Den Pollen trotzen

Illustration: kathrin-hoermann Der Frühling lacht.
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Illustration: Julia Schubert

Illustration: kathrin-hoermann Der Frühling lacht. Doch du lachst nicht mit: Pollenallergie. Während sich die anderen über den Frühling freuen, sitzt du allein zu Hause, rotzt dein Taschentuch voll und trauerst der Kälte der vergangenen Monate nach. Denn gerade bei Sonnenschein ist die Luft besonders pollengesättigt. Auch wenn du nicht mit deinen Freunden im Park sitzen kannst, was erleben kannst du trotzdem. Diese Punkte verraten dir, wie du pollenfrei durch einen Frühlingstag in deiner Stadt kommst. Ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen. 1. Zu einem angenehmen morgendlichen Erwachen gehört eine erholsame Nacht. Damit du durchschlafen kannst, empfiehlt es sich, das Fenster über Nacht geschlossen zu lassen. Schließlich willst du dir doch einen schönen Tag machen. 2. Auch wenn es schwer fällt, solltest du deinen Wecker auf 7 Uhr stellen. Denn in den Morgenstunden ist die Pollenkonzentration in der Stadt am niedrigsten. Für denjenigen, der auf dem Land lebt, gilt übrigens das genaue Gegenteil: Du kannst getrost ausschlafen und solltest dich erst kurz vor Mittag außer Haus begeben. 3. A propos außer Haus – vergiss bloß nicht deine Sonnenbrille. Dafür gibt es gute Gründe: Erstens bemerkt man deine geröteten Augen nicht. Zweitens schützt sie dich vor den Pollen und lindert daher deine Beschwerden. Drittens sieht es einfach cool aus. 4. Verzichte auf öffentliche Verkehrsmittel und lass dich von einem Taxi abholen. Das macht jedoch nur Sinn, wenn du auf ein Taxi mit Pollenfilter bestehst. Wenn es so was in deiner Umgebung nicht gibt, dann hast du immerhin eine lukrative Marktlücke gefunden. 5. Suche dir eine geeignete Location fürs Frühstück. Am besten irgendeine miefige Kellerkneipe, zur Not musst du ein Bier frühstücken, das ist auch gehaltvoll. Vielleicht triffst du dort sogar ein paar nette Gothicleute, die noch von der Party am Vorabend übrig geblieben sind. Du weißt schon: Diese schwarzen Gesellen mit den weiß geschminkten Gesichtern, die deine Oma für Satanisten hält. Mit denen kannst du Pläne schmieden für ein Eventrestaurant in einem stillgelegten U-Bahnschacht. 6. Als Nächstes gehst du in eine ältere katholische Kirche (vorzugsweise aus dem Zeitalter der Romanik) und bittest den Pfarrer, dir die Krypta zu zeigen. Dort unten kannst du frei von Birken- und Erlenpollen die Gräber aller möglichen Heiligen und Adeligen bestaunen und dir auch schon mal ein schniekes Plätzchen für deine letzte Ruhestätte aussuchen. Zudem hast du Gesprächsstoff für dein nächstes Treffen mit den Grufties. 7. Der Frühling ist der ideale Zeitpunkt für eine Typveränderung. Fahr also nach deinem Kirchenbesuch zum Friseur und lass dir deine Haare abrasieren. Wem eine Glatze zu heftig ist, der kann’s auch bei einer Kurzhaarfrisur belassen. Jetzt können sich fast keine Pollen mehr auf deinem Kopf einnisten und dir des Nachts den Schlaf rauben. 8. Nachdem du dir eine Glatze zugelegt hast, solltest du nun das Pollenübel an der Wurzel packen. Stichwort: Regentanz lernen. Denn Dauerregen verhindert den Pollenflug nach einigen Tagen vollständig. Geh deshalb in die nächste Telefonzelle, blättere in den gelben Seiten, ruf bei einer örtlichen Esoterikgruppe an und melde dich für den Kurs an, in dem man die Tänze aller Naturvölker dieser Erde lernen kann. Am besten sofort. 9. „Es wird Regen geben“ sangen einst die Fantastischen Vier. Und tatsächlich: Der Tag neigt sich langsam dem Ende entgegen und mag es am Zufall, Gott oder an Thomas D. liegen – es regnet. Dicke Regentropfen prasseln vom Himmel und während alle um dich herum mürrisch kucken, grinst du dir einen.

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