Gibt's das auch in grün? Guten Gewissens Essen kaufen

In der Grün&Gut testet Anne Henneken einmal in der Woche ökologische Produkte und Dienstleistungen. Heute: Essen kaufen - wie man seine Ökobilanz im Einkaufskorb verbessern kann
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Ganz kurz: Sie sind Sie jung, männlich und essen eher unregelmäßig? Single? Ihre tägliche Nahrungsaufnahme findet bevorzugt an Orten statt, die mit „M“ anfangen: Mensa, Metzger, McD? Dann bleiben Sie ruhig und tun folgendes. Falls Ihnen Ihre Umwelt egal ist und Sie zu Aggression neigen: Ignorieren Sie diesen Text und klicken Sie im Menü auf „Sex“ oder so. Wenn Sie diesen kleinen Planeten nicht so übel finden und eine Verlängerung des Aufenthalts durchaus in Betracht ziehen: Weiterlesen! Wissenschaftler vom Öko-Institut in Freiburg haben nämlich die Essgewohnheiten von verschiedenen Haushaltstypen und deren Klimarelevanz unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis dieser hochinteressanten Untersuchung lautet: Ernährungstechnisch gesehen verursachen Singles und jüngere Paare die meisten CO2-Emissionen. Unter diesen „Klima-Fressern“ sind überproportional viel junge Männer, die außerdem viel Fleisch essen. Tja, Jungs, das ist der Wahrheit.

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Illustration: Julia Schubert

Döner, Pizza, Hamburger, Obstsalat in Plastikbechern – allein bei den ganzen „To-go“-Lebensmitteln, die außer Haus gegessen werden (immerhin zehn Prozent aller Lebensmittel in Deutschland) ist der Treibhausgasanteil zehn bis 20 Prozent höher als bei Speisen, die auf dem heimischen Herd gekocht werden. Der Amerikaner Jamias Casco hat ausgerechnet, dass ein 130 Gramm-Cheeseburger einen C02-Ausstoß zwischen 3,6 und 6 Kilo verursacht. Dabei hat er von der Aufzucht der Rinder bis hin zu deren Methanausstoß, die Futter- und Transportmittel mit verschiedenen Antriebsarten bis hin zum Energieverbrauch für die Zubereitung und der Anfahrt zum Restaurant berücksichtigt. Zumindest hinsichtlich der Klimabilanz sind Vegetarier die besseren Menschen. Apropos Anfahrt: Bei diesem Stichwort kommen natürlich die „Lebensmittelkilometer“ als wesentlicher Teil des Klimawandels ins Spiel. Ganz grob gesagt, beschreibt man damit die Umweltbelastungen durch lange Transportwege. Extrem schlecht schneiden dabei alle Lebensmittel ab, die – jahreszeitenbedingt oder wegen Nichtgedeihens – in unseren Breitengraden nicht erhältlich sind und eingeflogen werden: exotische Früchte wie Ananas, Mango, Papaya, argentinisches Rindfleisch, frischer Fisch, (natürlich auch die zu Tode zitierten) Zuckerschoten. Diese ganzen Produkte verschlingen auf den langen Wegen in die Läden und Supermärkte jede Menge Energie und tragen erheblich zur Luftverschmutzung und zum CO2-Ausstoß bei. Um alle anderen Einkäufe in die hauseigenen Kühl-, Vorrats- und Kleiderschränke zu transportieren, werden übrigens pro Jahr und Person zirka tausend Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, macht über 200 Kilo C02 zusammen.

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Illustration: Julia Schubert

Der gebetsmühlenartig durch die Medien wabernde Spruch „Think global, eat local“ wurde bislang zwar als T-Shirt-Aufdruck gern gekauft, aber im Einkaufskorb der meisten Leute ist er nicht angekommen. Wen wundert’s, wenn man Meldungen liest, dass in England immer mehr Appartements ohne Küchen gebaut werden, Kinder keine Ahnung haben, ob sie gerade in eine Kohlrabi oder einen Apfel beißen und glauben, dass Bären Milch und Kühe gefleckte Schokolade produzieren. Wo soll der Bezug zu heimischen Lebensmitteln denn herkommen? Spinat, Erbsen, Gurken, Himbeeren, Aprikosen – die wenigsten wissen, wann welches Obst und Gemüse auf unseren Feldern wächst. Bei Utopia haben wir deswegen mal einen Saison-Kalender zum Ausdrucken angeboten, das ist bis heute der absolute Renner. Wer keine Zeit oder Lust hat, sich selbst um klimafreundliche Lebensmittel aus der Region zu kümmern, kann das heute wunderbar delegieren. Ich rede aus eigener Erfahrung, denn ich hatte es satt, nach der Arbeit schnell noch in den Bioladen zu hetzen, um dort mit Glück noch die letzten verschrabbelten Gemüse und kleinsten Salate zu ergattern, die den ganzen Tag über verschmäht wurden. Jetzt landet jede Woche eine große grüne Bio-Kiste mit herrlich frischen Sachen in meinem Büro. Schon beim bloßen Anschauen fühlt man sich topfit und könnte Bäume anpflanzen. Doch das Beste daran: Ich muss keine schweren Tüten mehr schleppen und pfeife auf Ladenschlusszeiten oder nervige Wochenend-Einkäufe. Alles, was ich nicht mag, klicke ich mir im Internet einfach raus dem Korb, alle meine Extras einfach rein und wenn ich in den Urlaub fahre, kann ich – wie beim Zeitungsabo – einfach aussetzen. Darauf einen McD: Ich liebe es!

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