Fünf Lieder

Heute hat unser Berliner Pop-Korrespondent Jochen Overbeck mal in seine aktuelle Playlist geguckt und ein paar empfehlenswerte Stücke gefunden.
jochen-overbeck

Cults – Go Outside  
http://vimeo.com/26493844    

Ein bisschen irritierend ist das schon: Das Video zu „Go Outside“, dem an sich recht eingängigen Popsong des Brooklyner Duos Cults, bedient sich bei einem ziemlich grausamen Ereignis, nämlich dem „Jonestown Massacre“, einem Massenselbstmord einer Sekte, dem 1978 insgesamt 900 Amerikaner zum Opfer fielen. Popkulturelle Verwurstung von Nachrichtenvideos und privaten Super-8-Filmen, die aber durchaus klug und auch angemessen umgesetzt wurde: Regisseur Isaiah Seret arbeitete für den Clip mit einem auf den „Peoples Temple“ spezialisierten Historiker zusammen. 

   Oregon Bike Trails – High School Lover
   http://vimeo.com/19780418  

Auch Oregon Bike Trails arbeiten mit Footage – und zwar aus dem Hot-Rod-Film „Ingenuity In Action“. Schöne Sommerbilder aus den späten 50er-Jahren, die gut zum Sound der Band passen, die eigentlich eher ein Einer-Projekt ist: Zach Yudin heißt der Mann, der so hübsch Lofi-Pop, Beach Boys und Drumcomputer zusammenmixt. Seine Hobbys: Surfen, Rad fahren, mexikanische Küche. Mit dem möchte man rumhängen, zumal er in Santa Monica lebt, wo man das recht gut kann. 

 The Touch – Sermon
   http://vimeo.com/26256180 

 Okay, spielen wir Hipster Bingo: Die nächste Band stammt aus Schweden, veröffentlicht beim übercoolen Kitsuné-Label und zeigt im Video zu „Sermon“ einen erschreckend hübschen jungen Mann, der zunächst einen wahnsinnig arty-farty Anhänger mit Pferd und Kordel und später nicht besonders viel trägt. Dazu klöppelt es total kontemporär, aber durchaus angenehm herum. Demnächst vermutlich bei der Modeschau vorne am Eck.    

Drake – Marvins Room
  http://vimeo.com/25695775  

Beruflich läuft es bei Drake ganz gut. Und schaut man sich das Video zu „Marvins Room“ an, kommt man nicht umhin festzustellen: Auch das Privatleben gestaltet der Kanadier sich ganz angenehm. Dicke Wagen, schnieke Clubs, teure Kleidung, Champagner-Saufen mit den Jungs. Und natürlich ordentlich Geschlechtsverkehr: „I’ve had sex four times this week“, singt er da nämlich. Hilft aber alles nix, weil: Die Dame, die er liebt, macht mit einem anderen rum. Bester Jammer-Soul-Song seit mindestens zwei Jahren. Das zugehörige Album soll im Oktober erscheinen. Angeblich auf der Gäste- bzw. Produzentenliste: DJ Premier, Jamie XX, Florence & The Machine und The Neptunes.      

Noah & The Whale – Life Is Life 

 http://vimeo.com/25412844   

Achtung, nicht mit dem beinahe gleich betitelten Opus-Hit verwechseln, auch wenn sich die beiden Bands einiges teilen, etwa einen starken Hang zum Pathos. Noah & the Whale, ürigens Keimzelle der ebenfalls recht großartigen Laura Marling, zeigen, dass sie den perfekten Popsong aus dem Effeff beherrschen. Dieser clever gesetzte Synthie! Dieses nach knapp eineinhalb Minuten einsetzende Klavier. Dieser Chor. Und über alldem mit Charlie Fink ein Frontmann, dem man alles abnimmt. Klar, groß sind die schon. Aber würde mich gar nicht wundern, wenn die mit der nächsten Platte riesengroß werden.   

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