Geschäftsreise: Alle meinen Buchungen - unterwegs mit einem Politiker

Am Anfang heißt Reisen: Ab in den Urlaub! Mit den Eltern nach Italien, mit der Sprachschule nach England, mit Freunden zum Ski-Fahren - doch sobald man mit dem Arbeiten anfängt, kann Reisen auch zum Beruf werden. jetzt.de stellt im neuen Label Geschäftsreise junge Menschen vor, die beruflich viel reisen - und hier erzählen, was sie dabei erleben. Heute berichtet uns Ludwig Hartmann, 29, Diplom-Kommunikationsdesigner, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat Landsberg und Spitzenkandidat der Grünen Jugend für die Landtagswahl, wie es ist, die Politik und den Job unter einen Hut zu bringen. Meist reist er am Wochenende und meist mit der Bahn.
dana-brueller

Auf dem Meilenkonto Flugmeilen habe ich keine. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch der Bahn eine Art Meilen. Wenn man für mehr als 2000 Euro im Jahr Bahntickets kauft, kommt man in die glückliche Lage, echten Bahnkomfort zu genießen. Es ist ein bisschen wie am Flughafen: Ich darf in eine spezielle Lounge, wo es Internet und Freigetränke gibt und wo sich alle super um mich kümmern. Die Fortbewegungsmittel Meistens nehme ich die Bahn und manchmal das Flugzeug. Manchmal muss ich leider auch mit dem Auto fahren, weil ich in einer kleinen Stadt wohne. Der erste Regionalzug fährt leider zu spät los, als dass ich damit noch den ICE erreichen könnte. In solchen Situationen nehme ich dann das Auto. Inlandsflüge lehne ich ab. Ich bin noch nie innerhalb Deutschlands geflogen. Auch wenn ich von Berlin nach Nürnberg nach München muss, fahre ich mit der Bahn.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Mit dabei Ich reise eigentlich immer alleine. Im Gepäck Meistens nehme ich eine Umhängetasche mit, in der mein Powerbook und alle meine Ladegeräte dabei sind. Viele meiner Akkus halten nur einen Tag, deshalb schleppe ich immer die ganzen Kabel mit mir herum. Wenn ich länger als einen Tag unterwegs bin, habe ich einen Trolley mit zwei Hemden und zwei Hosen, Waschzeug und Zeitungen dabei. Unter der Woche komme ich wegen meines Berufes oft nicht zum Lesen, deshalb reiße ich mir dann interessante Artikel heraus und lese sie im Zug. Verhandlungssache Es gibt bei der Bahn immer in Nächten, in denen die Zeit umgestellt wird, Probleme mit den Buchungen. Man bekommt immer das Ticket für den falschen Tag, wenn man zum Beispiel 23.30 Uhr bucht. Außerdem verhandle ich öfter mit dem Personal, wenn der letzte Zug Verspätung hatte und der Anschlusszug schon abgefahren ist. Wenn man ein bisschen hartnäckig ist, zahlt die Bahn ein Taxi oder ein Sammeltaxi. Gar nichts mehr verstanden Einmal bin ich nach Wien gefahren und hatte mein Fahrrad dabei. Nachdem ich angekommen war, war es einfach verschwunden. Man teilte mir mit, dass man es an der Grenze ausgeladen hatte – einfach so! Das war mir sehr rätselhaft. Zum Glück wurde es mir am nächsten Tag gebracht. Ein anderes Rätsel: Wieso wird in den Zügen das Licht ausgemacht, sobald man mal zehn Minuten steht? Kein Schaffner konnte mir das bisher erklären. Schief gegangen Es kommt schon vor, dass der Zug Verspätung hat und ich deshalb meine Termine nicht einhalten kann. Mir passiert es auch manchmal, dass ich lese oder telefoniere und mich dann nur an der Uhrzeit orientiere und hastig aus dem Zug springe, weil ich denke, dass ich schon da wäre. Leider bin ich meist noch nicht da, sondern zu früh ausgestiegen, weil der Zug getrödelt hat. Die Lach- und Sachgeschichte Ich amüsiere mich öfters über Mitmenschen, die das erste Mal Bahnfahren und total verzweifeln, weil sie denken, dass acht Minuten Umsteigezeit in Freiburg nicht reicht.. Oder wenn sie ihren Sitzplatz nicht finden… Das ist ziemlich lustig, wenn man selbst ganz entspannt mit Laptop und Kaffee den Anderen beim In-Panik-Geraten zusieht. Ich finde, man soll das Reisen relaxed sehen. Die Bahn findet für jedes Problem eine Lösung. Manchmal dauert es nur länger. Zeit sparen Man kann die Züge meist so koordinieren, dass man nicht lange warten muss. Ich spare durch das Zugfahren Zeit, weil ich ja arbeiten kann, während ich reise. Fliegen wäre mir viel zu stressig. Lange Wartezeiten Ich versuche immer, meine Zeit sinnvoll zu nutzen, mit lesen und arbeiten. Es gibt auch oft Internet im Bahnhof, dann kann ich noch schnell meine E-Mails lesen. Ich rufe auch oft Leute an, bei denen ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe. Lange Wartezeiten im Zug, also wenn sich mal wieder jemand davor geworfen hat, finde ich nicht so schlimm und das Warten fällt mir nicht so auf. Ich hasse aber das Warten im S-Bahn-Bereich. Diese Bahnhöfe sind so furchtbar, meist gibt es nicht mal eine Toilette. Und um zehn Uhr abends wird einfach zugesperrt. Unkonventionelles Fortbewegungsmittel Dieses Sammeltaxi, das die Bahn bezahlt, wenn der letzte Zug Verspätung hat, ist oft skurril besetzt. Meist sind Künstler, die von einer Ausstellung kommen und Geschäftsmänner, deren Flug gecancelt wurde und die sich deshalb die ganze Zeit aufregen, drin.

Text: dana-brueller - Bild: oh

  • teilen
  • schließen