Geheimes Gesetz (14): Immer Ärger mit der Buchse

In dieser Kolumne widmet sich Friedemann Karig den ungeschriebenen Regeln des Alltags. In dieser Folge geht es um das große Leid beim Einrichten eines Internetanschlusses.
friedemann-karig
Default Bild

Illustration: Julia Schubert


Das Gesetz: Die Installation oder Ummeldung eines Internet- und/oder Telefonanschlusses muss ein langer, schmerzhafter Prozess sein. Nichts darf auf Anhieb funktionieren.    

Die sogenannten Sozialen Medien machen Emotionen sichtbar. Freude und Stolz, vor allem aber Wut und Ärger werden in die Netzwerke hinaus geschrien, auf dass möglichst viele Kontakte sehen, wer einen so bitterlich gefoppt hat. Es ist die Ironie des Digitalen Zeitalters, dass Telekommunikationstechnik meist benutzt wird, um deren Anbieter zu beschimpfen. Besonders gern verflucht wird das Geheime Gesetz: Kein Internet-/Telefonanschluss darf auf Anhieb und ohne großen Ärger funktionieren. 

Diese Anschlüsse sind die Weisheitszähne des Kommunikationszeitalters: Jeder hat eine Leidensgeschichte. Nur wer gar keinen besitzt, geht schmerzfrei aus. Jede Installation oder Ummeldung muss ein langwieriger, schmerzhafter Prozess sein. Viele Fehlerquellen warten darauf zu nerven: Falsche Adresse hinterlegt, Leitung noch nicht freigeschaltet, Kundendaten unvollständig, Techniker nicht verfügbar. Was auch immer angeblich geschehen sollte, um das Problem zu beheben – letztlich geschieht nichts. In Erwartung von Hilfe wendet man sich törichterweise an die vorgesehenen Stellen. Und lernt: Hotlines sind keine Hilfe, sondern zeittötende Folter.  

Unerträgliche Wartemelodien münden meist in Ansagen, dass momentan niemand Zeit hat. Erreicht man einen Service-Sklaven, agieren diese wie Agenten einer dunklen Macht: doppelzüngig, boshaft, destruktiv. Zuerst muss man einem denkbar unfreundlichen oder zumindest unfähigen Angestellten des gesichtslosen Konzerns sein Problem schildern. Man darf von diesem Ansprechpartner nicht erwarten, dass er mit dem Kollegen, der letzte Woche zuständig war, auch nur kleinste Informationspartikel austauscht. Die Monologe des Bittstellers werden zum sprichwörtlichen Sprung in der Platte, wenn er sein Problem wieder und wieder neu schildern muss, weil Kommunikation, sowohl direkt als über die Datenbanken der Firmen, verboten ist. Schnell landet man in der nächsten Warteschleife. Denn niemals kann derjenige helfen, mit dem man aktuell redet. Bemüht sich doch einmal ein menschliches Gegenüber zu einer konkreten Antwort, sollte man ihm nichts glauben. Denn die eigentliche Aufgabe der Angestellten scheint darin zu bestehen, arglose Anrufer in Schleifen zu verwickeln, noch einmal eine Adresse anzugeben, noch einen Termin für den Techniker auszumachen, noch einmal zu warten. Bis sie ihr Anliegen aufgeben und niemanden mehr damit belästigen. In den Filialen das Gleiche: Niemand scheint mit irgendeiner Kompetenz ausgestattet, die über teure Neu-Verträge hinausgeht. Kafkaeske Sackgassen, wohin man sich wendet, vgl. Asterix erobert Rom, Stichwort: Passierschein A 38.  

Es ist ausnahmsweise offensichtlich, was dieses Gesetz bezwecken soll: Wenn niemand mehr Internet oder wenigstens Telefon hat, kann auch keiner dessen Anbieter digital kritisieren. Ärger und Wut verhallen dann ungehört an analogen Stammtischen. Texte wie diese kann niemand mehr lesen. Wenn sie so weiter machen, haben die Telekommunikationsunternehmen bald endlich Ruhe vor ihren Kunden. 



Text: friedemann-karig - Illustration: Katharina Bitzl

  • teilen
  • schließen