Den entscheidenden Elfmeter versenken

Bild: dirk-schmidt Wichtige Pokalspiele gehen häufig knapp aus, kommen in die Verlängerung und werden schließlich durch Elfmeterschießen entschieden: Mittwochabend großes UEFA Champions League-Finale, FC Liverpool gewinnt beim Elfmeterschießen knapp gegen AC Milano.
tobias-peter

Bild: dirk-schmidt Wichtige Pokalspiele gehen häufig knapp aus, kommen in die Verlängerung und werden schließlich durch Elfmeterschießen entschieden: Mittwochabend großes UEFA Champions League-Finale, FC Liverpool gewinnt beim Elfmeterschießen knapp gegen AC Milano. Am Samstag ist das große DFB-Pokalfinale, Bayern München gegen Schalke 04. Das Runde (Ball) vom Runden (Punkt) ins Eckige (Tor) zu befördern, ist eine fußballerisch nicht übermäßig anspruchsvolle, aber nervlich extrem belastende Prüfung. Damit nichts schief geht, gibt’s hier ein paar Tipps für die Profis. Aber auch für alle anderen. Denn ob im Verein, in der Schule, im Ferienlager oder ganz allgemein im Leben: Irgendwann steht fast jeder von uns einmal am Elfmeterpunkt. 1. Wirklichkeitsnah üben Damit dir im entscheidenden Moment nicht die Nerven versagen, ist es wichtig, vor dem Spiel unter halbwegs realistischen Bedingungen zu trainieren. Am Spielfeldrand sollte mindestens ein Dutzend selbsternannter Fußballexperten stehen, die dir zurufen, wie du zu spielen hast und die im Versagensfall mit halbgefüllten Bierdosen nach dir werfen. Wer aus irgendwelchen Gründen keine Fußballfans als Freunde hat, kann sich ersatzweise auch Modetipps oder Kochrezepte zurufen lassen. Hauptsache, es irritiert. 2. Angemessen aberglauben Nichts spricht dagegen, sich mit einem Glücksbringer bei einem wichtigen Match besser zu fühlen. Allerdings sollte er mit Umsicht ausgewählt werden. Du kannst dir zu jedem Spiel ein bestimmtes Freundschaftsbändchen ums Handgelenk binden. Du kannst dir auch einfach einreden, dass es Glück bringt, die Schuhe immer mit einem Doppelknoten zuzubinden. Verzichte aber bitte auf jeden Fall im Sinne der Mitspieler und der eigenen Gesundheit auf Selbstverpflichtungen dieser Art: „Bis wir das nächste Mal verlieren, wechsle ich meine Socken/meine Unterhose/meinen Körpergeruch nicht mehr“. 3. Gewählt erinnern und verdrängen Denk immer daran: In der altehrwürdigen Geschichte des Elfmeters, der 1891 in England erstmals in das Fußballspiel eingeführt wurde, waren die Schützen im Durchschnitt immer weit erfolgreicher als die Torhüter. Denk nie daran: Der Torhüter wird im für ihn günstigsten Fall zum Helden, im schlimmsten Fall passiert ihm gar nichts. Wenn du triffst, erfüllst du nur die Erwartungen. Wenn du nicht triffst, machst du dich zum Idioten. 4. Selbstsicher auftreten Lass dich nicht vom gegnerischen Torwart verunsichern. Egal, ob er aufgeregt zum Schiedsrichter rennt und behauptet, du hättest den Ball nicht ordnungsgemäß auf dem Elfmeterpunkt platziert, sondern einen halben Millimeter daneben, oder ob er blöd auf der Linie herumhopst. Falls du die Gelegenheit hast, ruf ihm – während er sich zum Tor begibt – vom Schiedsrichter unbemerkt einen Satz wie „Du wankst wie ein Betrunkener“ nach. Oder auch: „Du hast ungleich große Arschbacken“. 5. Intelligent wählen Du hast zwei Möglichkeiten. Erstens kannst du versuchen, den Ball mit einem Kunstschuss genau unter die Latte zu zirkeln. Dabei wird dir für Sekundenbruchteile die Bewunderung der anderen Spieler und aller Fußballfans gehören – bis klar ist, dass du das Tor knapp verfehlt hast. Die andere Möglichkeit ist, den Ball gelassen, banal und mit roher Gewalt flach in einer Ecke des Tores zu versenken. 6. Elegant abwarten Die Wahl der richtigen Ecke vereinfacht sich enorm, wenn man den Anlauf kurz vor dem Schuss leicht verlangsamt, abwartet, in welche Ecke der Torwart hechtet, und dann in die andere Ecke schießt. Das ist zwar regelwidrig und unsportlich. Aber es funktioniert. Und wenn man es nicht zu auffällig betreibt, ahnden die Schiedsrichter diesen Verstoß fast nie. Deshalb macht es Sinn, das elegante und nonchalante Verlangsamen des Anlaufs vorab zu trainieren. Wenn du lieber einen Fairplay-Pokal gewinnen, den Elfmeter verschießen, das Spiel verlieren und dich moralisch überlegen fühlen möchtest, ist das natürlich auch in Ordnung. 7. Nach dem Abpfiff angemessen feiern - Undefinierte Siegeslaute brüllen? Ja. Ernsthaft versuchen zu singen? Nein. Es sei denn, du kannst es. - Das Trikot ausziehen? Ja. Es sei denn, du bist eine Frau. Die Hose ausziehen? Nein. Es sei denn, das Publikum fordert es wirklich unmissverständlich. - Den Pokal küssen? Ja. Mit Zunge? Nein. Es sei denn, du bist verliebt. - Drei Kästen Bier mit unter die Dusche nehmen? Ja. Sie statt Shampoo verwenden? Nein. Es sei denn, dir ist eh schon alles egal.

  • teilen
  • schließen