Geschäftsreise: Koch mit Soul

jetzt.de stellt junge Menschen vor, die beruflich viel reisen - und hier erzählen, was sie dabei erleben. Heute Nelson Müller, Sänger und Koch
hanna-vandervelden

Nelson Müller (www.myspace.com/nelsoul), 28, ist deutscher Soulsänger und Koch. Im Jahr fährt er rund 30.000 Kilometer mit dem Auto. Drei Wagen musste er sich deshalb in den letzten fünf Jahren anschaffen. Gebrauchte Autos natürlich, wie er betont.

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Illustration: Julia Schubert

Auf dem Meilenkonto Nee, so etwas habe ich nicht. Ich fliege auch nicht so oft und das Bahn fahren hält sich auch in Grenzen. Die Fortbewegungsmittel Ich fahre meistens mit dem Auto. Klar, manchmal nehme ich auch den Zug. Das ist angenehmer. Zum Beispiel, als ich bei Kerner in der Kochshow eingeladen war. Da bin ich dann auch noch von einem Chauffeur am Bahnhof abgeholt worden. Ich war zwei Tage dort und der Fahrer stand mir jederzeit zur Verfügung. Das war cool. Wir hatten auch mal einen Tourbus. Da ist dann der Tourmanager gefahren und ich konnte mich zurücklehnen, schlafen und Musik hören. Mit dabei Ich reise entweder alleine oder mit Tourmanager und Band. Im Gepäck Als Koch habe ich immer meine Kochjacke, Kochutensilien, meine Schürze und die scharfen Messer dabei. Dann natürlich noch CDs, mit denen ich mich auf meine Auftritte vorbereite. Ich bin da sehr oldschool. In letzter Zeit schleppe ich auch meine Gitarre überall mit hin. Das ist im Moment meine große Liebe. Ich versuche mich gerade einzuarbeiten, damit ich später Songs alleine mit der Gitarre performen kann. Das ist sozusagen meine neue Entdeckung. Einen Laptop habe ich noch nicht. Ich habe aber immer einen riesigen Koffer mit auf Reisen. Auch, wenn ich nur zwei Tage unterwegs bin. Ich packe einfach alles ein, weil ich mich nicht entscheiden kann. Das ist ein bisschen Panne, ich weiß. Der Koffer ist manchmal so schwer, dass ich ihn kaum mehr tragen kann. Verhandlungssache Ich hasse es, wenn die Veranstalter bei Soundchecks unfreundlich werden. Die wollen einfach nur den Job machen, ohne Liebe an der Musik. Die fahren nur ihr Programm und weil man kein Top-Act ist, wird man als unwichtig abgehakt. Normalerweise bin ich ein sehr freundlicher und ruhiger Mensch, aber wenn es mir dann zu viel wird, werde ich auch mal unfreundlich. Da gibt es auch nichts mehr zu verhandeln. Oft stehen dann zum Beispiel noch nicht einmal die Instrumente bereit, so dass man gar nicht mit den Proben anfangen kann. So was ist ärgerlich. Gar nichts mehr verstanden Da fällt mir spontan eine Geschichte ein, als ich in Holland unterwegs war. Ich habe gemütlich auf der Straße ein Bier getrunken. Plötzlich kam ein Typ in Uniform und hat mir so ein braunes Papier über die Flasche gestülpt. Mann, ich habe gar nichts mehr verstanden. Denn, wenn man an die Coffee Shops denkt, ist Holland ja eigentlich ein sehr liberales Land. Aber Alkohol auf öffentlicher Straße zu trinken ist anscheinend dann doch verboten. Ganz komisch war auch ein Konzert, wo plötzlich nur Punks waren. Keine Soulcrowd oder so was, nur Punks. Irgendwann habe ich ein ruhiges Lied gesungen und da standen vier Punks direkt vor der Bühne. Plötzlich haben sie angefangen herumzuspringen. Da war ich natürlich schon ein bisschen irritiert und verunsichert, weil ich ja nun mal ruhige Soulmusik mache. Das dann plötzlich nur Punks vor einem stehen, die nicht viel mit Soul am Hut haben, war schon etwas strange.


Schief gegangen Es gibt einen Song („Im Grunde meines Herzens“), wo der Keyboarder mir am Anfang immer einen Ton geben muss, damit ich richtig reinkomme. Bei einem Auftritt ist es dann plötzlich passiert: ich habe den Ton falsch getroffen und musste komplett improvisieren. Das war schon etwas peinlich. Einen anderen sehr komischen Auftritt hatte ich in Wien. Eigentlich war alles total super: wir hatten ein tolles Hotel und es war eine super Location. Aber die Leute da waren sehr verhalten. Da war gar nichts. Keine Reaktion. Da hatte ich schon fast das Gefühl, dass ich mich bei denen entschuldigen müsste. Die Lach- und Sachgeschichte Ich war einmal mit der Bahn unterwegs nach Schleswig-Holstein und wurde dann plötzlich von vier Polizisten aus dem Zug geholt. Die wollten mich gerade verhaften, als zum Glück ein fünfter Polizist dazu kam und nur meinte: „Nee, das ist er nicht“. Da war wohl eine große Fahndung und ich wurde verwechselt. Na ja, der Zug ist zum Glück nicht weitergefahren und ich durfte am Ende wieder einsteigen. Zeit sparen Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, versuche ich immer so wenig Pausen, wie möglich zu machen. Wenn ich müde bin, fahre ich kurz an den Rand. Ich versuche auch zu Zeiten zu fahren, wo nicht so viel los ist. Also meistens am Abend oder in der Nacht, wenn die Straßen leer sind. Im Jahr fahre ich rund 30.000 Kilometer. Innerhalb von fünf Jahren musste ich mir deshalb gleich drei Autos kaufen. Gebrauchte natürlich! Lange Wartezeiten Lange Wartezeiten gibt es immer bis zum Soundcheck. Auf Reisen kommt man natürlich auch manchmal in einen Stau, aber bisher hatte ich relativ viel Glück. Einmal sind zum Beispiel Schweine aus einem LKW herausgerannt und es hat sich, wie ich später gehört habe, ein Stau von über zwölf Stunden entwickelt. Ich hatte Glück, weil ich den Verkehrsfunk an hatte und so den Stau relativ zügig umgehen konnte. Das einzige Mal, wo es echt heftig war, war auf dem Weg zu einem Open-Air-Festival in Hannover. Von Essen bis Hannover braucht man normalerweise circa zwei Stunden. Wir haben drei Stunden gebraucht und unseren Soundcheck verpasst. An dem Tag war es auch noch total am Regnen. Als wir dann endlich abgehetzt ankamen, standen nur fünf Leute vor der Bühne, weil das Wetter so schlecht war. Das Konzert wurde abgesagt und wir durften wieder zwei Stunden zurück nach Essen fahren. Diesmal ohne Stau. Unkonventionelles Fortbewegungsmittel Bisher habe ich noch von keinem unkonventionellen Fortbewegungsmittel Gebrauch gemacht. So etwas wie einen Privatjet oder so brauche ich auch nicht. Ich mag Autos. Ich hätte, glaube ich, gerne mal so einen fetten US-Bus mit Wohnzimmer, Küche und TV. Dieses Gefühl von Freiheit hätte ich gerne. Das man einfach sagt: „Hey, komm wir fahren jetzt nach Frankreich.“ Damit ist man einfach überall zu Hause. So etwas würde mir gefallen.

Text: hanna-vandervelden - foto: www.musikfuermassen.de

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