Opa und die Whistleblower

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Charlotte: Opa, was hast du diesen Monat im Netz gelernt?
Opa: Zu skypen. Das konnte ich auch schon früher, allerdings hast du mir jetzt ja diese kleine Kamera geschickt. Wenn man dann auf einmal ein Bild hat, ersetzt das fast schon das Reisen. Das ist eine wunderbare Errungenschaft, die kann man gar nicht hoch genug loben. Reduziert ja auch den CO2-Ausstoß, wenn das mehr Leute täten.

Und konntest du die Kamera auch schon mit anderen ausprobieren?
Opa: Bisher noch nicht. Ich würde eigentlich sehr gerne, aber ihr jungen Leute habt natürlich nicht viel Zeit. Und die in meinem Alter haben alle nicht so Interesse am Internet. Es ist schade, dass viele da bequem geworden sind. So durchbrechen sie nie ihren Kreis der Einsamkeit.

Es ist halt nicht selbstverständlich, in deinem Alter ein Neuland-Bewohner zu sein...
Opa: Ja, das habe ich mitbekommen, dass Angela Merkel das Internet so genannt hat. Dabei passt das doch gar nicht zu ihr. Sie hängt doch selbst ständig am Handy und macht da bestimmt auch Sachen im Internet. Oder besser: Der Steffen Seibert macht da Sachen für sie.
Für mich finde ich den Begriff "Neuland" hingegen gar nicht so schlecht. Gemessen an meinem Alter, bin ich wirklich erst seit einer kurzen Zeitspanne im Netz.

Was hat dich abseits vom Netz diesen Monat beschäftigt?
Opa: Ich habe im Juni ein Interview mit dem Bruder von Peer Steinbrück gelesen. Danach dachte ich, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn der Kelch des Kanzler-seins an ihm vorrübergeht. Das sage ich jetzt ohne Häme, aber ich glaube, er ist intellektuell und auch finanziell diesem Job entwachsen. Und als er dann neulich auf der Bühne aus Rührung über die Worte seiner Frau geweint hat, da dachte ich auch, der Job ist vielleicht nichts für ihn.
Oma aus dem Off: Da muss ich jetzt dem Gottfried widersprechen. Ich fand das nicht schlimm. Das macht den Mann doch sympathischer.

Wenn jetzt Angela Merkel und Peer Steinbrück bei euch vorbeikämen, um euch als Wähler zu gewinnen - wen würdet ihr eher reinlassen?
Oma: Beide, natürlich. Wenn die mit uns reden wollten, dürften die auch rein.
Opa: Wobei die CDU vermutlich erst sehr spät käme. Die denken ja immer, je länger man mit Dingen wartet, umso besser werden sie.

Eine jetzt-Leserin fragt, ob ihr das Drama um Edward Snowden und sein Whistleblowing verfolgt habt?
Opa: Natürlich! Ich finde die Diskussion gerade sehr wichtig, aber wir sind jetzt auch alle sehr aufgeregt. Wenn jetzt beispielsweise jemand den Eiffelturm hochsprengen würde, wären wir erbost, dass die Geheimdienste nichts unternommen haben. Andererseits muss man auch die Menschenrechte achten und darf nicht einfach alle abhören.

Denkst du, Deutschland sollte Snowden Asyl gewähren?
Opa: Ja. Ich bin geneigt ihm abzunehmen, dass er diese ganzen Sachen wirklich verraten hat, um den Menschen zu zeigen, wie Geheimdienste arbeiten. Aber die Politik hat jetzt ja eine Lücke gefunden, wie sie sich nicht mit ihm auseinandersetzen muss.

Machst du dir denn nun Sorgen auch abgehört zu werden?
Opa: Wenn jemand meine Mails lesen würde, wäre das nicht so schlimm. So viel Geheimes steht da ja nicht drin. Der Vorteil des Alters ist ja, dass man sich selbst nicht mehr so ernst nimmt. Und wenn die sich dafür interessieren, welchen Kaffee ich bei Ebay kaufe...
Oma: Naja, wenn da jetzt jemand unsere Krankengeschichte mitlesen würde...
Opa: Wäre auch nicht die Welt. Glaube ich außerdem nicht. Die wissen ja nicht mal bei den Krankenkassen selbst, was die verschiedenen Abteilungen machen.
Oma (lässt sich das Telefon geben): Zu dem Geheimnisverrat muss ich aber noch eine Geschichte erzählen. Früher, als wir noch in Nordrhein-Westfalen in Borgentreich wohnten, gab es da einen Klavierstimmer, der sehr oft zu uns kam. Der behauptete immer, er würde abgehört werden. Hörte in seinem Telefon ständig so einen Ton oder sowas. Irgendwann habe ich rausgefunden, wie man ihn beruhigen konnte: Man musste ihn in den Garten lassen und da rupfte er dann mit bloßen Händen den Löwenzahn raus und aß ihn pur. Das half.
(Kichernd, dann ernst): Ich hoffe, er lebt noch.

Zu Borgentreich muss ich auch noch was erzählen: Ein ehemaliger Schüler von Opa hat sich über den Blog gemeldet. Er war 1962/63 in deiner Klasse und lässt lieb grüßen.
Oma: Das ist ja himmlisch!
Opa: Von dem musst du mir direkt mal die Mailadresse geben, dann melde ich mich da. Das wäre ja toll, wenn das Internet da echte Kontakte wieder herstellt.

Du hast auch eine Frage an Opa? Stelle sie in den Kommentaren, per Mail mit dem Betreff "Frag Opa" an info@jetzt.de oder auf twitter unter dem Hashtag #fragopa. Mehr Gespräche zwischen Charlotte und ihrem Opa kannst du auf dem Blog „Opa Gottfried ist online“ lesen.


Text: charlotte-haunhorst - Illustration: Katharina Bitzl

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