Im Roman „Moxie“ kämpft eine Schülerin gegen den Sexismus an ihrer Schule

Die Autorin erklärt, warum es heutzutage besonders wichtig ist, Feministin zu sein.
Von Maike Frye
Foto: Arctis Verlag

Die Schülerin Vivian kann die offensichtliche Benachteiligung ihres Geschlechts in der Schule nicht mehr ertragen – weder die sexistischen Kommentare der Jungs, noch das Verhalten der Lehrer, die nichts dagegen unternehmen. Auch die Kleiderordnung an der Schule scheint nur für Mädchen zu gelten. Es reicht.

Zum Glück findet Vivian alte Flyer aus der Zeit, in der ihre feministische Mutter noch ein Punkrock-Riot-Grrrl war. Sie beschließt, nicht länger den Mund zu halten. Heimlich druckt sie ihren eigenen Flyer unter dem Titel „Moxie“, einem alten englischen Wort für „frech“ oder „kühn“. Darauf prangert sie die Zustände in der Highschool an, verteilt ihn in den Fluren – und stößt damit eine feministische Revolution an, der sich immer mehr Mädchen anschließen.

Das ist der Plot des Jugendromans „Moxie“, der bereits in den USA und Großbritannien ein großer Erfolg war. Dort verkaufte sich das Buch jeweils mehr als 20.000 Mal. Das TIME-Magazine nahm den Roman außerdem in sein Ranking der zehn besten Jugendromane des Jahres 2017 auf. Am 31. August 2018 erscheint „Moxie“ nun auch auf Deutsch im Arctis Verlag.

Die 41-jährige Autorin Jennifer Mathieu  aus Texas war früher selbst großer Fan der Riot Grrrls und lernte dank der Punkrock-Band schon in jungen Jahren einiges über Feminismus. Mit ihrem Buch möchte sie eine klare Botschaft verbreiten: „Ich möchte meinen Lesern zeigen, dass Feminismus kein böses Wort ist, sondern eine wunderbare Sache. Schließlich geht es um die Befreiung von den Geschlechterrollen, die uns von der Gesellschaft auferlegt werden.“

Die Autorin erlebte als Schülerin selbst Sexismus

In ihrer eigenen Schulzeit hat Jennifer selbst Sexismus erlebt und diese Erfahrungen in ihr Buch mit einfließen lassen. „In der Schule hatte ich eine Diskussion in der Klasse, bei der es darum ging, dass eine Militärakademie keine Frauen aufnehmen wollte. Das wollte ich so nicht hinnehmen und argumentierte, weshalb das falsch war. Danach nannte mich mein Lehrer ‚Feminazi‘. Erst später habe ich das Ausmaß dieses Wortes und den Bezug zum Feminismus verstanden. Mein Buch ‚Moxie‘ habe ich diesem Mann gewidmet.“

Der Erfolg von „Moxie“ zeigt, dass Sexismus nach wie vor ein großes Thema ist. Auf moxiegirlsfightback.com, dem Blog zum Buch, kann man nachvollziehen, wie der Roman auf junge Leserinnen wirkt. „Eine starke, provokative Geschichte über Feminismus und den Mut, sich zu wehren“, schreibt zum Beispiel die 17-jährige Addie. „Moxie ist wunderschön geschrieben und absolut relevant für die heutige Zeit. Das Buch wird die Menschen dazu inspirieren, sich für das einzusetzen, was richtig ist.“ Doch nicht nur die junge Leserschaft ist begeistert: Die amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Amy Poehler soll sich sogar schon die Filmrechte gesichert haben.

Um noch mehr jungen Menschen zu zeigen, wie wichtig Feminismus ist, leitet Jennifer als Lehrerin nun einen Feminismus-Club an ihrer Schule. Dort diskutiert sie mit ihren Schülern über Sexismus und die Rechte von Frauen. Dabei macht sie klar, dass Frauen keineswegs versuchen, zusätzliche Rechte zu bekommen. Es gehe vielmehr darum, die Rechte zu erhalten, die sie verdienen. Im Vergleich zu ihrer Jugend bemerkt sie eine Veränderung bei der heutigen Schüler-Generation: „Ich sehe jetzt mehr junge Frauen, die bereit sind aufzustehen und zu sagen: ‚Nein. Das ist nicht in Ordnung.‘ Es ist schön zu sehen, wie sich die Mädchen für ihre Rechte einsetzen, auch, wenn längst noch nicht alles gut ist.“

„Informationen über seinen Körper zu bekommen ist auch feministisch“

Um Sexismus bereits in der Schule zu verhindern, sei es wichtig, das Lehrmaterial immer aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, sagt Jennifer. Deshalb fragt sie ihre Schüler dann beispielsweise, welche interessanten weiblichen oder auch dunkelhäutigen Charaktere in dem Buch vertreten sind. „Als Lehrer ist es unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass unser Lehrplan auch die reale Welt abbildet“, erklärt sie. Außerdem müssten Schulen für Mädchen sicherer gemacht werden, um sie vor Belästigung zu schützen, und auch der Sexualunterricht sollte in den USA ausgeweitet werden: „Denn Informationen über seinen eigenen Körper zu bekommen, ist auch feministisch.“

Zugleich sucht die Lehrerin auch immer das Gespräch mit den Jungen an ihrer Schule. „Ich erkläre, dass auch sie mit Rollenklischees zu kämpfen haben. Von ihnen wird erwartet, nie zu weinen oder eine Sportskanone zu sein. Dann sage ich: Feministinnen kämpfen auch für dich. Feminismus ist für alle da.“ Das mache die Jungen für Feminismus offen, sagt sie. Und gerade in der heutigen Zeit sei dies besonders wichtig. Dafür müsse man sich nur die Politik anschauen – zum Beispiel Donald Trump, der Hillary Clinton schon im Wahlkamp hart anging, dann bei den Präsidentschaftswahlen besiegt hat und seitdem der Welt noch deutlicher zeigt, was er von Frauen hält. „Zu sehen, wie Trump Frauen behandelt, auch Frauen mit Macht wie Angela Merkel oder Theresa May, das fühlt sich nicht gut an. Wir machen gerade eine schwierige Zeit in diesem Land durch, besonders wir Frauen. Wir müssen weiter kämpfen“, sagt Jennifer.

Genau das tut auch Vivian im Roman „Moxie“. Sie erträgt die Zustände nicht stillschweigend, sondern steht auf, um gemeinsam mit den Mädchen ihrer Schule ein Zeichen zu setzen.

Mehr Feminismus:

  • teilen
  • schließen