US-Talkmaster greifen Politiker und Waffenlobby an

Jimmy Kimmel, Stephen Colbert und Trevor Noah fordern nach dem Massaker von Las Vegas strengere Waffengesetze in den USA.
Screenshot: Youtube / Jimmy Kimmel Live!

Die Trauer und Fassungslosigkeit sind das Eine. Trauer um die mindestens 59 Menschen, die am vergangenen Sonntagabend bei dem Attentat in Las Vegas getötet wurden. Fassungslosigkeit über die mehr als 500 Verletzten und die Motive von Stephen Paddock, 64, der das opferreichste Massaker eines Einzeltäters in der Geschichte der Vereinigten Staaten begangen haben soll. Das Andere ist die Wut. Auf eine Gesetzgebung, die es Menschen wie Paddock verhältnismäßig einfach macht, an Gewehre und Munition zu kommen. Und auf eine Waffenlobby, die eine Verschärfung der Schusswaffengesetze in den USA nach wie vor blockiert.

Am Montagabend haben drei der beliebtesten US-Talkmaster diese Wut in ihren Shows zum Ausdruck gebracht: Trevor Noah, Stephen Colbert und Jimmy Kimmel.

Trevor Noah kritisierte in The Daily Show vor allem, dass Regierungspolitiker nach Attentaten der Frage nach schärferen Waffengesetzen aus dem Weg gehen würden. Sarah Huckabee etwa, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, hatte in einer Stellungnahme gesagt, es gebe eine Zeit und einen Ort für eine politische Debatte, „jetzt aber ist die Zeit, in der wir als Land zusammenstehen“. Noah dazu: „Wenn ein Flugzeug abstürzt, sprechen wir über Flugsicherheit – sofort. Wenn eine Brücke einstürzt, sprechen wir über Infrastruktur – sofort.“ Nach Attentaten wie dem in Las Vegas aber „scheinen wir mit allen Mitteln verhindern zu wollen, über Waffen zu sprechen“.

Stephen Colbert eröffnete The Late Show mit einer Ansprache, in der er Donald Trump persönlich adressierte: „Sie wollen Amerika wieder groß machen? Tun Sie etwas, zu dem die letzten beiden Präsidenten nicht fähig waren: Verabschieden Sie Waffengesetze, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen und die die große Mehrheit der Amerikaner auch will.“

Besonders emotional sprach Jimmy Kimmel über das Attentat in seiner Heimatstadt. Der Moderator von Jimmy Kimmel Live! nannte es „eine schreckliche, unfassbare, schockierende und schmerzhafte Tragödie“ und wirkte dabei sichtlich erschüttert. „Automatische oder halbautomatische Gewehre sind keine Waffen, die man zur Selbstverteidigung gebraucht“, sagte er und bezog sich auf die Gewehre, mit denen der mutmaßliche Täter aus dem Mandalay-Bay-Hotel geschossen hat. „Es sind Waffen, die dazu gemacht wurden, eine große Anzahl an Menschen in möglichst kurzer Zeit zu töten.“

Kimmel griff damit offenkundig die National Rifle Association (NRA) an, die einflussreichste Interessengruppe der US-amerikanischen Waffenlobby. Die NRA beruft sich seit jeher auf das Recht auf Selbstverteidigung und auf den zweiten Zusatzartikel der Bill of Rights, welcher sich gegen eine Einschränkung des Waffenbesitzes ausspricht.

An einer Stelle appelliert Kimmel schließlich wie Stephen Colbert an die Vernunft: „Bei dem, worüber ich heute spreche, geht es nicht um Waffenkontrolle – es geht um den gesunden Menschenverstand.“ Und der sage einem, dass es niemals Gutes bedeuten werde, wenn Menschen Waffen besitzen dürfen, die eine so hohe Zahl an Opfern ermöglichen wie in Las Vegas.

jwh

Mehr über Waffen in den USA: