Weißes oder blaues Kleidchen, Schürze, dazu eine kecke Mütze – dieses Klischee einer „Krankenpflegerinnen“-Uniform hält sich hartnäckig, ist beliebtes Kostüm zu Karneval und auch in vielen Sexshops zu finden. Dass das Outfit nicht der Arbeitsrealität des 21. Jahrhunderts entspricht, weiß jeder Mensch, der in den vergangenen Jahren mal im Krankenhaus war.

Mancherorts ist diese Arbeitsrealität aber wohl nicht angekommen. Das bekommt die Krankenpflegerin Jessica Anderson gerade bitter zu spüren. Sie lief am 28. April den London Marathon – und zwar in drei Stunden, acht Minuten und 22 Sekunden. In der Guinnes-Buch-der-Rekorde-Kategorie „Marathon gekleidet als Krankenpflegerin“ war so schnell noch niemand vor ihr einen Marathon gelaufen.

Eigentlich wäre ihr damit ein Platz im Guinness-Buch der Rekorde sicher. Das Problem: Anderson trug das, was sie normalerweise auf der Arbeit anhat – blaue Hosen und ein gleichfarbiges Shirt. Und das entspricht offenbar nicht den Kriterien des Guinness-Buches der Rekorde, dessen Definition einer Krankenpflegerinnen-Uniform irgendwo zwischen dem Rollenbild der 50er Jahre und sexualisierten Klischeebildern steckt: Kleid, Schürze, Mützchen. Deswegen lehnte die Organisation ab, ihr den Titel anzuerkennen.

„Einige der Pflegerinnen, mit denen ich zusammenarbeite, tragen Kleider, aber die meisten tragen Hosen“, so Anderson gegenüber dem Magazin Runner’s World. Sie fände es schön, wenn die Organisation ihre Kriterien überarbeiten würde, anstatt alte Geschlechterklischees zu fördern.

Und sie bekommt auch auf Twitter viel Unterstützung. Unter dem Hashtag #WhatNursesWear machen Menschen ihrem Ärger über die Entscheidung des Guinness Buch der Rekorde Luft und teilen Fotos von ihrer Berufskleidung als  Krankenpflegerinnen und -pfleger.

Und vielleicht sieht es im kommenden Jahr ja auch auf der Marathon-Strecke anders aus: Aufgrund der Proteste hat die Organisation angekündigt, die Kostümvorgaben zu überdenken. „Wir nehmen das sehr ernst“, heißt es in einem Statement.

soas