Auf Du und Du mit der großen Koalition

Illustration: simone-carrier Heute ist Angela Merkel zur ersten Kanzlerin Deutschlands gewählt worden und wird in dieser Rolle der zweiten großen Koalition der Bundesrepublik vorstehen.
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Illustration: Julia Schubert

Illustration: simone-carrier Heute ist Angela Merkel zur ersten Kanzlerin Deutschlands gewählt worden und wird in dieser Rolle der zweiten großen Koalition der Bundesrepublik vorstehen. So weit so gut. Anhand des vorangegangenen Gezerres leiten wir schon mal ab, wie es sich unter der neuen Regierung leben lässt. 1. Klarheit schaffen Den Genderforschern ins Gesicht schreien. Es liegt natürlich nicht am Geschlecht, dass man sich von Fr. Merkel eventuell schlecht präsentiert fühlt. Das liegt zum einen an einem ästhetischen Problem, aufgrund all der Tränensäcke und den heruntergezogenen Mundwinkeln. Zum anderen ganz banal an der Politik, die sie vertritt. 2. Weiter an der Karriere feilen Alle, die später auch mal RegierungschefIN werden wollen, können beruhigt aufatmen. Denn man weiß endlich, dass Macht entgegen aller Binsenweisheiten doch nicht korrumpiert. Wie die baldige Kanzlerin vor einer Woche bemerkte: „Ich bin eine Frau, bleibe eine Frau.“ 3. Nicht einstimmen Vom jetzt anschwellenden Chor der Unzufriedenen darf man sich nicht verwirren lassen. Es ist wie immer, die Wirtschaftslobbyisten und Verbraucherverbändler schreien landauf, landab, einen Grund braucht es schon lange nicht mehr. Zumindest lässt die Vielstimmigkeit des Scheltenkanons darauf schließen, dass die Ungerechtigkeiten gerecht verteilt wurden. 4.An früher denken Die Situation ist gar nicht so schlimm wie es scheint, oder zumindest auch nicht schlimmer als früher. Der Staat ist pleite, die Arbeitslosenzahlen steigen, aber wirklich neu ist das nicht. Die Hiobsbotschaften werden nur häufiger versendet. 5. Im Glied bleiben Die Koalitionsverhandlungen haben eindrucksvoll bewiesen: Wer sich nicht entscheiden kann oder gegen den Chef intrigiert, bekommt als Quittung entweder ein miserables Wahlergebnis oder leidet an Katzenjammer. In Bayern heißt das dann Hundeleben. 6. Weg vom Stammtisch Die Zeit der ideologischen Materialschlachten ist vorerst vorbei. Die vom Volkssouverän erzwungene Zusammenarbeit lässt hoffen, dass die Schreihälse von der jeweiligen Hinterbank nun Mäßigung üben werden. Langweilig wird die Legislaturperiode für diejenigen, die sich schon immer mehr an Stammtischpolemik als am politischen Diskurs erfreut haben. 7. Sich Absetzen Bevor die Reichensteuer eingeführt wird, transferieren die Besserverdienenden unter uns alle Vermögenswerte auf ihre Konten auf den Caymans. Und setzen sich besser gleich mit ab: Das mit den Stellenstreichungen trotz Traumrenditen und Senkung der Körperschaftssteuern geht genau noch so lange gut, bis sich die Leute erinnern, was man mit ein paar Fackeln und Mistgabeln schon alles angestellt hat. 8. Dem Drang nachgeben Wenn man in seinem tiefsten Inneren wirklich den Drang steigen spürt, nun endlich etwas zu tun und dem süßen Feuer der Revolution in der jugendlichen Brust nicht mehr widerstehen kann, kann man zur Beruhigung einfach ein ernstes Adornogesicht aufsetzen und sich dabei im Spiegel betrachten. Und wenn das nicht hilft: Duck&Cover

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