Den Sieger ehren

Illustration: heike-winter Ständig diese Siegerehrungen: Tour de France, Formel 1, Poloturnier.
lisa-goldmann

Illustration: heike-winter Ständig diese Siegerehrungen: Tour de France, Formel 1, Poloturnier... Dieses Wochenende wird man beim Zappen durch die Sportkanäle öfter auf drei erfreute Menschen auf einem Podest stoßen. Auch du könntest bald Teil einer Siegerehrung sein, denn jeder ist im Leben einmal Sieger oder Gratulant. Damit du optimal darauf vorbereitet bist, hat jetzt.de mit Johannes Hübner gesprochen, dem Pressesprecher und Siegerehrungsexperten des Automobilclubs von Deutschland. Der AvD richtet unter anderem den Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring aus. Mit diesen Tipps wird deine Siegerehrung bestimmt ein Erfolg. 1. Zur Vorbereitung: ein Podest mit drei Stufen, hinter dem die Landesfahnen und Hymnen aller Teilnehmer zurechtgelegt werden, drei Pokale oder Medaillen, eventuell einen Kranz und drei Blumensträuße, drei große Champagnerflaschen. 2. Da sich der Sieg oft erst in den letzten Minuten des Wettbewerbs entscheidet, muss ein ganz flinker Mitarbeiter im Hintergrund rechtzeitig die richtigen Landesflaggen an den Fahnenstangen befestigen und die Nationalhymne des Erstplatzierten in den CD-Player legen. 3. Sobald der Wettbewerb zu Ende ist und die Sieger feststehen, müssen diese zum Siegertreppchen geführt werden, auf dem sie sich so platzieren: Der Sieger in der Mitte, der Zweitplatzierte rechts vom Erstplatzierten und der Drittplatzierte links davon. 4. Bevor die Zeremonie beginnt noch mal durchzählen, ob auch alle Sieger wirklich da sind. Denn die Teilnahme an der Siegerehrung ist laut Sportgesetz Pflicht und Fernbleiben kann mit einer Geldbuße im fünfstelligen Bereich bestraft werden. 5. Die Landeshymne des Siegers wird angespielt, die Fahnen werden vom flinken Mitarbeiter hochgezogen, so dass am Ende alle drei vor den Flaggen ihres Landes stehen. Ob der Erstplatzierte die Hymne mitsingt, ist ihm überlassen, unbedingt ist allerdings darauf zu achten, dass alle ihre Kopfbedeckung (Sponsorenmützen, Fahrradhelme etc.) ab- und eine gefasste Haltung annehmen. 6. Bei der Gratulation und Überreichung der Trophäen ist auf die Reihenfolge zu achten: Erst wenn der Erstplatzierte alle Trophäen in der Hand hält, darf der Zweitplatzierte geehrt werden, dann erst der Drittplatzierte. 7. Dem Sieger zu gratulieren, diese Ehre gebührt dem höchsten anwesenden Repräsentanten des Landes, also z.B. Horst Köhler. Der Zweitplatzierte wird vom Präsidenten des Veranstalters (zum Beispiel vom Präsident der Sparkasse Deutschland) geehrt, der Drittplazierte vom Ausrichter vor Ort ( z.B. vom Sparkassenfilialleiter Fürstenfeldbruck). Dies geschieht per Handschlag, sind Geehrter und Ehrender gut befreundet, ist auch mal eine kumpelhafte Umarmung mit Schulterklopfen drin. (bei Horst Köhler sollte man da nicht zu viel erwarten). 8. Nach der Gratulation wird zuerst der Pokal, dann der Siegerkranz (falls vorhanden, dann aber nur an den Erstplatzierten) und danach die Flasche Champagner überreicht. Bei den Flaschen handelt es sich oft um so genannte „Magnum Doubles“, die 3,5 Liter fassen. 9. Der nächste Punkt ist kritisch: Die Übereichung von Blumen durch leicht bekleidete Frauen. Wer aller Political Correctness zum Trotz an dieser Tradition festhalten will, sollte darauf achten, dass, falls es sich um einen oder mehrere weibliche Sieger handelt, auch ein bis drei knackige Männer bereit stehen. Diese gratulieren den Siegern mit den französischen „baisers“, ein Wangenküsschen links, eines rechts. Auf den Mund wird nicht geknutscht, soviel Zurückhaltung muss auch im Siegesrausch sein. 10. Jetzt der lustigste Teil: Pokal und Blumen werden hinters Podest geworfen, die Champagnerflaschen ordentlich geschüttelt und wild drauflosgespritzt. Schade, dass Horst Köhler dann schon wieder weg ist, der hätte sicher Spaß an einer Champagnerdusche.