Fünf Songs fürs Wochenende

Peter Doherty macht Drogenprävention und Deichkind kopieren sich selbst. Und um die Verwirrung zu komplettieren, klingen die Münchner der Musikszene plötzlich auch noch nach weiter Welt.
jakob-biazza

Peter Doherty – Flags Of The Old Regime
https://www.youtube.com/watch?v=WSo6mE3WDjs&feature=youtu.be

Man muss da auch mal ehrlich sein. Privat war es für mich bei Pete (und auch bei Peter) Doherty immer eher so, dass ich dachte: Heroin nehmen kann er eigentlich doch besser als Musik schreiben. Ich kann die Wirkung nachvollziehen, die er mit diesen traurig leeren Rehaugen auslöst. Weder Babyshambles noch Libertines haben bei mir aber emotional sehr tief gerührt. Jetzt hat der Kollege H. eben dieses neue Teil geschickt, das der Barde Amy Winehouse gewidmet hat, beziehungsweise ihrer Anti-Drogen-Foundation, an die auch die Einnahmen gehen. Und mit dem Song hat es jetzt auch bei mir etwas geschnackelt. Die Lakonie, mit der er dieses „I don’t want to die any more/any more than I did wanna die before“ rauslässt, diese Haltung von „Das muss jetzt nicht die schönste Melodie der Welt werden, aber wir wissen doch alle, dass sie ziemlich schön wird“, das hat ja doch fast alles, was Rock’n’Roll in seinen gefühligeren Momenten braucht. Wenn er nicht peinlich werden soll.

Deichkind – Denken Sie groß
https://www.youtube.com/watch?v=cnEQja0jBXs

Dafür muss man hier wohl auch andersherum ehrlich sein: Deichkind haben sich in den vergangenen Jahren ja durch brutalstmögliche künstlerische Selbstzerlegung und Neuzusammensetzung ausgezeichnet. Vom Rap über Spaß-Krawall-Techno-Dadaismus zum brachial-feinsinnigen Zeitgeist-Seismografen. Das schafft eine ganz eigene Norm. Und zieht man die heran, wird man vielleicht etwas enttäuscht sein, dass die Hamburger bei „Denken Sie groß“ eigentlich nur den Ideen-Teebeutel von „Bück dich hoch“ noch mal in heißes Wasser gehängt haben, um noch etwas Geschmack rauszuwaschen. Das ist alles wieder mit etwas mehr Rap-Aroma versetzt und außerdem gibt es ein Gitarrensolo, das Jennifer Batten persönlich eingefiedelt haben könnte, seit sie nicht mehr für Michael Jackson im Studio stehen muss. Alles gut also. Album erscheint kommenden Freitag – und da sind schon ein paar schöne Sachen drauf.

Jesper Munk – Courage for Love
https://www.youtube.com/watch?v=MACOc_q2J0g#t=47

Hier müsst ihr jetzt mal ehrlich sein: Wenn wir Jesper Munk nicht immer mal wieder mit einem gerüttelt Maß an Lokalpatriotismus feiern würden, wenn ihr also einfach so aus dem Nichts dieses krächzig-beißende Bluesrock-Brett vors Hirn geballert bekämt: Wo würdet ihr’s geografisch verorten? Wirklich in München, Oberbayern? Oder vielleicht doch eher Detroit, New York, Memphis? Eben!

Und deshalb haben wir auch keine Skrupel, gleich noch two of our very own nachzuschießen.

Das Weiße Pferd – Teutsche Machos
https://www.youtube.com/watch?v=h--7HWEBFNI

„Musik der Stunde“ hat das Feuilleton der SZ gerade geschrieben. Und der Kollege H. – derselbe H. übrigens, der den Doherty geschickt hat – hat etwas gestutzt. Und dann gesagt: „Einer von denen hat vor einem halben Jahr noch meinen Schrank aufgebaut.“ Das zeigt, wie nah dein jetzt.de am Puls ist. Deshalb können wir hier auch ganz entspannt noch „Teutsche Machos“ nachliefern und sagen: Hört euch dringend dieses zickige, großmäulige Stück Pop-Gezeter an. Hilft gegen traniges Hirn, eingeschlafenes Tanzbein und Pegida-Frust.

Columbus - Microcosm Romantronik
https://www.youtube.com/watch?v=rdf1Pk7vUv8

Und wenn’s dann nach der gelobten Stunde doch etwas nervt, das Gezecke und Gezicke, dann wechselt ganz schnell noch zur zweitjüngsten und vielleicht sogar allerbesten Neuveröffentlichung aus dem Hause Schamoni. Setzt ganz große Kopfhörer auf, flauscht euch in die wattig-weichen Soundwolken der Münchner und schlaft auf denen am besten gleich ein paar Tage durch. Danach wieder hier melden. Dann gibt’s Nachschub.

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