Anwesenheitspflicht
Bachelor- und Masterstudenten müssen viele Autogramme geben, seit der Umstellung wurden in Seminaren und sogar Vorlesungen deutlich häufiger als zuvor Anwesenheitslisten herumgereicht. Nach Studentenprotesten wurde diese Regel an einigen Instituten wieder gelockert, aber längst nicht überall: Kluge Köpfe geben ihre Unterschrift daher in der ersten Vorlesung an einen Kommilitonen weiter. Der kann dann unterschreiben, wenn uniexterne Verpflichtungen wichtiger sind als Makroökonomie oder Plattentektonik. Aber Vorsicht: Wenn das auffliegt, gibt es in der Regel ziemlich Ärger.

Bologna
Früher war die italienische Universitätsstadt Bologna vor allem für ihre Fleischsoße bekannt. 1999 unterschrieben 29 europäische Bildungsminister dort die Erklärung für den Bolognaprozess. Seitdem leidet die Stadt unter der Stigmatisierung. Beim Bildungsstreik (siehe Occupy) war die Stadt Zielscheibe von bösen Parolen: „Bologna, wir wissen, wo dein Auto steht.“

Credit Points
180 Credit Points (deutsch: Punkte) benötigt ein Student für seinen Abschluss, also durchschnittlich 30 Punkte pro Semester. Ein Credit Point soll 30 Stunden Arbeitsaufwand entsprechen. Das Sammeln der Punkte im Studium ist so ähnlich wie das Sammeln der Sterne bei Super Mario – an manche kommt man ganz leicht ran, für andere muss man erst ein bisschen mitspielen.

Deutschlandstipendium
„Eine neue Stipendienkultur“ wollte Bildungsministerin Annette Schavan im Sommersemester 2011 einführen. Das Deutschlandstipendium fördert auserwählte Studenten mit 300 Euro monatlich. Die Hälfte des Geldes kommt vom Bund, die andere Hälfte von Firmen, Stiftungen und privaten Geldgebern. Bisher werden 0,25 Prozent aller Studenten vom Deutschlandstipendium gefördert. Ran an die Formulare!

Erasmus
Internationale Beziehungen der besonderen Art: Ein Jahr lang Spaß (vorzugsweise in der Nacht), Alkohol (vorzugsweise hochprozentiger) und Sex (vorzugsweise zwischen Studenten aus Spanien, Frankreich und Deutschland, denn daher kommen die meisten Erasmus-Studenten). Bachelorstudenten gehen nur halb so oft ins Ausland wie Magister- oder Diplomstudenten. Das muss allerdings nicht nur am häufig hohen Arbeitsaufwand im Bachelor-Studium liegen - mancher verschiebt ein Auslandssemester womöglich auch ins Masterstudium.

Fossil
Zwischen Bachelorstudenten fühlen sich sogenannte Altstudenten der Magister- und Diplomstudiengänge antiquiert. Wie Omi den Enkeln vom Krieg erzählt, berichten die Studenten der traditionellen Studiengänge von damals, als die Regelstudienzeit noch eher eine Richtlinie war. 

GMAT
Wer BWL oder VWL im Master studieren will, braucht mittlerweile nicht mehr nur eine gute Bachelornote, sondern auch einen Graduate Management Admission Test für die Bewerbung. Der Test kostet 250 Dollar, dauert 3,5 Stunden und prüft Sprach- und Mathematikkenntnisse. 1500 Uni weltweit verlangen den GMAT bei der Bewerbung für betriebswissenschaftliche Studiengänge, unter anderem auch die LMU München. 

Hochschulranking
Funktioniert ähnlich wie der Bachelor. Die Unis bekommen Punkte und am Schluss gibt es eine Note. Beim bekannten CHE-Ranking wurden verschiedene Kriterien lange Zeit mit den drei Ampelfarben benotet. Sind alle Kategorien grün, heißt das so viel wie „Elite-Uni“. Weil die rote Ampel für ein schlechtes Abschneiden allzu negative Assoziationen weckte, wurde Rot inzwischen durch das neutralere Blau ersetzt. Leider macht die neue Farbe die Seminare aber auch nicht weniger voll oder die Bibliothek besser ausgestattet. Kritiker bemängeln häufig Daten- und Methodenmängel bei den Rankings.

Internationale Vergleichbarkeit
Die internationale Vergleichbarkeit war das Hauptargument für die Einführung des neuen Studiensystems. Doch amerikanische Unis weigerten sich jahrelang einen deutschen Bachelor anzuerkennen, denn in den USA dauert das Bachelorstudium ein Jahr länger. Mittlerweile steigen die Zahlen der zum Master zugelassenen deutschen Studenten im Ausland: Jeder 20. Bachelorabsolvent macht heute sein anschließendes Masterstudium im Ausland.

Jammern
Zumindest in dieser Disziplin sind die Leistungen der Studierenden seit der Bologna-Reform stark gestiegen. Auch nach den Eingewöhnungsjahren wird noch fleißig gejammert – kollektiv und gegen den gemeinsamen Feind: Das Bachelor-Master-System. Doch die Verantwortlichen tun wenig gegen die Unzufriedenheit und jammern lieber darüber, dass alle jammern.

Kopieren
Bachelor und Master haben den Leistungsdruck gesteigert. Abschreiben ist da offenbar für gar nicht wenige ein Kavaliersdelikt. Forscher der Universität Leipzig haben in einer Studie herausgefunden, dass jeder vierte Student schon einmal aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten kopiert hat.

Langzeitstudent
Vom Aussterben bedroht. In vielen Studiengängen darf man die Regelstudienzeit maximal zwei Semester überziehen. Stundenpläne zeigen, wie die Semester abzuarbeiten sind und Bafög gibt es nur, solange man sich an den Zeitplan der Universität hält.

MBA
Ein Master of Business Administration wird als generelles Management-Studium verstanden, das grundlegende betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln soll. Häufig machen Juristen, Geistes- oder Naturwissenschaftler einen MBA, um sich für höhere Positionen zu qualifizieren.

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Noten
Noten gab’s schon im Magister, aber entscheidend waren die Prüfungen am Ende. Damit nicht ein schlechter Tag das ganze Studium versaut, gehen jetzt alle oder zumindest viele Noten in die Endbewertung ein. Manchmal bringt die Bachelor- oder Masterarbeit nicht einmal mehr Credit Points als ein Hauptseminar.

Occupy
Die knallgelben Sticker klebten 2009 auf Fahrrädern und WG-Kühlschränken: Bundesweiter Bildungsstreik. In den Fenstern der Institute und Rektorate hissten die Studenten selbstbemalte Bettlaken und okkupierten die Machtzentralen der Unis. Sie forderten weniger Verschulung im neuen Bachelor-Master-System. Mehr als 200 000 Studenten gingen auf die Straße und schrien: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.“ Bundesbildungsministerin Annette Schavan hielt die Proteste für gestrig.

Prüfungsangst
Uni-Psychologen sagen, dass immer mehr Studenten psychische Probleme haben. Schuld sind die straffen Stundenpläne, die stressigen Klausurenphasen und der steigende Konkurrenzdruck unter Studenten.

Qualifikation
Manche Personaler wissen immer noch nicht, was sie von B.A.’s und M.A.’s zu erwarten haben. Viele Arbeitgeber kritisieren die mangelnde Praxiserfahrung und Reife der Absolventen – nach sechs Bachelorsemestern sind viele Studenten erst 21 Jahre alt. Doch die Zufriedenheit der Arbeitgeber mit den Bachelorabsolventen nimmt stetig zu.

Regelstudienzeit
60 Prozent der deutschen Bachelorstudenten beendeten 2010 ihr Studium in Regelstudienzeit, also in sechs Semestern. Am langsamsten studierten Informatiker, Maschinenbauer und Elektrotechniker – nur die Hälfte aller Bachelorstudierenden in diesen Fächern schaffte es in der vorgegeben Zeit. Noch langsamer sind allerdings die traditionellen Diplomstudenten, zumindest die, die noch übrig geblieben sind: Nur 20 Prozent von ihnen schafften ihren Abschluss 2010 in Regelstudienzeit. Ob sich die Diplomis wirklich grundsätzlich mehr Zeit gelassen haben, kann man aus diesen Zahlen aber nicht herauslesen. Denn für die alten Studiengänge kann man sich an vielen Hochschulen schon seit einigen Jahren nicht mehr einschreiben, so dass in der Folge 2010 auch nicht mehr viele Diplomanwärter in Regelstudienzeit übrig geblieben sein können.  

Scheine
Ein Schritt in die digitale Zukunft: Universitäten haben die Papier-Schein durch Credit Points ersetzt, die nur noch elektronisch gesammelt werden. Viele zweifelten zu Beginn der Umstellung: „Lass dir lieber einen Schein ausstellen!“, hieß es. Inzwischen aber vertrauen alle der Technik.

Treppensitzen
Treppensitzer in Hörsälen werden unter Studenten als ziemlich cool empfunden. Sie kommen zu spät um als Streber zu gelten, aber noch pünktlich genug um einen Platz auf der Treppe zu ergattern. Unbequem haben sie es aber trotzdem. Viele Unis verbieten das Treppensitzen mittlerweile aus Sicherheitsgründen.

Umfrage
Deutsche Studenten sind zufriedener mit ihren Bachelor- und Masterstudiengängen, als oft behauptet wird. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte 2 000 Studenten, von denen zwei Drittel die Bedingungen als gut bis sehr gut bewerteten.

Vielfalt
Seit der Bologna-Reform gibt es eine Vielzahl neuer Studiengänge im deutschsprachigen Raum, darunter Advanced Materials & Processes, Coffee Management, TopMath oder MATILDA. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Name aus willkürlichen Anordnungen englischer Wörter bestehen, was zur Folge hat, dass niemand so recht versteht, worum es in dem Fach geht.

Wechsel der Universität
Der Bolognaprozess sollte den Wechsel des Studienortes vereinfachen. Durch die einheitliche Vergabe von Credit Points hätten die Studiengänge vergleichbarer werden können. Sogar einfache Anrechungen von Punkten aus einem Auslandssemester war angedacht. Leider haben sich viele Universitäten exotische Module ausgedacht, die mit anderen Universitäten nicht vergleichbar sind.

X-Chromosom
Weil immer mehr Frauen als Männer Abitur machen, werden einige Studiengänge zu Frauenfächern. 70% der Studierenden von Sprach- und Kulturwissenschaftler sind Frauen – und der Anteil wächst stetig. Sogar bei Mathematik und den Naturwissenschaften sind Frauen mit etwa 40 Prozent mittlerweile stark vertreten.

Y-Chromosom
Ein fast reiner Männerhaufen sind noch immer die Studiengänge für Ingenieurwissenschaftler. Nur jeder fünfte Platz wird von einer Frau besetzt – eine Veränderung ist nicht in Sicht.

Zukunft
Die Bachelor- und Masterstudiengänge werden noch immer reformiert und die Prüfungsordnungen ständig erneuert. Zukunftsaussicht: Die Renaissance des Diploms. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen seit 2010 wieder Diplome vergeben werden. Und an der FH Zwickau können Studienanfänger auch 2012 noch aus 15 Diplomstudiengängen wählen.
 
Dieser Text erscheint im Rahmen einer Kooperation mit der Deutschen Journalistenschule. Deren 50ste Lehrredaktion hat unter dem Titel Franz Josef ein junges politisches Magazin erstellt, das im September erscheint. Bis dahin kann man ihm auf Twitter, Tumblr und Pinterest folgen.

Die ursprüngliche Fassung dieses Textes enthielt leider einige Fehler und Ungenauigkeiten. Das tut uns leid, wir haben sie korrigiert. Die jetzt-Redaktion.

Text: hannah-loeffler - , Stefanie Fetz, Alexandra Reinsberg und Teresa Fries; Foto: Judywie / photocase.com