Die durstige Hose - wie man eine ökologische korrekte Jeans erwirbt

In der Grün&Gut testet Anne Henneken, Produktredakteurin bei utopia.de einmal in der Woche ökologische Produkte und Dienstleistungen. Heute geht's um ökologisches Beinkleid
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Neulich ist meine Lieblingsjeans gerissen, Alterschwäche. Ich hatte schon mehrere „Rettungsnähte“ angebracht, aber jetzt war sie hin. Während ich noch trauerte, lief im Kopf schon mein persönliches Horrorszenario „Hilfe-ich-muss-eine-neue-Jeans-kaufen“ ab. Denn ist der Schnitt gut, gibt’s die Größe nicht mehr. Stimmt die Größe, sind Farbe oder Schnitt komisch. Ist die Farbe gut, passt der Schnitt nicht und so weiter. Ich hasse es.

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Illustration: Julia Schubert

Dieses Mal würde es mich sogar noch härter treffen, denn ich ö-korrigierte den Satz zu „Ich-muss-mir-eine-Öko-Jeans-kaufen!“ Seit ich mich mit nachhaltigem Lifestyle und strategischem Konsum beschäftige, weiß ich etwas mehr über „normale“ Jeans. Denn Jeans sind vielleicht die durstigsten Hosen überhaupt und mit einer Produktionsreise von zirka 19.000 Kilometern nicht selten in mehr Länder gelangt als der spätere Besitzer. Um eine (!) Jeans herzustellen, braucht man bis zu 40.000 Liter Süßwasser. Und damit das hochsensible Baumwollpflänzchen zum fertigen Stoff wird, werden Unmengen von Chemiecocktails eingesetzt, die das Grundwasser vergiften – sogar dann, wenn die Pflanzen durch Genmanipulation gegen Ungezieferbefall und Co. resistent sein sollten. Biobaumwolle macht schon hier einen großen Unterschied für die Umwelt und auch für die Menschen, die diese ungiftige Baumwolle anbauen. Der Wassereinsatz ist zwar nur geringfügig niedriger, aber da keine Pestizide eingesetzt werden dürfen, gibt es kaum Grundwasserverschmutzung und im fertigen Stoff sind auch keine üblen „Reststoffe“ mehr enthalten. Bio-Baumwolle wird auch nie in Monokulturen angebaut, sondern immer in Mischkulturen. Denn das Perfide beim Monokulturanbau ist, dass der Boden davon auslaugt wird und für die nächste Anpflanzung erst wieder mit neuen Chemiekeulen aufgepeppt werden muss. Apropos Chemie. Wenn Jeans Schildchen wie „Easy-Wash“ oder „pflegeleicht“ haben, heißt das, dass Kunstharzfasern in den Jeansstoff eingelagert wurden, damit sie nicht verkrumpeln oder einlaufen. Diese Harze können aber Formaldehyd enthalten, das beim Bügeln oder wenn man schwitzt freigesetzt wird und in die Haut gelangen kann. Dieser Gedanke behagt nicht jedem. Aus Umweltsicht sind übrigens dunkle Jeans am besten. Denn für den verwaschenen Used-Look wird der Stoff bei enormem Wassereinsatz mit Laugen, manchmal sogar chlorhaltigen Bleichmitteln behandelt. Bei Jeans aus Organic Cotton ist das alles kein Thema, und neben den Umweltvorteilen gibt es auch noch soziale Pluspunkte. Denn Organic Cotton wird fast immer fair gehandelt, das heißt, die Farmer bekommen feste Abnahmegarantieren und werden anständig bezahlt. Auf dem globalen Baumwollmarkt ist das die Ausnahme, der Marktanteil von Bio-Baumwolle beträgt weltweit gerade mal 2 %.

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Illustration: Julia Schubert

Aber zurück zu meinem Jeans-Problem. Als Utopia-Produktredakteurin will ich mich mit gutem Beispiel voran stylen. Da es noch nicht so viele coole Jeansmarken gibt, ist das jetzt schön einfach: Howies, Kyuichi, Nudies, Katherine Hamnett, JJ Eco, Edun, Levis Eco ... Am liebsten würde ich mir eine Howies von meinem persönlichen „Helden“-Label zulegen. Das ist ein englisches Label, das 1995 von Bike-begeisterten Sportsfreunden gegründet wurde und heute außer Jeans auch T-Shirts und Kindersachen herstellt. Wegen eines grauen Tab an ihren Hosen wurden sie von Levis verklagt und haben sich von diesem „Jeans-Multi“ aber nicht kleinkriegen lassen. Das gefällt mir. Das holländische Label Kuyichi und Nudies aus Schweden ist auf jeden Fall eine Anprobe wert. JJ Eco, eine skandinavische Marke, die außerdem auch günstig ist, fällt für mich leider aus, da es nur Modelle für die Herren der Schöpfung im Angebot hat. Und genau hier wird’s dann doch noch schwer: Wo gibt es alle diese tollen Öko-Jeans hier vor Ort zu kaufen? Spontan fällt mir nicht eine Anlaufstelle ein. Also erstmal im Internet die Herstellerseiten nach „Storefindern“ zu durchforsten. Wie soll Eco-Fashion sich je durchsetzen, wenn es so mühsam ist, sie zu kaufen? Vielleicht muss man es wie in den USA machen. Dort laufen gerade Aktionen mit den so genannten „Ihre Meinung ist gefragt“-Karten. Die Leute füllen diese Karten stapelweise aus, um sich mehr umweltfreundliche, grüne Produkte in den Läden zu wünschen. Keine schlechte Idee! Mehr zu dem Thema: gibt es beim Utopia.de im Bereich Jeans. Bezugsquellen für ökologische Hosen (und mehr) sind beispielsweise fairwear.de oder true-fashion.com Außerdem: Im grün-Forum mitdiskutieren: Wo kaufst du Öko-Kleidung?

Text: anne-henneken - Illustration: Katharina Bitzl

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