Band „Die Ärzte“ eröffnet die Tagesthemen

Und weist neben den Probleme der Kulturbranche auch auf ihr neues Album hin. Der Auftritt sorgt für gemischte Reaktionen.

Acht Jahre ist es her, dass die Berliner Band „Die Ärzte“ ihr letztes Album veröffentlicht hat. Seit diesem Freitag gibt es ein neues, „Hell“ heißt es. Und um das zu promoten, aber auch um auf die derzeitige Situation der Musikbranche während der Pandemie hinzuweisen, haben sie überraschend viel Platz in einer der wichtigsten deutschen tagesaktuellen Sendungen eingeräumt bekommen: in den Tagesthemen. 

Direkt zu Beginn der Sendung konnte den Stammzuschauer*innen auffallen: Hier ist heute etwas anders. Zwar war der bekannte Gong noch da, aber hinterlegt mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Und auch die Anmoderation klang seltsam. Hatte der Mann an der Gitarre wirklich gesagt „Hier ist das Ärzte deutsche Fernsehen mit den Tagesthemen“? Und tatsächlich kündigte Moderator Ingo Zamperoni daraufhin an, dass die Band um Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzáles heute im Studio sei, um über die Musikbranche während Corona-Zeiten zu sprechen.

Der erste Live-Auftritt einer Band in der Sendung war nur das Intro für einen längeren Beitrag und ein anschließendes, achtminütiges Interview im Studio. Darin wies die Band immer wieder darauf hin, wie Musiker*innen und Clubbetreiber*innen, aber auch Tour-Personal wie z.B. Roadies unter der aktuellen Situation litten. Sänger Farin Urlaub sagte dazu: „Im Augenblick will jeder Geld, weil es jedem schlecht geht. Wir nehmen Kultur oft als gegeben hin, Kultur ist immer da. Es fällt also nicht so auf, dass Kultur Leute braucht. (...) Der ganze Unterbau, die Bands, die noch nicht so weit sind, dass sie einen Plattenvertrag haben, die müssen von irgendwas leben und die werden gerade ignoriert“. Deshalb unterstütze die Band auch Projekte zur Unterstützung der Berliner Clubszene, auch wenn dabei bisher nicht so viel Geld zusammengekommen sei wie erhofft.

Auf die Frage Ingo Zamperonis hin, was die Politik denn tun könnte, um Künstler*innen zu helfen, sagte Rod: „Wir sind keine Veranstalter. Wir sind die Musiker, die sich hinstellen und vor Leuten spielen wollen. Verschiedene Veranstalter haben verschiedene Hygiene-Konzepte, die manchmal angenommen werden. Die Lage ändert sich ständig. Dann ist es erlaubt, dann ist es vielleicht wieder nicht erlaubt. Vielleicht brauchen wir einheitlichere Regelungen, damit so etwas wieder möglich ist.“

Die Reaktionen des Publikums auf die Sendung waren gemischt. Während es Moderator Ingo Zamperoni offensichtlich gefallen hat und auch viele Ärzte-Fans sich freuten, die „Beste Band der Welt“ im Fernsehen zu sehen, kritisierten andere die Vermischung seriöser Nachrichten mit vermeintlichem Entertaintment.

Auch die Tatsache, dass mit „Die Ärzte“ eine bereits sehr populäre Band, die locker von den Einnahmen aus der Vergangenheit leben könne, eingeladen wurde, sorgte für Kritik.

Allerdings ging die Band selbst auf diesen Vorwurf in der Sendung bereits ein. So sagte der Bassist der Band, Rod Gonzáles: „Es gibt so viele Bands die Liveauftritte komplett brauchen. Wir kommen aus einer Zeit in der noch Abermillionen von Schallplatten und Tonträgern verkauft wurden. Die Bands heute müssen sich von kleinen Streams ernähren und Live-Gigs, wenn das weggbricht sind überhaupt keine Einnahmen da.“

Andere wiederum lobten, dass ein etabliertes Format wie die Tagesthemen sich immer neue Zugänge zu Themen und Zielgruppen suche – und verwiesen auf Aktionen in der jüngeren Vergangenheit, als beispielsweise Moderatorin Caren Miosga sich als Referenz zum Film „Der Club der toten Dichter“ auf einen Tisch stellte, um über den Tod des Schauspielers Robin Williams zu berichten.

Manche formulierten aber auch ihre Angst: Was könnte da jetzt noch als nächstes kommen?

Und neben dem üblichen „Dafür zahle ich keine GEZ“-Gemaule gab es natürlich auch Menschen, die den versöhnlichen Aspekt der Sendung in den Vordergrund rücken. Darunter die (Rundfunkbeitrag-finanzierte) Satire Sendung „Extra Drei“.

chha

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