Schauspielerin Alyssa Milano, bekannt aus „Charmed“, engagiert sich schon länger politisch, hauptsächlich für Frauenrechte.

Schauspielerin Alyssa Milano, bekannt aus „Charmed“, engagiert sich schon länger politisch, hauptsächlich für Frauenrechte.

Foto: AFP/ Valerie Macon

Es ist etwa ein Jahr her, dass die Schauspielerin Alyssa Milano twitterte: „Me too“. Noch im gleichen Tweet bat sie Frauen, dasselbe zu tun, wenn auch sie Opfer sexueller Belästigung oder Gewalt geworden seien. Milano wollte so sichtbar machen, wie häufig sexuelle Übergriffe tatsächlich stattfinden.

Dass ihr Aufruf ein Erfolg war, dürfte inzwischen jedem bewusst sein, der das vergangene Jahr nicht in vollständiger Isolation verbracht hat: Der Hashtag #MeToo ist einer der bekanntesten weltweit, die dazugehörige Bewegung kämpft weiter gegen übergriffige Männer. Viele, Männer und Frauen, kritisieren die Bewegung aber auch – oft genug mit der Frage, ob man denn nun gar nichts mehr dürfe, oder dem Versuch, betroffene Frauen als Lügnerinnen darzustellen.

Gerade argumentiert US-Präsident Donald Trump ähnlich: Derzeit werden Missbrauchsvorwürfe gegen Brett Kavanaugh, Trumps Richterkandidaten für den Supreme Court, diskutiert. Am vergangenen Freitag zweifelte Trump öffentlich die Glaubwürdigkeit des Opfers an: Er twitterte, dass Christine Blasey Ford, die die Vorwüfe erhoben hatte, doch wohl sofort Anzeige erstattet hätte, sei der Übergriff tatsächlich so schlimm gewesen, wie sie heute behauptet.

Prompt meldete sich daraufhin Alyssa Milano zu Wort – und das wenig freundlich gegenüber dem Präsidenten: „Hey, Trump, hör verdammt nochmal zu!“, schreibt sie. „Ich wurde zweimal sexuell missbraucht. Einmal als ich ein Teenager war. Ich habe den Vorfall nie der Polizei gemeldet und es erst 30 Jahre später meinen Eltern erzählt.“

Für vox.com erklärte sie außerdem ausführlich in einem Essay, was Frauen davon abhält, sexuelle Übergriffe sofort anzuzeigen: „Wir wissen einfach zu gut, dass unsere Geschichte selten ernst genommen und geglaubt wird. Und dass, solange es um sexuelle Übergriffe geht, unser Justiz-System am Boden liegt.“ Was Christine Blasey Ford gerade passiere, zeige ja, dass die Albträume der schweigenden Opfer Realität sind: Sie werde als Lügnerin abgestempelt und gehasst, bekomme Morddrohungen, nur weil sie den Mut hatte, die Wahrheit zu sagen.

Wie sie es vor einem Jahr schon gemacht hatte, rief Milano auch nun wieder Opfer sexuellen Missbrauchs auf, sich unter dem Hashtag #WhyIDidntReport zu äußern, wenn sie etwas zu dem Thema sagen wollen.

Daraufhin meldeten sich Zehntausende Twitter-Nutzerinnen. Viele erzählten von sexuellen Übergriffen und warum sie die Vorfälle nie gemeldet haben.

Viele erklären, dass sie es als sehr demütigend empfunden oder es nicht ausgehalten hätten, über die schreckliche Erfahrung sprechen zu müssen. Oder dass sie, wenn sie doch darüber sprachen, oft nicht ernst genommen oder gar selbst als die Schuldige hingestellt worden seien.

Einige Frauen schrieben auch, dass sie sich nicht mehr an ihren Vergewaltiger erinnern könnten – sie seien so schwer traumatisiert, dass ihr Gehirn das Ereignis verdrängt habe. Die Erinnerung käme erst viele Jahre später langsam wieder zurück.

Ob Trump und andere #MeToo-Kritiker all diese Erfahrungen und Erklärungen überhaupt an sich ranlassen wollen, muss vermutlich bezweifelt werden. Allerdings könnte diesem Nachfolger-Hashtag ja vielleicht ähnliches gelingen, wie #MeToo zuvor: zumindest bei manchen Menschen mehr Verständnis für die Opfer zu schaffen.

lath

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