In Kenia werden viele Frauen, meist noch als Kinder, dazu gezwungen, ihre Genitalien verstümmeln zu lassen. Dabei ist die Prozedur offiziell verboten. Weil der qualvolle und teils lebensgefährliche Eingriff tief als Tradition in der Kultur vieler Regionen verankert ist, scheint das offizielle Verbot, den Betroffenen bisher aber nicht zu helfen. Fünf Kenianerinnen, die alle zwischen 15 und 17 Jahre alt sind, wollen es deshalb jetzt anders versuchen: mithilfe moderner Technik.

Die Mädchen haben eine App entwickelt, die Betroffenen die Prozedur ersparen und damit Leben retten könnte. Durch „iCut“ können Frauen und Mädchen, deren Genitalien verstümmelt werden sollen, die Behörden durch einen Notrufknopf auf ihrem Handy verständigen und so auf schnelle Rettung hoffen. In der Theorie zumindest. Aber auch Frauen, für die diese Hilfe zu spät kommt, soll die App helfen. Sie stellt Informationen über Genitalverstümmelung und die gefährlichen Folgen bereit und zeigt zum Beispiel den nächstliegenden Ort an, an dem Betroffene medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können.

Die Teenager, die die App kreiert haben, bilden das einzige afrikanische Team, das in diesem Jahr zur Technovation Competition im Silicon Valley zugelassen wurde. Bei dem Wettkampf entwickeln Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren aus verschiedenen Ländern der Welt Apps, die Probleme ihrer Region lösen sollen.

Stacy Owino, Cynthia Otieno, Purity Achieng, Mascrine Atieno und Ivy Akinyi nennen sich bei dem Wettbewerb zusammen „The Restorers“, also zu deutsch „Die Wiederhersteller“ – in Anspielung auf ihre Motivation: Sie wollen mit der App die Hoffnung bis dahin hoffnungsloser Mädchen wiederherstellen. Sie selbst kennen nach eigenen Angaben viele Betroffene und erzählen davon, dass auch eine gute Schulfreundin so stark unter dem Eingriff leide, dass sie seither nicht mehr in die Schule gekommen wäre.

 

Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Problem, das weltweit etwa 200 Millionen Frauen und Mädchen betrifft. Bei der Prozedur werden die äußeren Geschlechtsorgane einer Frau zu Teilen oder sogar vollständig entfernt. Das Schneiden übernehmen meist Frauen, die in der Gesellschaft hoch angesehen sind. Als Instrumente nutzen sie zum Beispiel Rasierklingen, Messer, Scheren oder Glasscherben. Der Eingriff erfolgt oft ohne medizinische Betreuuung und meist ohne Betäubung unter katatrophalen Zuständen. So kostet er viele junge Frauen das Leben. Überlebende leiden unter Folgen, wie Unfruchtbarkeit, häufigen Fehlgeburten oder Inkontinenz, die Orgasmusfähigkeit ist stark eingeschränkt oder oft sogar gar nicht mehr vorhanden.

 

Am 6. August dieses Jahres werden die Mädchen zum Finale des Wettbewerbs fliegen, um die Situation für Frauen weltweit verbessern zu können. Falls die Kenianerinnen dort gewinnen sollten, würden sie mit 15.000 US-Dollar Preisgeld bei der weiteren Entwicklung ihrer App unterstützt.  

 

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