Fünf Songs für den Wochenstart

"Mit Blut fange an, mit Blut höre auf!" Alte Regel unter Medienmachern. Genial berücksichtigt in den Fünf Songs für den Montag - unter anderem mit einem schießwütigen John C. Reilly. Und Noel Gallagher mit Rollschuhen.
jakob-biazza

Mr. Oizo – Ham http://vimeo.com/112974995 Dass ich mich mal über was von Mr. Oizo freuen würde – puh: Hätte ich bis gerade eben viel Geld drauf gesetzt, dass das niemals passieren wird. Aber mal ehrlich: John C. Reilly als fett- und chilly-saucen-triefender White-Trash-Irrer. Da kann man doch jeden Vorsatz über den Haufen schießen. Musik läuft in dem Clip vermutlich auch. Die hat nicht groß gestört. Das spricht für sie!
Noel Gallagher – Do The Damage http://vimeo.com/112145472 Ich wollte diesen Song schon beiseite legen und nach etwas jüngeren Protagonisten für die Fünf Songs suchen. Dann lief „Do The Damage“ eher reflexhaft noch drei/vier Runden im Hintergrund. Und plötzlich war da wieder dieses Noel-Gallagher-Phänomen, das mich schon beim letzten Album seiner High Flying Birds übermannt hat: Bläst dich beim ersten Hören so gar nicht weg, aber irgendwas juckt im Belohnungszentrum – ganz sanft nur. Aber spürbar. Irgendwas sagt: „Hör noch mal. Hör genau hin.“ Und zack: Lieblingsalbum. Und nach der fünften Schleife hat mich auch dieser vermaledeite Song erwischt. Das Album kommt erst im März. Wilco – Blasting Fonda http://soundcloud.com/nonesuchrecords/wilco-blasting-fonda In seinen schlechteren Momenten sieht Jeff Tweedy ja immer etwas aus, als hätte Neil Young ein Kind mit einer Vogelscheuche gezeugt – was etwas verwirrt, weil er in den besseren eigentlich ein hübsches Kerlchen ist. Jedenfalls haben wir das große Glück, dass stimmlich die Gene der Scheuche überwiegen. Und beim Melodiegefühl der Papa. Tweedy kann uns mit Wilco und diversen Soloprojekten also viele dieser leicht verschrobenen, aber im Kern eben doch immer noch ganz wunderbar schwelgenden Songs bescheren. Songs wie „Blasting Fonda“, ein Stück wie ein angenehm bekiffter Walzer auf einem nebligen Platz in – zum Beispiel jetzt – Paris oder einer anderen Stadt, die auch in grau noch toll aussieht. Und wenn ihr jetzt sagt: Moment mal, ist ja gar nicht neu, war doch schon im Film „Feeling Minesota“! Dann sagen wir: Stimmt! Ist aber gerade neu herausgekommen. Und zwar auf "Alpha Mike Foxtrot: Rare Tracks". Der Name erklärt, was da drauf ist. Und dazu gibt es noch Live-Kram, den man auch nicht kennt. Außerdem freue ich mich privat gerade sehr, dass auch ein Tweedy beim Komponieren ein bisschen einen umgeschrieben hat ... Deichkind – So ne Musik http://www.youtube.com/watch?v=mdIP3hyxi3k&feature=youtu.be Vor ein paar Tagen hat Nadja über die Giffisierung der Pop-Kultur geschrieben. Und wie um ihre These zu beweisen, haben Deichkind Freitagmittag dieses buntschwirrende Video hochgeladen, aus dem man aus der Hüfte direkt zehn Gifs rausloopen könnte. Musikalisch ist das schwer neblige Synthie-Gewaber etwas die Rückkehr zum früheren Sound der Hamburger, die – wie sie mir mal erzählt haben – eher aus Versehen vom Hip-Hop zum Krawall-Techno-Rap gewechselt sind und damit ihre Karriere gerettet haben. Außerdem freue ich mich privat gerade sehr, dass auch die Generalästheten beim Videodrehen ein bisschen ein Busta-Rhymes-Video umgefilmt haben ...
Clipping. – Get Up http://www.youtube.com/watch?v=gTPWY8MMGOk Dieser Song ist etwas der Rahmenhandlung geschuldet: „Mit Blut fange an und mit Blut höre auf“ – zumindest, wenn du nix mit Babys, Sex oder Wurst hast, ist schließlich eine alte Regel unter uns Medienmachern. Außerdem muss man sagen, dass Daveed Diggs schon ein paar abartig flotte Reime über dieses Nerv-Gefiepe der Experimental-Hip-Hopper aus Los Angeles legt. Ach so: Falls du hoffst, der Song würde irgendwann während der gut drei Minuten weniger anstrengend, müssen wir dich enttäuschen. Der zerfiept dir das Hirn bis zum Schluss. Viel Spaß!

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