Neues aus dem Blogger-Land

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Amerika, das Mutterland des Blogs Einer der ganz Großen im amerikanischen Teil der Blogger-Welt ist Nick Denton. Mit „Gawker Media“ hat er ein ganzes Blog-Imperium aufgebaut - wobei Imperium hier bedeuten soll, dass er insgesamt 15 Weblogs ins Leben gerufen hat - die von Journalisten täglich aktualisiert werden. Diese sollen, nach seinem Willen, werbefinanziert ordentlich Geld einbringen. Dass das nicht ganz so funktioniert, wie er sich das vorgestellt hat, lässt sich vermuten, wenn man die Berichte der letzten Tage liest.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Angeblich stellt Denton innerhalb des nächsten Monats zwei seiner Weblogs komplett ein – das Web-Pendant zur Regenbogenpresse Sploid.com sowie Sreenhead.com, eine Quatschseite, die lustige Schnipsel aus dem Internet aufbereitet. Die beiden Seiten werden einen Monat lang zum Verkauf angeboten – sollte sich bis dahin kein Käufer finden, sollen sie eingestellt werden. Des weiteren wurden mehrere Redakteure ausgetauscht oder überraschend entlassen, wie Jesse Oxfeld, einer der beiden hauptamtlichen Redakteure des erfolgreichsten Blogs und Namensgebers Gawker.com. Die Begründung: Die Zukunft seiner Blogs liege im Mainstream und das Personal müsse dementsprechend verjüngt und ausgerichtet werden. Der Promi-Blog Gawker.com war in der Vergangenheit vor allem mit dem Gimmick Gawker Stalker ins Gerede gekommen. Dort sind auf einem Stadtplan von New York die Sichtungen von Prominenten eingezeichnet. Das bedeutet: wer fix ist, kann im Internet nachschauen, schnell zur Ecke Broadway/nochwas eilen und Britney Spears live und in Farbe dabei beobachten, wie sie ihr Kind in den Rinnstein fallen lässt. Diese neue Form des Stalkertums ließ sich einer nicht gefallen: George Clooney. Um sich gegen die Online-Stalker zu wehren, bat er andere Prominente um Unterstützung: sie sollten einfach möglichst viele falsche Promi-Sichtungen an Gawker senden und so die Seite lahmlegen. Noch existiert der Gawker-Stalker-Stadtplan aber. Die radikale Verjüngungskur des Gawker Media-Imperiums hat nicht nur im Netz für große Aufregung gesorgt. Sogar die New York Times hat sich mit der Netz-Personalie befasst. Vor allem wundert man sich dort, dass der Internet-Pionier Denton gerade jetzt sein Unternehmen gesundschrumpft. Für Denton dagegen ist gerade das der richtige Schritt. Zwar erlebe das Internet ein zweites Hoch, trotzdem müsse ein modernes Unternehmen umso konservativer werden, je erfolgreicher es sei. Denn, so Denton: "Der Einstieg ins Medium Internet ist sehr leicht, der Erfolg dagegen verdammt hart." In Deutschland fängt man erst an Die WAZ-Gruppe (in echt: "Westdeutsche Allgemeine Zeitung") dagegen fängt jetzt erst richtig an, im Web 2.0 zu wildern. Ein Projekt mit dem Arbeitstitel "WAZ Live" soll so bald wie möglich online gehen und alle vier Ruhrgebiets-Zeitungen des Verlags auf einer Webseite vereinen - als Riesen-Ruhrgebiet-Blog. Große Personalien-Aufregung dabei: Chefredakteurin dieses Projekts wird Katharina Borchert, besser bekannt unter ihrem Blognamen Lyssas Lounge. Mit ihren Berichten vom Leben im Allgemeinen und Besonderen hat sie sich eine treue Fan-Gemeinde erschrieben und auch in der Blogger-Szene Respekt verschafft. Zuletzt war Borchert aber in genau dieser A-List-Blogger-Szene Deutschlands in die Kritik geraten, weil sie für die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft in eine feudale Berliner WG eingezogen ist und von dort gemeinsam mit anderen internationalen Bloggern ihre WM-Erlebnisse aufgeschrieben hat. Alles eigentlich nicht so wild, wenn nicht ein Getränke-Konzern hinter der Aktion stünde, der in letzter Zeit heftig kritisiert wurde. Das war nach einem mittelschweren Opel-Zwischenfall schon die zweite Vereinnahmung der Blogger-Szene durch große Werbekunden, die sich, so wird es jedenfalls in der Szene gesehen, Glaubwürdigkeit und Nähe zur Zielgruppe mit Geld, Autos oder Brause erkauft.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Zum Schluss etwas fürs Auge Die Künstlerin 14 illustriert auf ihrer Seite Gallery of the Absurd die Klatsch-Geschichten, die sie täglich im Internet oder in den Regenbogenblättchen liest. Damit hat sie sich nicht nur online eine große Schar von Bewunderern erzeichnet und ermalt, sondern wurde vergangene Woche sogar auf den Titel der New Yorker Kunst- und Lifestyle-Zeitschrift ANIMAL gehoben. Bild1: nickdenton.org; Bild2: Galleryoftheabsurd.com

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