Google '+1' – Dabeisein ist alles?

'+1' ist Türsteherisch und hieß bisher immer soviel wie: "Ich komme zur Party und nehme noch jemanden mit." Googles Empfehlungsdienst '+1' möchte dieses Konzept in die virtuelle Welt übertragen - und dem 'Like-Button' eins auswischen.
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Illustration: Julia Schubert



Ganze zwei Jahre hat Google gebraucht, um sich auf seinen nächsten Schlag im Death-Match gegen Erzfeind Facebook vorzubereiten, der mit seinem Like-Daumen unterdessen genüsslich in Googles Wunde – nämlich die des fehlenden Social Networks – bohrte.

Facebook, das ist der Sunnyboy aus Menlo Park, dem die Informationen über die Vorlieben seiner User nur so zufliegen. Daten, die der Werbeindustrie viel Geld wert sind.

Google, der Riese aus Mountain View, hingegen leidet unter akuten Minderwertigkeitsgefühlen, die eigenen Produkte (Buzz, Wave oder Orkut) taugen eigentlich nur noch als schlechtes Vorbild. Die Firma schien lange Zeit nur noch verkrampft Bedürfnisse wecken zu wollen, wo gar keine da sind.

Nun also soll '+1' in den Ring steigen. Phase eins des Schlachtplans ist es laut Google, den '+1'-Button in Zukunft neben den Google-Suchergebnissen zu platzieren, damit User diese weiterempfehlen können. '+1' ist also eine gepimpte Such- oder besser Hinweisfunktion. Vorraussetzung dafür ist wie bei Facebook ein Account. Wer diesen hat, kann die von seinen 'Freunden' mit '+1' versehenen Suchergebnisse sehen. Außerdem stehen Dinge, die der User selbst mit einem '+1' markiert hat, in seinem Google-Profil, das Prinzip ist ähnlich wie bei den Like-Meldungen auf der Facebook-Pinnwand.

http://www.youtube.com/watch?v=4RyY2-ofP4g&feature=player_embedded

Laut Google liegen die Vorteile von '+1' in der Relevanz: Man erhält Empfehlungen zur richtigen Zeit (wenn man tatsächlich nach Informationen zu einem Thema sucht) und im richtigen Format (in den Suchergebnissen).

Das Problem, das sich bislang noch stellt, ist das des Datenschutzes oder genauer gesagt das der vermeintlichen 'Freunde': Bei Facebook sucht man sich diese aktiv aus und hat dadurch eine gewisse Kontrolle darüber, wer für einen relevant ist. Google hingegen bezeichnet alle Leute aus meinen Mail-Kontakten als 'Freunde'.

Es kann also durchaus passieren, dass man zukünftig über fragwürdige Vorlieben seines Ohrenarztes oder Steuerberaters erfährt (oder andersherum!), ohne dass man die Möglichlichkeit hätte, diese zu entfreunden. Denn Google-Profile sind ab dem Sommer 2011 zwangsweise öffentlich. Da überlegt man es sich dreimal, ob man '+1' jemals anklicken wird.

In Phase zwei soll der Button auch außerhalb der Google-Suche einbindbar sein, ähnlich wie dies beim „Like-Button“ schon der Fall ist. Dies ist interessant für alle Seitenbetreiber, die auf Klicks aus sind und natürlich für Google, da die Implementierung des Social Plugins bedeutet, Daten aus Bereichen zu bekommen, die sonst verschlossen geblieben wären.

Der Zug, einen eigenen Empfehlungsdienst zu starten, scheint eigentlich fast schon abgefahren zu sein. Dass ein Google-Mitarbeiter sich bei der offiziellen Vorstellung von "+1" verplapperte und selber das Wort "liken" benutzte, zeigt deutlich, dass Facebooks Lösung mittlerweile schon in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

'+1' hingegen wirft Fragen auf: Hab ich jetzt etwas "geplusoned", "gepluseinst" oder"geplust"? Im ersten Anlauf rutscht einem '+1' jedenfalls nicht über die Lippen, es fehlt schlicht das Verb.

Eine 1+ mit Sternchen ist das noch nicht, Google.

Google wird +1 nach und nach einführen. Wer schon jetzt einen Blick auf +1 werfen möchte, kann die neue Funktion über die Seite Experimental Search in Google Labs freischalten.


Text: markus-okur - Illustration: Christopher Stelmach

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