aber dem Computer hat das dann wohl zu lange gedauert, der Bildschirm wurde auf jeden Fall schon wieder dunkel, bevor ich fertig war. Auf jeden Fall finde ich es prinzipiell gut, dass man kommentieren kann. Wobei viele Kommentare ja nicht besonders durchdacht wirken sondern eher an Geistesblitze erinnern. Und wenn es immer nur blitzt, das mag man ja auch nicht.

Zurück zur Huffington Post: Welche Texte hast du da gelesen?
Opa: Wie gesagt, überflogen habe ich alles.

Auch Fotostrecken wie "So niedlich sind unsere Vierbeiner" anlässlich des Welthundetages??
Opa: Ich gebe zu: Wenn ich so im Lesefluss bin, verirre ich mich manchmal auch auf diese Texte. Und wenn die Fotos besonders hübsch sind, bemühe ich mich auch mal, sie Oma am Bildschirm zu zeigen. Allerdings befürchte ich schon, der Weg von solchen Fotos zum Niveauverlust ist nicht sehr weit.

Wie gefällt dir die Huffington Post allein von der Optik her? Ist das übersichtlich für dich?
Oma: Na, also eigentlich darfst du Gottfried sowas nicht fragen. Der sieht doch nicht mehr so gut.
Opa: Das stimmt, ich bin kein Mensch, der mit Optik zu beeindrucken ist. Außer natürlich von hübschen Frauen (kurze Kunstpause) - wie deiner Oma. (Oma freut sich im Hintergrund)
Prinzipiell ist bei mir die Schrift auf dem Computer also sehr groß eingestellt, deshalb konnte ich die Seite schon gut lesen und mich dort auch zurechtfinden.

Das Prinzip der Huffington Post hat ja auch den Pulitzer-Preis gewonnen - hättest du das erwartet?
Opa: Da hatte ich dann doch schon eine etwas höhere Meinung vom Pulitzer-Preis, das muss ich zugeben. Aber bei Buchpreisen ist man ja auch oft erstaunt, wer die so bekommt. Morgen wird ja auch der Friedensnobelpreis verliehen - ich plädiere dafür, dass alle, die den bisher ungerechtfertigterweise verliehen bekommen haben, ihn dieses Jahr zurückgeben. Dann gibt es einen Superfriedensnobelpreis für jemanden, der ihn wirklich verdient.

Wer denn zum Beispiel?
Oma: Dieses junge Mädchen aus Pakistan, der in den Kopf geschossen wurde. Die sollte den Friedensnobelpreis bekommen!

Ja, das fände ich auch gut!
Oma: Wie schön, dass wir uns alle einig sind!

Du hast auch eine Frage an Opa? Stell sie in den Kommentaren. Oder schick sie per Mail mit dem Betreff Frag Opa an info@jetzt.de oder auf Twitter unter dem Hashtag #fragopa.

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