Geschäftsreise: Der Kabarettist mit dem tragbaren Drucker

Am Anfang heißt Reisen: Ab in den Urlaub! Mit den Eltern nach Italien, mit der Sprachschule nach England, mit Freunden zum Ski-Fahren - doch sobald man mit dem Arbeiten anfängt, kann Reisen auch zum Beruf werden. jetzt.de stellt im neuen Label Geschäftsreise junge Menschen vor, die beruflich viel reisen - und hier erzählen, was sie dabei erleben.
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Florian Schroeder, 28, ist Kabarettist. Dieses Jahr war er 186 Tage unterwegs.

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Illustration: Julia Schubert

Florian im Fernsehen: 23.02., 23.35 Uhr, SWR Auf dem Meilenkonto „Miles and More“ und dem ganzen Zeug entziehe ich mich immer noch. Dafür sammle ich Bahn-Komfortpunkte mit großer Begeisterung, weil man damit in die DB-Lounges darf. Die Bahn will ja so eine Art Lufthansa auf Rädern werden. Ich unterstütze das total, weil ich in den Lounges kostenlos im Internet surfen und Mails checken kann. Das Punktesammeln macht mir so viel Spaß, oft kaufe ich Fahrkarten für Reisen, die ich gar nicht antrete, nur weil ich wieder ein paar Punkte sammeln kann. Fortbewegungsmittel Fahrrad, Bahn und sehr viel Taxi. Deshalb mache ich mich auch für eine Taxiflatrate stark. Ich fahre so viel Taxi, das wäre für mich ideal. Monatlich gebe ich bestimmt 300 Euro aus nur fürs Taxifahren. Ich habe aber auch kein Auto, nicht mal einen Führerschein. Ich will insgesamt mit Autos und allem, was damit zu tun hat, nichts zu tun haben. Dann lieber noch mit Taxifahrern, die auf die Anweisung „Zum Hauptbahnhof, bitte!“, sagen, „Wo ist?“ Mit dabei Ab und zu ein Techniker, und sonst nur ich – das ist anstrengend genug. Im Gepäck Immer frische Unterwäsche, Bühnenklamotten, immer einen Laptop und neuerdings –ich bin sehr stolz darauf!- einen portable printer, wie wir coolen jungen Leute sagen. Ein kleiner tragbarer Drucker. Geht zwar ständig kaputt, aber wenn er funktioniert, ist er einfach toll. Für mich ist so ein technischer Quatsch sehr wichtig, weil ich damit meine Texte ausdrucken kann, die ich ja permanent ändere. Ich sitze dann in Theatergarderoben und muss mich nicht mehr drüber aufregen, dass hier schon seit Jahren keiner mehr feucht durchgewischt hat, ich habe mein mobiles Büro. Dafür kriegst Du in der Regel ungeheuren Respekt von Deinen Mitmenschen. Man ist nicht nur Künstler, sondern gleichzeitig auch noch Bürohengst, Journalist und Buchhalter. Kurzum: Ein Allrounder, wie er ins neue Jahrtausend nicht besser passen könnte: Von nix wirklich Ahnung, aber alles dabei. Diese Mischung kommt unglaublich gut an, vor allem bei Frauen. Verhandlungssache Ich neige unterwegs langsam zur Zickigkeit, wenn die Bedingungen nicht stimmen. Mein Programm ist technisch so simpel, dass ich erwarte, dass zehnmal „Start“ drücken am CD-Player auf ein verabredetes Stichwort kein Problem darstellt. Beim Catering dagegen bin ich harmlos, ein guter Italiener um die Ecke reicht mir. Gar nichts mehr verstanden Wenn der Veranstalter vor der Show sagt: „Wir haben schon mal Tische reingestellt, dann sieht's voller aus.“ Dann weißt Du: Heute wird´s mal wieder sehr familiär. Meist kommt dann aber gleich eine Begründung hinterher: „Heut', isch hier im Ort aber auch Jahrmarkt und im Ort nebenan spielen „Die Ärzte“. Des haben mir aber auch erscht geschtern erfahren.“ Dann fragst Du Dich: Wer hat hier eigentlich geplant? Schief gegangen Ständig geht was schief. Es ist natürlich nie meine Schuld. Ich verpasse Züge, weil sie zu spät sind und die Anschlüsse nie warten. Dann komme ich zu spät und der mobile Drucker streikt, ich war auch noch zu faul den Text zu lernen, weil ich dachte: „Ich kann ihn ja unterwegs ausdrucken“. Dann wünschte ich mir manchmal, ich wäre doch zur Bank gegangen. Lach- und Sachgeschichte Einmal, ganz am Anfang, bin ich von der Bühne gebuht worden. Das war brutal, bei einem meiner ersten Auftritte in einem Ufa-Kino. Man stellte mich da hin, es war eine Sneak Preview, und man sagte mir, da sitzen 700 unglaublich begeisterungsfähige Menschen. Als ich reinkam, war schon der Veranstalter nach einer Verlosung weggebuht worden und mit „Ausziehen!“-Rufen von der Bühne geflohen. Dann kam ich mit meiner Udo-Lindenberg-Parodie, dann flogen wirklich Dosen und ich musste mich durch den Notausgang quer durch das Publikum retten. Der Veranstalter sagte dann noch, es täte ihm schrecklich leid, aber so sei das mit den Sneak Previews, das seien die Leute, die nie ins Kino gehen, weil ihnen die üblichen 7 Euro zu teuer seien. Danach wollte ich für vier Wochen nie mehr eine Bühne betreten. Zeit sparen Das ist der Grund fürs Fliegen. Vor allem, wenn ich nur einen Off-Tag habe, und statt den Zug um elf morgens erst den Flieger um drei nehmen muss, um trotzdem noch pünktlich anzukommen. Wenn man nicht ständig Off-Tage in Deidesheim oder Butzebach verbringen will, geht es nicht anders. Lange Wartenzeiten Oh ja, ständig auf Bahnhöfen. Und komischerweise immer auf Bahnhöfen, auf denen man nicht sein will. Anderthalb Stunden Warten in Hamburg sind okay, da läuft man einmal die Herbertstraße rauf und wieder runter – und schon geht's weiter. Ich stehe aber vor allem in Herne. Oder in Gladbeck, weil ich den Anschluss nach Dorsten verpasst habe. Oder in Krefeld. Orte, in denen es nicht einmal eine Bäckerei im Bahnhof gibt, geschweige denn einen HotSpot oder eine DB-Lounge, um sich wenigstens die Bilder aus der Herbertstraße online angucken zu können. Ich wünsche mir, nur noch in Metropolen stecken zu bleiben! Unkonventionelles Fortbewegungsmittel Keine eigentlich. Ich nutze nur konventionelle Fortbewegungsmittel. Aber ich hätte gerne einen eigenen Hubschrauber. Das gefällt mir wahnsinnig gut, so Leute, die immer überall mit dem Hubschrauber hinfliegen. Stefan Raab fliegt ja auch nur noch mit dem Privatjet durch die Gegend. Ich bin da bescheidener. Mir würde ein Hubschrauber völlig reichen..

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