Greta Friedmann war 21, als sie auf dem Times Square in New York stand, es war das Ende des zweiten Weltkriegs,der 14. August 1945. Sie kannte den Mann nicht, der sie plötzlich packte und auf den Mund küsste. Er hieß George Mendonsa und war Matrose. Mendonsa hatte ein paar Drinks intus, und er war in Feierlaune, denn der Krieg war vorbei. Niemand hätte von diesem Kuss erfahren, wenn der deutsch-amerikanische Fotojournalist Alfred Eisenstaedt nicht ein Bild davon gemacht hätte, das ein paar Tage später das Cover des Life Magazine wurde. „V-J Day in Times Square“ heißt es, und es wurde zum Symbol der Hoffnung, der Freude über das Kriegsende. Für viele Menschen, die die Geschichte nicht kennen, ist es auch einfach wahnsinnig romantisch.  

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Sieht romantisch aus. Der Kuss war aber nicht einvernehmlich. Diese Foto-Perspektive stammt von Navy-Fotograf Victor Jorgensen.

Foto: dpa

Jährlich findet am Jahrestag der Entstehung an der betreffenden Stelle eine Veranstaltung statt: In passender Verkleidung lassen sich Paare in der Pose der beiden Fotografierten ablichten. Auch künstlerisch wurde das Bild immer wieder verarbeitet, unter anderem in Sarasota in Florida steht eine Statue, die ein Abbild von Friedmann und Mendonsa verkörpert.

Doch nicht alle finden das Bild harmlos oder romantisch. Friedmann war mit dem Kuss nicht einverstanden, eigentlich ist die Tat nach heutigem Verständnis ein sexueller Übergriff, kein hübsch anzuschauender Moment der einvernehmlichen Freude zweier Liebender. Das wurde nach Mendonsas Tod am Dienstag immer wieder diskutiert. Diesen Worten folgten nun Taten: Auf die Statue in Sarasota, Florida haben Unbekannte am Dienstag den Schriftzug #MeToo gesprüht.  Mittlerweile wurde die Schrift schon wieder entfernt, es entstand ein Sachschaden von etwa 1000 US-Dollar.

soas