„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein Film von einer Frau mit Frauen in den Hauptrollen – vermutlich schneidet er darum in den Kritiken schlechter ab als andere Filme.

„Lady Bird“ von Greta Gerwig ist ein Film von einer Frau mit Frauen in den Hauptrollen – vermutlich schneidet er darum in den Kritiken schlechter ab als andere Filme.

Foto: Merie Wallace / AP

Dass Filme mit starken männlichen Hauptrollen die Kinoleinwände dominieren, dürfte wohl jedem klar sein. Wenn jedoch ein Film mal mit einer weiblichen Hauptrolle besetzt wird, so fallen die Kritiken oft schlechter aus als bei einer männlichen Starbesetzung. Das ergab die Studie „Thumbs down: Film Critics and Gender, and Why it Matters“, die vom Zentrum für Studien über Frauen in Fernsehen und Film der San Diego State University durchgeführt wurde. Forscher analysierten dafür bereits seit dem Jahr 2007 die Sprache von Filmkritiken und achteten dabei besonders auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Das Ergebnis nach Auswertung der 4111 Filmkritiken von insgesamt 341 Personen: Männliche Kritiker bewerten Filme mit weiblicher Hauptrolle schlechter als die mit einem männlichen Darsteller. Während 74 Prozent der Kritikerinnen die Filme ihrer Geschlechtsgenossinnen positiv bewerteten, vergaben nur 62 Prozent der Männer ein Lob. Auch sprachlich gab es Geschlechterunterschiede in den Filmkritiken. So nannten Frauen häufiger den Namen der Filmregisseurin und verwendeten weitaus mehr positive Beschreibungen für deren Professionalität und Vorgehensweise als die männlichen Kollegen.

Die Studie fand zudem heraus, dass Frauen generell öfter Filme rezensieren, bei denen entweder eine Frau Regisseurin war oder die Hauptrolle weiblich besetzt wurde. Mehr als die Hälfte der weiblichen Kritiken über von Frauen gedrehte Filme enthielt dabei lobende Kommentare, während nur 38 Prozent der Männer die Filme positiv kommentierten.

Dr. Martha Lauzen sagte über die von ihr geleitete Studie: „Diese geschlechtsspezifischen Ungleichgewichte spielen eine Rolle, weil sie die Sichtbarkeit von Filmen mit weiblichen Protagonistinnen und Regisseurinnen beeinflussen, sowie die Art von Rezensionen.“ In einer für das Magazin Variety verfassten Kolumne stellte sie fest, dass sich der Prozentsatz von Frauen, die im Film arbeiten, erhöhen müsse. Das Geschlechterverhältnis in der Branche sei noch das gleiche wie vor 20 Jahren.

mfry

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