Zeero, ich will ein Kind von dir!

Christian Nervegna alias Zeero ist zweifacher deutscher Beatbox-Meister. In unserer Kolumne "Geschäftsreise" erzählt er von seinen Reisen durch Deutschland, eindeutigen Avancen und Kindern, die ihn mit Sido verwechseln
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Mit seinen Lippen, Stimmbändern und der Zunge kopiert Zeero bekannte Beats und kreiert oftmals selbst ganz neue Drumsets und Sounds. Auch das Scratchen eines DJs kann er imitieren. Die meiste Zeit ist er in Deutschland unterwegs, tritt bei Meisterschaften oder Beatbox Battles an und wird bei großen Veranstaltungen als Showact gebucht.

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Illustration: Julia Schubert

Auf dem Meilenkonto Ich sammel keine Flugmeilen, da ich meistens innerhalb von Deutschland auftrete und deshalb auch mehr mit dem Auto oder der Bahn unterwegs bin. 2008 könnte das aber anders aussehen, da ich über einen Freund gute Kontakte in die USA bekommen habe. Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass ich öfter mal dorthin fliege, dann werde ich auf jeden Fall anfangen ein Meilenkonto zu nutzen. Die Fortbewegungsmittel Ich fahre entweder mit dem Auto oder mit der Bahn. Privat mehr mit dem Auto, die Bahn ist einfach zu teuer. Innerhalb von Berlin nutze ich oft die öffentlichen Verkehrsmittel, also die U-Bahn, wobei das auch unverschämt teuer geworden ist. Im Sommer ist immer noch das Fahrrad am Besten. Das ist sportlich, billig und umweltschonend. Mit dabei Mein eigenes Mikrophon. Ich hasse es, wenn ich mein Mic vergesse und das nehmen muss, was schon andere Personen vor mir benutzt haben. Oft dabei ist auch Beelow, ein guter Freund und Gründer des BeatboxBattleNetwork, und Onecs, mein MC von der Crew Styleticker, der dieses Jahr sein Soloalbum veröffentlichen wird. Und natürlich mein Violinen-Spieler P-RZM, mit dem ich eine neuartige und interessante Show aufführe. Im Gepäck Natürlich die richtige Kleidung, damit ich mich auf der Bühne wohl fühle. Caps sind meistens auch sehr wichtig und der Mp3 Player. Oft nehme ich auch Sportkleidung mit. Ich liebe Sport. Wenn es im Hotel eine Sportanlage gibt, dann nutze ich sie auch gerne. Das hilft sehr beim Entspannen und man wird die Anspannung vor großen Auftritten los. Ich werde in diesem Jahr auch meine eigene Sport-Kleidung produzieren. Ich habe auch öfter mal ein interessantes Buch mit im Gepäck. Ich halte viel von der Philosophie: trainiere Geist und Körper. Oder war es Körper und Geist? Natürlich auch Kondome, denn man weiß ja nie, wem man so auf seiner Reise begegnet. Verhandlungssache Ich habe mich wirklich von einem kleinen Act zu einem immer größeren Beatboxer durchgeschlagen. Ich habe oft erlebt, dass man schnell als unwichtig angesehen wird, bloß weil man nicht der Hauptact ist. Ich habe mich aber einfach nie schlecht behandeln lassen. Einmal in Hamburg sollte ich ein Hotelzimmer bekommen und wurde dann einfach in eine Jugendherberge mit acht oder neun anderen Personen in ein Zimmer gesteckt. Das Zimmer war schmutzig und die besoffenen Idioten, die spät in der Nacht ins Zimmer kamen, waren laut. Ich habe meinen Schlaf nicht bekommen und war dadurch unkonzentriert, was für einen Auftrittstag schlecht ist, da man die ganze Zeit warten muss bis man endlich dran kommt. Ausserdem erfordert die Beatbox-Kunst eine gewisse Konzentration. Ich hatte eigentlich noch drei oder vier weitere Auftritte mit dem selben Veranstalter vereinbart, habe sie dann aber abgesagt. Nur die eine Show am besagten Tag habe ich gemacht. Gar nichts mehr verstanden Es gab mal so einen Typen, der wahrscheinlich sehr verwirrt oder besoffen war. Er stand in der ersten Reihe und immer wenn ich schnellere Beats gemacht habe, hat er sich langsam bewegt. Und als ich langsame Beats gemacht habe, hat er sich viel schneller bewegt. Ich musste innerlich lachen und es hat mir auch mein eigenes Taktgefühl genommen. Ich habe versucht nicht mehr hinzusehen. Es gab auch mal eine komische Situation bei meiner ersten deutschen Meisterschaft, die ich gewonnen habe. Im Publikum hat ein Mädchen die ganze Zeit: „Zeero, ich will ein Kind von dir", gerufen. Das hat mich auch sehr verwirrt, aber war auch echt amüsant. Ich habe das Mädchen von der Bühne aus gesucht, aber leider habe ich sie in der engen Menge nicht gefunden. Später hat sie einem Freund von mir ihre Nummer gegeben und gesagt, sie wäre diejenige die immer gerufen hat und ich sollte mich mal melden. Wahrscheinlich war sie zu schüchtern, um mich persönlich anzusprechen. Aber nicht zu schüchtern, um vor ausverkauftem Haus ein Kind von mir zu verlangen. Na ja, ich habe aber nie angerufen. Ich stehe nicht auf Groupies.


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Illustration: Julia Schubert

Schief gegangen Ich habe oft eine geplante Show im Kopf, aber genau zu Beginn des Auftritt vergesse ich dann völlig, was ich eigentlich zeigen wollte. Das war bisher auch nie ein Problem, weil ich viele Kombinationsmöglichkeiten im Kopf habe und dadurch ganz gut improvisieren kann. Das Schlimmste für mich ist, wenn die Monitorboxen nicht funktionieren. Dann denke ich immer, dass ich zu leise bin, weil ich mich selbst nicht oder kaum höre. Die Lach- und Sachgeschichte Das war auf einer großen Musikmesse in Frankfurt am Main. Ich war gerade mit einem Auftritt fertig, als ein kleiner, vielleicht zwölfjähriger Junge, zu mir kam und fragte, ob ich wirklich Sido bin. Ich musste total lachen und habe ihm erklärt, dass ich Zeero, der Beatboxer bin und nicht Sido, der Rapper. Das Ganze ist zu der Zeit passiert, als Sido seine Maske noch nie in der Öffentlichkeit abgenommen hat. Wahrscheinlich hat der Junge den Namen immer falsch verstanden und sich dann gewundert, dass Sido Beatbox macht. Zeit sparen Ich fahre auf jeden Fall immer früh genug los, um auch pünktlich anzukommen. Ansonsten, wenn man mal Zeit sparen will, muss man eben etwas schneller fahren. Beim Fliegen spart man natürlich auch schon eine Menge Zeit. Ich lasse mich auch gerne fahren, weil ich dann in Gedanken meine Show planen kann - obwohl ich eigentlich oft einfach so loslege. Lange Wartezeiten Oooh ja, ich war schon Stunden in einem vollen Auto unterwegs. Erst nach Wien, danach ging es gleich ab in die Schweiz und das alles im Auto von Deutschland aus. Das war eine lange Wartezeit, aber auch eine lustige Fahrt. Ansonsten, klar, kommt man schon mal in einen Stau, aber zu spät war ich eigentlich noch nie. Unkonventionelles Fortbewegungsmittel Bis jetzt habe ich noch keines benutzt. Ich würde aber gerne mal in einem Raumschiff fliegen. Stellt euch mal vor ich würde mit einer Raumkapsel bei einem meiner Auftritte landen. Das wäre doch die absolute Hammer-Show oder? Zeero bei der Beatbox World Championship:



Text: hanna-vandervelden - Fotos: privat

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