Fünf Songs spezial - DJ-Mixes für den Donnerstag

Was ist besser als fünf Songs? Fünf Mixtapes. Heute mit dem Caribou-Schlagzeuger, alten Disco-Bekannten aus den 90ern und vielen funkelnden B-Seiten.
jan-stremmel
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Illustration: Julia Schubert



Das hätte anno 1995 auch niemand geglaubt: Dass fünf junge Briten mit dem Bandnamen „Crazy Penis“ überhaupt je mehr verkaufen würden als ein paar gewitzte Band-T-Shirts. Erst recht nicht, dass sie in der hektischen Elektro-Branche fast 20 Jahre lang vorne mitmischen würden. „Crazy P“, wie sie inzwischen heißen, tun aber genau das, zuletzt 2011 mit einem feinen Album - nochmal meine Lieblingsnummer davon. Die Albumproduktion scheint im Hause Crazy P aber eher eine Randbeschäftigung zu sein. Die meiste Zeit sind die Bandmitglieder nämlich mit dem Plattenkoffer unterwegs. Vor ein paar Wochen bespielten sie eine der ruhmreichen „Boiler Room“-Partys in London – und just von diesem Abend ist ein wunderbar schlackernder Disco-Mix überliefert. Lieblingsstelle: Die 40 Sekunden ab Minute 24:00.

http://soundcloud.com/platform/crazy-p-45-min-boiler-room-mix


Zugegeben, dieser Mix hat schon ein paar Monate auf dem Buckel, wurde aber für mein Empfinden noch immer nicht von so vielen Menschen gehört, wie er es verdient hätte: „Pick a Piper“ ist ein Projekt von Brad Weber, der hauptamtlich bei Caribou Schlagzeug spielt. Natürlich baut dieses Detail im Lebenslauf erstmal gipfelhohe Erwartungen auf, aber der gute Herr Weber dreht uns geschickt eine Nase, indem er eine Stunde lang ausschließlich Musik mischt, die wir als mitteleuropäische Konsumenten nun wirklich nicht erwartet hätten: fetzigen afrikanischen Rumba und Ethno-Jazz, der einen sofort dazu veranlasst, heimlich Flüge an die Elfenbeinküste zu checken. 

 http://soundcloud.com/pickapiper/african-dj-mix 


Liebhaber von anspruchsvoller elektronischer Tanzmusik haben Aeroplane natürlich schon längst auf Soundcloud abonniert – zur Erklärung für alle Late Adopter: Der monatliche Mix des Belgiers ist so etwas wie ein Steinbruch für DJs auf der Suche nach nagelneuen, extravaganten Nummern für den nächsten Samstagabend. Das aktuelle Set ist wie immer zu mindestens einem Fünftel ausgesprochen schrill und merkwürdig, sorgt aber erfahrungsgemäß auf jeder WG-Party dafür, dass alle zehn Minuten jemand zum Laptop rennt, um sich einen Titel zu notieren.

  http://soundcloud.com/aeroplane/aeroplane-march-2013-mix    


Der warme Soulpop von Rhye eignet sich für den Tanzgebrauch erstmal überhaupt nicht – umso gespannter war ich deshalb, was die beiden Kalifornier unter „a mix for the lover's dancefloor“ verstehen, den sie zeitgleich zu ihrem Album vor zwei Wochen im Netz veröffentlicht haben. Und siehe da: Ein funkelndes Gemisch aus Softpop-B-Seiten und Disco-Edits, wie man sie außer in diesem Mix vermutlich nur in der zweithintersten Ecke eines schrulligen Plattenladens in San Francisco findet. Leider nur über diesen Link erreichbar.   


Was hören eigentlich House-Produzenten nach Feierabend? Telonius vom Münchner Label Gomma strickt jedenfalls ziemlich spannende 60erjahre-Platten aus Bolivien, Italien und Indien zu einem bunten Schal aus psychedelischer Popmusik, hossa! 

http://soundcloud.com/gomma/gomma-podcast-89-selectio     

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